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Syrien nach dem Scheitern der UN-Resolution:Warum Assads Regime den Aufstand nicht überleben wird

Noch lässt der Damaszener Herrscher sein Volk weiter zusammenschießen - ungestraft. Doch Assads Tage sind gezählt. Die Frage ist: Wie geht es weiter in Syrien, wo eine Versöhnung nach elf Monaten mit Tausenden Toten unvorstellbar ist und ein Militärputsch den Aufständischen nicht helfen würde? Das syrische Volk hat erschreckende Perspektiven.

Syriens Präsident kann sich zurücklehnen. Dank des Doppelvetos von Russland und China ist der UN-Sicherheitsrat machtlos: Der Rat wird Baschar al-Assad und sein Regime - vorerst? - nicht als Schlächterbande verurteilen. Das oberste Aufsichtsorgan der Weltgemeinschaft erweist sich als erschreckend zahnloses Instrument. Und das, obwohl Assads Armee, als Prolog zur New Yorker Abstimmung, ein beispielloses Massaker angerichtet zu haben scheint. Russen und Chinesen haben sich von Hunderten Toten und Verletzten in der aufständischen Stadt Homs bei der Veto-Entscheidung nicht beeindrucken lassen. Politische und wirtschaftliche Interessen wogen schwerer als das elementarste Menschenrecht: der Schutz des Lebens.

Ein Bild von Assad, eine russische Fahne - bespritzt mit roter Farbe. Viele Syrer geben Russland die Schuld an dem Blutvergießen in ihrem Land.

(Foto: AFP)

Der Damaszener Herrscher kann den aufständischen Teil seines Volkes also fürs Erste weiter zusammenschießen lassen, ungestraft. Das ist ein Skandal, und jeder weiß es. Dabei spielt es keine Rolle, ob es eine Mehrheit oder eine Minderheit der Syrer ist, die seit elf Monaten gegen Assads Regime protestiert: Auch Minderheiten haben ein Recht auf politische Partizipation. Ebenso wenig entscheidend ist, dass ein Teil der Aufständischen Gewalt anwendet. Unter den Armeeopfern von Homs sind Frauen und Kinder. Davor wurden regimekritische Sänger, Blogger und Zeichner zu Tode gefoltert. Sie alle hatten keine Waffe in der Hand, als sie starben.

Syriens Präsident lässt seine Bürger ermorden, weil sie anderer Meinung sind als er, weil sie ihm seine seit zehn Jahren unerfüllten Reformversprechen nicht länger glauben. In Syrien beschränkt sich die Arabellion nicht auf einen Frühling, in Syrien wird das Blutbad das ganze Jahr über angerichtet. Das Regime wird den Aufstand eben deshalb nicht überleben, selbst wenn Russen und Chinesen das Ende hinauszögern: Versöhnung ist in Syrien nach so vielen Opfern kaum noch vorstellbar, solange der Präsident an der Macht ist.

Die Frage ist, wann und wie dem Regime die Luft ausgeht. Die Aufständischen sind auch nach fast einem Jahr zu schwach und zersplittert, um die Wende zu erzwingen. Teile der christlichen und alawitischen Minderheiten halten dem Staatschef aus Prinzip die Treue, andere nur noch aus Angst. Aber sie tun es. Die schweigende Sunniten-Mehrheit hat sich noch nicht entschieden - auch das stützt das Regime. Dies wird vorerst so bleiben, solange die Armee in Reih und Glied schießt und die Nachbarstaaten den Rebellen keine Waffen liefern.

Aber wie lange will die Armee das Massaker an den eigenen Bürgern noch fortsetzen? Jeder Soldat hat Geschwister oder Freunde, sie stehen möglicherweise auf der anderen Seite der Barrikade. Die mehreren tausend Fahnenflüchtigen, die als "Freie Syrische Armee" gegen das Regime kämpfen, haben ihre Entscheidung getroffen. Andere werden ihnen folgen.