Sunniten gegen Schiiten Die USA haben Irans schlimmste Feinde beseitigt

In Saudi-Arabien und Libanon gilt die Schia als Unterschichtenreligion, abstoßend in ihren rituellen Exzessen wie den Selbstgeißelungen zum Aschura-Fest, exotisch in ihren vergangenheitsseligen Heiligenfestspielen, ketzerisch in ihrem bilderfreudigen Märtyrerkult. Manche Sunniten glauben, Schiiten spuckten in ihr Essen. Andere sind überzeugt, dass Schiiten Schwänze hätten.

Nicht einmal Ayatollah Chomeini, der iranische Revolutionär, vermochte die sunnitischen Massen zu begeistern. Statt-dessen wurde die Schia zum Inbegriff für islamischen Fanatismus. Eine seltsame Entwicklung, schickte damals doch Saudi-Arabien schon Wahhabi-Prediger nach Zentralasien und Malaysia, um seinen Steinzeit-Islam zu verbreiten.

Aber es war Amerika, der Trampel im Nahen Osten, der die schlimmsten Feinde der schiitischen Führungsmacht Iran beseitigt hat - die Taliban in Afghanistan, und Saddam Hussein im Irak. Seitdem ringt Washington um die Eindämmung des iranischen Machtanspruchs. Dass Teheran nach der Atombombe greift, ist ein Albtraum für Israel, aber ebenso für die sunnitischen Herrscher am Golf, allen voran in Saudi-Arabien.

Syrien - der Kampf gegen das mit Iran verbündete Regime von Baschar al-Assad - ist ihre Chance, die Schiiten zu schlagen. Syrien könnte jener Auslöser sein, der nach einem kurzen schiitischen Frühling den Status quo ante wiederherstellt: sunnitische Hegemonie im Nahen Osten. Zumindest ziehen dafür die Sunniten in den Kampf.

Fotograf bereist Syrien

Unterwegs mit Rebellen