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Terror in Iran:Anschläge erschüttern wichtige Symbole Irans

Anschlag in Teheran - Mausoleum

Iranische Sicherheitskräfte und Polizisten vor dem Mausoleum in Teheran

(Foto: dpa)
  • Attentäter haben zwei Symbolorte der Islamischen Republik Iran attackiert: Das Parlament und das Mausoleum von Ayatollah Ruhollah Chomeini in Teheran.
  • Nach Medienberichten kamen zwölf Menschen ums Leben, etwa 35 wurden verletzt.
  • Die Terrormiliz IS bekennt sich zu den Anschlägen - und droht mit weiteren Taten.

Irans Hauptstadt Teheran ist am Vormittag von zwei Terroranschlägen erschüttert worden. Die Hintergründe, die Täter - vieles liegt noch im Unklaren. Sicher ist aber so viel: Die Attentäter haben zwei Symbolorte der Islamischen Republik attackiert. Nach aktuellen Meldungen töteten sie zwölf Menschen; die Zahl der Opfer könnte aber noch steigen.

Drei Angreifer mit Kalaschnikows schossen zunächst im Parlament um sich, so berichten es iranische Nachrichtenagenturen. Fernsehbilder zeigten, wie die Parlamentarier ungerührt ihre Debatte fortsetzten, während draußen Schüsse zu hören waren. Vier andere feuerten demnach Dutzende Schüsse im Mausoleum von Ayatollah Ruhollah Chomeini ab. Dort soll sich mindestens einer der Angreifer in die Luft gesprengt haben, die Nachrichtenagentur AFP berichtet von drei Selbstmordattentätern. Mindestens 35 Menschen wurden laut den Rettungskräften verletzt, von denen zwei im Krankenhaus ihren Verletzungen erlagen.

Dem staatlichen Sender Irib zufolge soll nun die Lage unter Kontrolle sein, alle Angreifer seien tot. Die Sicherheitskräfte suchten nach etwaigen Sprengsätzen und räumten das Gebäude.

IS reklamiert Anschläge in Teheran für sich

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" beanspruchte die Urheberschaft der Tat für sich. Noch während der Angriff lief, veröffentlichte die Propagandaagentur Amaq ein Video der Angreifer aus dem Parlament - deren Verlautbarungen sind aber nicht immer zutreffend.

Schon im März hatte der IS ein Video auf Farsi (Persisch) veröffentlicht, in dem er drohte, Iran zu erobern und "der sunnitischen muslimischen Nation zurückzugeben". Wie andere sunnitische Extremisten betrachtet die IS-Miliz Schiiten als Ungläubige und verübt regelmäßig Anschläge gegen sie.

Der Ablauf der zwei Anschläge nahe, dass es sich um koordinierte Angriffe handelt. Auch die iranische Regierung stuft die Angriffe als Doppelanschlag ein. Terroristen hätten die Attentate verübt, erklärte das Geheimdienstministerium am Mittwoch dem Staatsfernsehen zufolge.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani verurteilte die Anschläge scharf. "Dieser blinde und feige Anschlag von terroristischen Söldnern wird den Kampf Irans gegen die Terroristen nur weiter stärken", sagte er und betonte die Bedeutung einer regionalen und globalen Zusammenarbeit gegen den Terror.

Die iranischen Revolutionsgarden warfen den USA und Saudi-Arabien vor, in die Angriffe verwickelt zu sein: Dass US-Präsident Donald Trump kurz zuvor "eine der reaktionärsten Regierungen in der Region" besucht habe, sei "sehr bedeutungsvoll" und "zeige, dass sie in diese grausame Aktion verwickelt" seien, sagte die Elitearmee mit Blick auf Trumps kürzlichen Besuch in Riad.

Auch andere Extremisten verfolgen Anschlagspläne im Iran

Selbstmordanschläge sind das Mittel der Wahl des IS und anderer sunnitischer Extremisten-Gruppen, die im schiitischen Iran ihren Hauptfeind sehen. Aber auch kurdische Extremisten haben immer wieder solche Attentate verübt; mehrere kurdische Gruppen hatten in den vergangenen Monaten den bewaffneten Kampf gegen die Regierung in Teheran wiederaufgenommen.

Iran hat in den vergangenen Monaten immer wieder gemeldet, dass die Sicherheitskräfte in Teheran und anderen Orten Anschläge sunnitischer Extremisten verhindert haben. Bislang ist das Land aber von größeren Attacken weitgehend verschont geblieben. In der Vergangenheit hat die von Pakistan aus agierende Gruppe Jundullah immer wieder Anschläge in Iran verübt; sie galt aber nach der Hinrichtung ihres Anführers Abdulmalik Rigi im Jahr 2010 als geschwächt.

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Das Chomeini-Mausoleum ist ein Pilgerort 25 Kilometer außerhalb der Stadt, ein Komplex aus einem Schrein mit goldenen Kuppeln, der ständig erweitert wird. Schulklassen und Pilgergruppen besuchen die Grabstätte des Revolutionsführers, aber auch normale Iraner und Touristen. Selbst viele Menschen, die mit der Politik in Iran nicht einverstanden sind oder gar das von Chomeini geschaffene System ablehnen, verehren ihn. Sunnitische Extremisten wiederum sehen in jeder Form der im Schiismus durchaus üblichen Verehrung von Toten eine Form der Vielgötterei.