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Syriens Herrscher Baschar al-Assad:Vom Augenarzt zum Autokraten

Gewalt und kein Ende: Mit brutaler Härte verteidigt Baschar al-Assad seine Machtposition in Syrien. Eine Position, für die sein Vater eigentlich einen anderen Sohn vorgesehen hatte. Doch ein Schicksalsschlag durchkreuzte die Pläne - und der Mediziner Assad musste umlernen.

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SYRIENS PRÄSIDENT ASSAD TOT

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Gewalt und kein Ende: Mit brutaler Härte verteidigt Baschar al-Assad seine Machtposition in Syrien. Eine Position, für die sein Vater eigentlich einen anderen Sohn vorgesehen hatte. Doch ein Schicksalsschlag durchkreuzte die Pläne - und der Mediziner Assad musste umlernen.

Baschar al-Assad wurde 1965 in der syrischen Hauptstadt Damaskus geboren und erlebte eine behütete Kindheit, geprägt von der Karriere seines Vaters, Hafez al-Assad (im Bildhintergrund). Der nahm ein Jahr nach der Geburt seines zweiten Sohnes an einem Putsch teil und wurde Verteidigungsminister, ehe er 1970 zum Präsidenten und unangefochtenen Herrscher Syriens aufstieg.

ASSAD

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Hafez al-Assad führte das Land mit harter Hand in eine Position, die von anderen arabischen Staaten nie erreicht wurde. Syrien hatte in allen Konflikten der Region seine Finger im Spiel: im Libanon mit Hilfe der Hisbollah, dessen Geldgeber Syrien war. In Israel mittels der Hamas, die von Damaskus aus operierte. Im Irak, wo der syrische Geheimdienst Aufständische unterstützte. Und selbst am Golf, wo Assad Saudi-Arabien schwächte, weil er mit Iran paktierte. Um diese Position zu halten, hatte Assad bereits früh einen Nachfolger auserkoren: Sein ältester Sohn Basil sollte die Macht übernehmen. Doch der kam am 21. Januar 1994 bei einem Autounfall ums Leben ...

BASHAR ASSAD

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... und so rief der Vater nach seinem jüngeren Sohn Baschar, der bis dahin keinerlei politische Ambitionen hatte erkennen lassen. Baschar hatte Medizin in Damaskus studiert, später spezialisierte er sich auf Augenheilkunde. Nebenbei widmete sich der junge Präsidentensohn seinem Interesse für Computer und das Internet, er trieb den Ausbau der Informationstechnologie in Syrien voran. 1992 zog er für einen mehrjährigen Aufenthalt nach London, wo er seine Frau Asma al-Assad kennenlernte. Es heißt, er habe gerne in London gelebt. Doch der Ruf seines Vaters ließ ihm 1994 keine Wahl: Der Augenarzt Baschar al-Assad kehrte in seine Heimat zurück, um Politiker zu werden.

BASHAR AL ASSAD ASLAN

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Der gesundheitlich angeschlagene Präsident Hafez al-Assad hatte seine Macht dem Militär zu verdanken, also schickte er Baschar zunächst auf eine Militärakademie. In dieser Szene beobachtet Baschar al-Assad im Juli 2000 eine Militärübung. Außenpolitisch wurde der Sohn als Kontaktmann zu Marokko und Jordanien eingesetzt. Als Hafez al-Assad am 10. Juni 2000 starb, war Baschar als Nachfolger etabliert.

BASHAR AL-ASSAD POISED TO BECOME SYRIA 'S LEADER

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Wenige Stunden nach dem Tod von Hafez al-Assad sprach sich das Parlament für eine Herabsetzung des Mindestalters für Präsidenten aus, um Baschar al-Assad auch formell den Weg freizumachen. Er wurde im Juli 2000 als einziger Kandidat mit 97,3 Prozent der Stimmen gewählt und begann eine siebenjährige Amtsperiode.

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Der Westen sah den Aufstieg mit Wohlwollen, dem neuen Präsidenten eilte der Ruf eines Modernisierers voraus. Assad versprach eine Reform des überdimensionierten Wirtschaftssystems, mehr Transparenz des Staates und eine Erhöhung des Lebensstandards. Gemäß seinem eigenen Interesse trieb er den Anschluss der syrischen Bevölkerung an das Internet voran. Im Mai 2001 besuchte Papst Johannes Paul II. Damaskus. Assad galt international als hoffähig.

ASSAD SCHROEDER

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Schon damals mahnten jedoch kritische Stimmen, Assad werde sich hüten, "die unter seinem Vater perfektionierte Verfilzung von Staat, Sicherheitskräften und privatem Kapital anzutasten" (Neue Zürcher Zeitung). Und auch außenpolitisch blieb der junge Präsident der syrischen Linie treu: Er behauptete, der Rassismus der Israelis übertreffe den der Nazis und forderte eine "hundertprozentige Rückgabe" der von Israel im Sechstagekrieg 1967 besetzten Golanhöhen. Sein dreitägiger Staatsbesuch in Deutschland im Juli 2001 stand im Schatten dieser Äußerungen.

Treffen der Arabischen Liga in Libyen -  Baschar al-Assad

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2003 entwickelte sich Baschar al-Assad zum "neuen Lieblingsfeind" (Süddeutsche Zeitung) der USA, die ihm vorwarfen, aus Syrien würden heimlich Waffen an den Irak geliefert. Erst nach dem Ende der Ära des US-Präsidenten George W. Bush verbesserten sich die Beziehungen beider Länder. 2005 geriet Assad international unter Druck, als nach dem Mord des ehemaligen libanesischen Premierministers Rafik Hariri Spuren nach Syrien führten. Hariri war 2004 nach Spannungen mit der syrischen Führung zurückgetreten.

