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Syrien:Der Kreml könnte ein neues geopolitisches Gleichgewicht erreicht haben

Dem syrischen Diktator dürfte klar gewesen sein, dass er besser auf Moskau hört, das ihn vor dem Untergang bewahrt hat; und dass er seine Ankündigung, bis zum vollen Sieg zu kämpfen, vorerst nicht weiter verfolgt. Als Bedingung nannte er im Interview mit El Pais, dass die bewaffnete Opposition nicht die Gelegenheit nutzte, ihre Stellungen auszubauen.

Sicherheitshalber hatte ihm Witalij Tschurkin, Russlands UN-Botschafter, zu verstehen gegeben, dass er viel mehr nicht mehr erwarten sollte: Ohne ein Eingreifen Russlands hätte es "diese positiven diplomatischen Schritte nicht gegeben", sagte er. Er hoffe nun, dass man in Damaskus verstehe, dass die Einigung "eine einmalige Chance ist, den Konflikt nach fünf Jahren Zerstörung beizulegen".

Den Assad-Gegnern lässt die Vereinbarung kaum eine Wahl: Entweder sie schließen sich an, oder sie laufen Gefahr, ebenfalls offiziell vom UN-Sicherheitsrat als Terroristen eingestuft zu werden, auf die dann in vollem Einklang mit den Regeln weiter Bomben abgeworfen werden können. Darauf dringen die Russen im Falle mehrerer radikaler Islamisten-Milizen schon lange. Die Amerikaner haben sich damit auf ein Spiel eingelassen, das ihnen in Syrien die letzte Glaubwürdigkeit nehmen könnte.

Daily life in Al-Qaboun neighbourhood of Damascus

Schulkinder in einem von Oppositionskräften kontrollierten Stadtteil von Damaskus.

(Foto: Mohammed Badra/dpa)

Russland könnte seinen Einfluss ausweiten

Dass die Waffenruhe in einem Telefongespräch zwischen Wladimir Putin und Barack Obama erreicht wurde, sei für Moskau der symbolische Beleg dafür, dass ein neues geopolitisches Gleichgewicht erreicht sei, urteilt der Moskauer Außenpolitik-Experte Wladimir Frolow. Allerdings könne man nun davon ausgehen, dass die Führung im Kreml dieses Gleichgewicht nun auch auf andere Regionen ausdehnen möchte - sowohl auf andere Länder im Nahen Osten von Irak über Ägypten bis Jordanien, als auch auf Europa.

Wenn im Osten der Ukraine nun wieder vermehrt geschossen wird und die Umsetzung der Minsk-Zwei-Vereinbarungen nicht vorankommen, warum sollte nicht auch dort das nun bewährte Gespann Moskau-Washington eine Einigung erzielen? Schließlich warf der Kreml den Amerikanern seit den Maidan-Protesten in Kiew vor, die wahre Kraft hinter der ukrainischen Revolution gewesen zu sein.

© SZ vom 24.02.2016
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