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Syrien:Kurden warnen vor Massaker in Kobanê

Islamic State conflict in Syria

Blick auf Kobane an der syrisch-türkischen Grenze.

(Foto: dpa)
  • Den Einwohnern der umkämpften syrisch-türkischen Grenzstadt Kobanê droht nach Angaben von kurdischen Politikern ein Massaker durch IS. Die Dschihadisten seien bis auf wenige Kilometer an den Ort herangerückt.
  • Die britische Luftwaffe bombardiert erstmals Ziele im Irak.
  • Im Nordirak konnten kurdische Truppen mehrere Dörfer von IS zurückerobern.
  • Im Netz ist in der Nacht ein neues Propaganda-Video des IS aufgetaucht. Darin wird ein britischer Fotojournalist genötigt, das Vorgehen der USA zu kritisieren.

"Sie werden die Menschen abschlachten"

Die syrisch-türkische Grenzstadt Kobanê wird seit Tagen von Kämpfern des "Islamischen Staat" (IS) belagert. Jetzt warnen kurdische Politiker vor einem Fall des Ortes an IS. "Es gibt heftige Kämpfe", sagte der Chef der syrischen Partei der Demokratischen Union (PYD), Saleh Muslim. "Die kurdischen Einheiten verteidigen sich mit allem, was sie in die Hände bekommen, um ein Massaker zu verhindern". Doch wenn IS-Kämpfer in die Stadt gelangen sollten, "werden sie alles zerstören und die Menschen abschlachten". Binnen weniger Tage werde die Entscheidung gefallen sein, "so oder so".

Muslims PYD hat enge Verbindungen zu der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Der bewaffnete Arm der PYD liefert sich seit Tagen heftige Gefechte mit der IS-Miliz. Auch der Vize-Vorsitzende der pro-kurdischen Partei HDP warnte vor einem Fall Kobanês. Die Stadt, die auf arabisch Ain al-Arab heißt, sei von drei Seiten von IS-Kämpfern eingeschlossen. Die Menschen in der Stadt leisteten "mit geringen Mitteln" Widerstand gegen die hochgerüsteten Angreifer.

IS-Milizen stehen kurz vor der Stadt

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (hier mehr zu der Organisation) seien die Extremisten nur noch zwei Kilometer von der Stadt entfernt. Zwischen den Stellungen beider Seiten läge nur noch ein freies Feld. Die Orte liegen an der türkischen Grenze in einer Enklave, die bislang von kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wurde. Am Montag hatten die USA und ihre arabischen Verbündeten zuletzt Stellungen des IS in Nordsyrien bombardiert. Das von den USA geführte Bündnis habe zwei Dörfer westlich und östlich Kobanês angegriffen, so die Syrische Beobachtungsstelle.

Britische Kampfflugzeuge beschießen erstmals IS-Ziele im Irak

Kampfflugzeuge der Royal Air Force haben erstmals Stellungen der IS im Irak beschossen. Wie das Verteidigungsministerium in London mitteilte, unterstützten zwei Tornado-Maschinen kurdische Einheiten im Nordwesten des Landes, die von IS-Kämpfern angegriffen worden waren. Dabei wurden eine mit schweren Waffen ausgerüstete Stellung sowie ein Fahrzeug der Extremisten beschossen. Erste Hinweise deuteten darauf hin, dass die Bombardierungen erfolgreich gewesen seien. Das Unterhaus in London hatte Ende vergangener Woche den Weg für Luftangriffe frei gemacht. Am Wochenende starteten britische Jets zu Flügen über den Irak auf - nahmen aber noch keine Ziele unter Beschuss.

Drei-Fronten-Angriff auf IS im Nordirak

Im Nordirak konnten kurdische Truppen nach eigenen Angaben zehn Dörfer von IS zurückerobern. Die Orte liegen nordwestlich der IS-Hochburg Mossul, berichtete die irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria. Zwei weitere Orte konnten südlich der für das Ölgeschäft strategisch wichtigen Stadt Kirkuk eingenommen werden. Zudem griffen die kurdischen Kämpfer die Dschihadisten in der Nähe des Ortes Sumar an. Die Truppen seien deutlich vorangekommen, sagte ein kurdischer Offizieller laut Al-Sumaria.

Neues Propaganda-Video von IS im Netz

In der Nacht zum Dienstag hat die Terrormiliz IS im Internet ein weiteres Propagandavideo mit einem britischen Fotojournalisten veröffentlicht, der als Geisel festgehalten wird. Wie britische Medien berichten, lassen die Entführer ihre Geisel die Strategie von US-Präsident Barack Obama im Kampf gegen die Extremisten kritisieren, unter anderem die Luftangriffe im Irak. Der 43-Jährige sagt, dass die Freie Syrische Armee (FSA) "undiszipliniert, korrupt und weitgehend ineffektiv" sei. Die US-Regierung will Mitglieder der Rebellenarmee für den Kampf gegen die Terrormiliz ausbilden. Der Journalist war im November 2012 in Syrien entführt worden.

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