Bashar Assad

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Assad überstand die Affäre jedoch unbeschadet und brachte den Westen im August 2006 erneut gegen sich auf, als er in einer Rede gegen Israel hetzte: Künftige Generationen würden einen Weg finden, Israel zu besiegen, prophezeite er. Der damalige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte daraufhin einen Besuch in Damaskus ab.

Iranischer Präsident zu Solidaritätsbesuch in Damaskus

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Die Ablehnung war jedoch nie von langer Dauer - schon im Januar 2007 reiste Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder zu Gesprächen nach Syrien. Einen Monat später traf Assad den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.

Man looks at banner depicting regional arab leaders in prison garb in Tahrir Square

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2007 wurde Assad für eine zweite Amtszeit gewählt, offiziellen Angaben zufolge mit 97,6 Prozent der Stimmen. Von dem Reformwillen des Präsidenten war zu diesem Zeitpunkt schon kaum mehr etwas zu spüren. Das Regime ging mit harter Hand gegen Regimegegner vor und zeigte sich unbeirrt, als Ende 2010 die Massenproteste in Tunesien und Ägypten ausbrachen, die den Sturz der Despoten Ben Ali und Mubarak nach sich zogen.

Syrians protest in Latakia

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Mitte März 2011 erreichten die Proteste Syrien. Präsident Baschar al-Assad reagierte mit brutaler Härte. Hunderte Panzer und Kriegsschiffe brachte er gegen sein eigenes Volk in Stellung. Sanktionen von USA und EU blieben zunächst wirkungslos.

Syriens Staatschef Assad während des Interviews mit dem US-Sender ABC

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Ende 2011 nahm Assad in einem Interview Stellung zu den Vorwürfen. Er wies jede Verantwortung von sich und reagierte belustigt auf die Frage, ob er sich schuldig fühle. "Wie kann man sich schuldig fühlen, wenn man sein Bestes tut?", sagte Assad dem US-Fernsehsender ABC.

Wounded girl is seen in Baba Amro, a neighbourhood of Homs

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Nachdem Anfang Februar 2012 Berichte über ein Massaker an Aufständischen in der Stadt Homs laut wurden (im Bild ein am Kopf verletztes Mädchen), stimmte der Weltsicherheitsrat über eine Syrien-Resolution ab. Der unter anderem von den USA und Deutschland unterstützte Vorstoß scheiterte jedoch am Veto Russlands und Chinas.

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Russlands einziger Flottenstützpunkt im Mittelmeer liegt im syrischen Tartus, seit 2009 wird er renoviert und ausgebaut. Zudem ist Syrien ein wichtiger Kunde der russischen Rüstungsindustrie. Moskau steht deshalb bislang treu an der Seite Assads und verhindert das Einschreiten der internationalen Gemeinschaft. Mehrere Anläufe der Vereinten Nationen, der Brutalität des Augenarztes Einhalt zu gebieten, scheiterten.

Kofi Annan, Bashar Assad

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Im März 2012 ernannten die Vereinten Nationen und die Arabische Liga den Friedensnobelpreisträger Kofi Annan zum Sondergesandten für Syrien. Annan vereinbarte mit Assad - hier bei einem Treffen in Damaskus - einen Friedensplan, der jedoch nie vollständig umgesetzt werden konnte. Anfang August gestand Annan sein Scheitern ein und verzichtete auf eine Verlängerung seines Mandats.

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Assad setzte im August 2013 Giftgas gegen die eigene Bevölkerung ein. Zuvor hatte US-Präsident Obama den Einsatz von Chemiewaffen mehrfach als "rote Linie" bezeichnet und mit Luftschlägen gedroht. Unter Vermittlung des Assad-Verbündeten Russland verpflichtete sich Assad dazu, sein Chemiewaffenarsenal zu vernichten. Das Bild zeigt einen syrischen Oppositionellen, der eine Gasmaske aufzieht.

US Secretary of State Kerry, UN-Arab League envoy for Syria, Brahimi and Russia's Foreign Minister Lavrov arrive at a news conference in Paris

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Annans Rolle als Sondergesandter übernahm Mitte 2012 der Algerier Lakhdar Brahimi (Bildmitte), hier mit US-Außenminister John Kerry (links) und dessen russischem Kollegen Sergej Lawrow. Die Gewalt in Syrien hielt jedoch an. Teile der Opposition haben sich radikalisiert: Die Isis-Miliz kämpft für einen islamischen Staat in Irak und in Groß-Syrien und beherrscht im Sommer 2014 weite Teile beider Länder.

Syrians vote for president

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Eine umstrittene Wahl im Juni 2014 bescherte Assad seine dritte Amtszeit als Präsident. 88,7 Prozent der Syrer stimmten offiziellen Angaben zufolge für den Präsidenten. Vereinte Nationen, Arabische Liga und Europäische Union kritisierten, dass syrischen Bürger in einigen Landesteilen der Zugang zur Wahl verwehrt blieb. Nur in von der Regierung kontrollierten Gebieten konnte gewählt werden. Das Bild zeigt Baschar al-Assad mit seiner Frau Asma bei der Wahl. Sie färben ihre Finger mit Tinte, als Zeichen, ihre Stimme abgegeben zu haben.

© sueddeutsche.de/mikö/atr

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