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Terrorzelle NSU:Pajam Rokni-Yazdi, Anwalt des Angeklagten Holger G.

Für den Verteidiger aus Hannover ist die Beweisaufnahme am Ende angelangt. Festlegen will sich Rokni-Yazdi aber nicht, wann der Senat sein Urteil fallen wird. Im Interview sagt er, der NSU-Prozess werde wohl als einer der teuersten in die deutsche Geschichte eingehen.

SZ: Vor fünf Jahren hat die Welt von der Existenz des NSU erfahren. Seit dreieinhalb Jahren läuft der Prozess vor dem OLG München. Welche Frage muss noch dringend geklärt werden?

Rokni-Yazdi: Die Umstände, die aufzuklären waren, sind aufgeklärt. Jetzt geht es darum, diese zu würdigen. Man muss akzeptieren, dass offene Fragen bleiben und Menschen Sachverhalte unterschiedlich beurteilen.

Welcher Verhandlungstag ist Ihnen als besonders schlimm in Erinnerung?

Der Tag, an dem der Vater von Halit Yozgat ausgesagt hat. Es war ein ergreifender Moment, der das Leiden, welches diese Morde über jede einzelne Familie gebracht haben, verdeutlichte.

Welcher Prozesstag ist Ihnen in besonders positiver Erinnerung?

Der Verhandlungstag, an dem mein Mandant nicht erschien, da er fälschlich davon ausging, dass dieser aufgehoben worden sei. Als wir diesen Umstand feststellten, war der Sitzungssaal bereits voll besetzt, und wir mussten den Senat über diesen Umstand informieren. Das Ausbleiben eines Angeklagten ist schon in einem normalen Prozess kein wünschenswerter Umstand, aber ausgerechnet im NSU-Prozess bei so vielen Beteiligten besonders unangenehm. Der Senat war entsprechend wenig begeistert und hat den Angeklagten umgehend von Norddeutschland nach München zitiert. Bei der Absprache des Prozedere wurde aber auch gemeinsam geschmunzelt und die Sache so behandelt, wie sie war, menschlich eben. Der Prozess wurde am späten Nachmittag fortgesetzt.

Pajam Rokni-Yazdi, Verteidiger des Angeklagten Holger G.

(Foto: Oliver Farys,privat)

Wie hat der Prozess Ihr Leben beeinflusst?

Der Prozess hat dazu beigetragen, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen und möglichst effizient zu arbeiten. Er hat mich zudem mit unterschiedlichen Menschen zusammengebracht, die mein Leben bereichert haben.

Wann, denken Sie, wird das Urteil fallen?

Ich hoffe bis Sommer 2017. Wetten würde ich darauf allerdings nicht.

Was wird man in zehn Jahren über den NSU-Prozess sagen?

Da kann man nur mutmaßen. Sicher erscheint mir, dass die Feststellungen, die heute getroffen werden, von allen Seiten erneut beleuchtet und gewürdigt werden. Ich könnte mir auch vorstellen, dass er als einer der kostspieligsten Prozesse in die Geschichte eingehen wird.