Militärherrschaft:Das Recht der Unrechten

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Militärherrschaft: Die aus Myanmar geflohene Thaw Nandar Aung konnte jetzt nach Kanada ausreisen.

Die aus Myanmar geflohene Thaw Nandar Aung konnte jetzt nach Kanada ausreisen.

(Foto: Napaxalun Sattayatam/AP)

In Myanmar gehen die Schauprozesse gegen Regimegegner weiter. Aber auch Geflüchtete können in Gefahr geraten, wie der Fall der Schönheitskönigin Thaw Nandar Aung zeigt.

Von David Pfeifer, Bangkok

Wie vielen schönen Menschen kann man auch Thaw Nandar Aung, 23, auf Instagram beim Leben zusehen. Die "Miss Grand Myanmar" des Jahres 2020 posiert dort mit Kosmetik-Produkten, in einem Spa oder Club für ihre mehr als 100 000 Follower. Zwischendurch tauchen in ihren Posts aber auch Mitteilungen über Hinrichtungen durch die Junta in Myanmar auf, oder Bilder der ehemaligen Regierungschefin Aung San Suu Kyi bei einem Staatsbesuch.

Beim "Miss Grand International"-Wettbewerb in Bangkok, einen Monat nach der Machtergreifung durch das Militär in Myanmar am 1. Februar 2021, hatte Thaw Nandar Aung, die sich auch Han Lay nennt, die Gelegenheit genutzt, um ihre Verzweiflung über den Coup zum Ausdruck zu bringen. Seitdem lebte sie in Thailand. Vergangene Woche war sie bei ihrer Rückreise von einem Kurztrip nach Vietnam am Flughafen in Bangkok festgesetzt worden, für mehrere Tage. Thailändische Einwanderungsbeamte verweigerten ihr die Einreise mit der Begründung, sie benutze ungültige Reisedokumente.

Sie selbst schrieb auf Twitter, "die Polizei von Myanmar ist auf dem Suvarnambhumi-Flughafen und will mich sprechen. Ich fordere die Thai-Autoritäten auf, mir zu helfen. Ich weigere mich, mit der Polizei von Myanmar zu sprechen, und berufe mich auf meine Menschenrechte." Polizei und Militär arbeiten in Myanmar eng zusammen, Soldaten und Polizisten haben gemeinsam im vergangenen Jahr alle Proteste blutig niedergeschlagen. Sie machen weiter Jagd auf Demonstranten, sperren sie weg, foltern und töten sie. Ins Visier geraten alle, die mit der Schattenregierung, dem "National Unity Government", zusammenarbeiten. Jugendgruppen, Aktivisten, Politiker, Prominente und Personen, die in den sozialen Medien aktiv sind. Thaw Nandar Aung hatte zu Recht Angst.

Ob die thailändische Regierung, die ebenfalls aus einer Junta hervorgegangen ist, ihren Waffenbrüdern in Myanmar helfen wollte? Thaw Nandar Aung konnte am Mittwoch jedenfalls nach Kanada reisen, wo ihr Asyl gewährt wurde. Nach Hause wird sie nicht mehr können, solange die Junta an der Macht ist. "Seit ich hier gelandet bin, fühle ich mich sicher, und meine Sorgen sind verschwunden", sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon vom internationalen Flughafen in Toronto.

Drei Jahre Haft für australischen Berater

Die Junta setzt annullierte Reisepässe gezielt als Drohmittel ein. Doch auch wer im Land geblieben ist, bleibt der Willkür der Generäle ausgeliefert. Am Donnerstag wurde die ehemalige Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi zu weiteren drei Jahren Haft verurteilt. Die Anklagen sollen die Politikerin offensichtlich daran hindern, jemals wieder in die Politik einzugreifen und die Macht des Militärs infrage zu stellen. Sie ist bereits in mehreren Fällen zu mindestens 23 Jahren Haft verurteilt worden und bestreitet alle Vorwürfe.

Drei Jahre Haft wurden auch gegen den Australier Sean Turnell verhängt, wegen "Verstoßes gegen ein Geheimhaltungsgesetz". Der Wirtschaftsprofessor war ein Berater von Aung San Suu Kyi und wurde wenige Tage nach dem Putsch verhaftet. Seitdem gibt es keinen direkten Kontakt zu ihm, die Schauprozesse werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten. Die Urteilsverkündung am Donnerstag fand in einem geschlossenen Gericht in der Hauptstadt Naypyidaw statt.

Das genaue angebliche Vergehen der Angeklagten im Rahmen des Gesetzes zur Wahrung von Staatsgeheimnissen blieb unklar, obwohl eine Quelle der Agentur Reuters sagte, Turnells Vergehen "beziehe sich auf die Behauptung, dass er im Besitz von Regierungsdokumenten sei". Australischen Konsularbeamten, die Turnell helfen sollten, wurde der Zugang zum Gericht verweigert, "die australische Regierung hat die Anschuldigungen gegen Professor Turnell stets zurückgewiesen", sagte Außenministerin Penny Wong und forderte seine sofortige Freilassung.

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