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Tod von Helmut Kohl:"Ich bin ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat"

Während ihrer Rom-Reise erfährt die Bundeskanzlerin vom Tod Helmut Kohls. In ihrer Kondolenzrede findet sie persönliche Worte für den Altkanzler. Das Verhältnis der beiden war nicht immer einwandfrei.

Von Lea Kramer

Angela Merkel erfährt vom Tod des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl in Italien. Deutlich angespannt tritt sie in Rom vor die Presse und spricht über einen Staatsmann, der seine Heimat liebte, über einen Modernisierer der Christdemokraten und einen Mann, der ihren persönlichen Lebensweg entscheidend verändert hat.

Wegen einer Privataudienz bei Papst Franziskus am Samstagmittag flog Merkel bereits am Freitag nach Rom. Eigentlich hatte sie dort heute eine christlich-jüdische Ausstellung besuchen wollen. In der Residenz der deutschen Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Annette Schavan, spricht Merkel nun von ihrem früheren Mentor Kohl, einem "in jeder Hinsicht großen Mann", an dessen Wirken sie mit großer Dankbarkeit zurückdenke.

"Kohl ist zum Glücksfall für Deutschland geworden"

"Es wird noch eine Zeit lang dauern, bis wir ermessen können, was wir mit ihm verloren haben", sagt Merkel, der Schweiß steht ihr auf der Stirn. Sie trägt einen schwarzen Hosenanzug und sieht müde aus. Ob sie gegen die Temperaturen kämpft - in Rom zeigt das Thermometer 32 Grad -, oder ob sie derart mitgenommen ist vom Tod ihres Vorgängers, lässt sich nur erahnen. Kurz vor der Ansprache hat sie mit Kohls Witwe Maike telefoniert. Bisweilen war Merkels Verhältnis zur gesamten Familie Kohl angespannt. Vor allem, nachdem sie 1999 öffentlich Kohls Rausschmiss aus der Partei wegen der CDU-Spendenaffäre gefordert hatte.

Aber auch, weil Kohl sich Merkels Kritiker ins Haus nach Oggersheim holten. Im Jahr 2016 war dort zum Beispiel Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbàn zu Gast. Dieser hatte Merkel immer wieder für ihre Flüchtlingspolitik angegriffen. Auch Kohl soll das Auftreten "seines Mädchens", wie er Merkel einst liebevoll genannt hatte, als "Flüchtlingskanzlerin" nicht gefallen haben.

In Rom spielt das an diesem Freitagabend alles keine Rolle. Merkel steht während ihrer Kondolenzrede vor der europäischen und der deutschen Fahne. Sie bilden ab, wofür Kohl nach Ansicht der Kanzlerin in Erinnerung bleiben wird: die Einigung Europas und die Wiedervereinigung Deutschlands. Damit sei er zu "einem Glücksfall" für Deutschland geworden. Denn er habe mit seinem "feinen Gespür" für Geschichte die Gunst der Stunde erkannt. "Das war große Kunst", sagt Merkel.

Doch nicht nur für Deutschland sei Helmut Kohl ein Glücksfall gewesen. Er habe auch ihren eigenen, Merkels, Lebensweg entscheidend verändert. Deshalb "bin ich ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat".

© SZ.de/lkr/leja
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