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USA:Trump will Sudan von Terrorliste streichen

FILE PHOTO: Sudan's ousted President Omar al-Bashir is seen inside the defendant's cage during his and some of his former allies trial over the 1989 military coup that brought the autocrat to power in 1989, at a courthouse in Khartoum

Nach dem Sturz von Langzeitherrscher Omar al-Bashir versucht die neue Regierung im Sudan, die Beziehungen zur internationalen Gemeinschaft zu verbessern.

(Foto: Mohamed Nureldin Abdallah /Reuters)

Der US-Präsident verkündet, das Land habe sich bereit erklärt, Hunderte Millionen Dollar an amerikanische Opfer von Terrorismus zu zahlen. Auf der Liste stehen dann nur noch drei Staaten.

Im Gegenzug für eine Millionenzahlung an amerikanische Terror-Opfer will die US-Regierung den Sudan von ihrer Liste staatlicher Unterstützer von Terroristen streichen. Die Zahlung von 335 Millionen Dollar (rund 290 Millionen Euro) bringe nach langer Zeit Gerechtigkeit, schrieb US-Präsident Donald Trump auf Twitter. Dies sei für den Sudan ein "großer" Schritt, schrieb er weiter. Die Streichung von der Liste könne nach der Zahlung erfolgen.

Die Einstufung als Terror-Staat hat das Land im Nordosten Afrikas international isoliert. Wenn der Sudan nicht mehr auf der Liste der Terrorismus-Unterstützer steht, dürfte es unter anderem für internationale Firmen und Banken viel einfacher werden, dort Geschäfte zu machen. Zudem kann die Regierung in Khartum damit auch wieder leichter Zugang zu Hilfen multilateraler Geber bekommen, etwa vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Auf der Terror-Liste stehen sonst nur noch die Staaten Nordkorea, Iran und Syrien. Sudan wird dort seit 1993 aufgeführt. In den 1990er-Jahren kamen Osama bin Laden und andere damals gesuchte Extremisten in dem Land unter.

Der Sudan befindet sich seit Langem in einer tiefen Wirtschaftskrise. Die Millionenzahlung an die USA dürfte für das Land mit rund 42 Millionen Einwohnern daher nicht einfach sein. Der Sudan bemüht sich aber seit dem Sturz des autokratischen Präsidenten Omar Al-Baschir im April 2019 um bessere Beziehungen mit der internationalen Gemeinschaft. Für die Übergangsregierung war ein wichtiges Ziel, von der US-Terror-Liste gestrichen zu werden. Trump schrieb, Sudans Regierung mache derzeit "tolle Fortschritte".

Die Entschädigungszahlung gilt dem Vernehmen nach US-Überlebenden und Angehörigen der Opfer der Terroranschläge auf die amerikanischen Botschaften in Tansania und Kenia im Jahr 1998. Für die Anschläge wurde die Terrororganisation Al-Kaida verantwortlich gemacht, deren Anführer Osama bin Laden sich damals im Sudan aufgehalten haben soll. Bei den Angriffen wurden nach US-Angaben 224 Menschen getötet, darunter 12 US-Bürger, und mehr als 4500 Menschen wurden verletzt.

Zeitweise hatte es Spekulationen gegeben, dass die USA den Sudan nur im Gegenzug einer Normalisierung der Beziehungen mit Israel von der Liste streichen würden. Washington bemüht sich darum, arabische Staaten beziehungsweise Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit dazu zu bewegen, Israel offiziell anzuerkennen. Trumps Tweet zum Sudan erwähnte Israel am Montag allerdings nicht.

© SZ/dpa/saul/dit

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