Sudan:Sicherheitskräfte schießen auf Demonstranten

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Sudan: Demonstranten im Zentrum der sudanesischen Hauptstadt Khartum am Dienstag.

Demonstranten im Zentrum der sudanesischen Hauptstadt Khartum am Dienstag.

(Foto: Marwan Ali/AP)

Zehntausende protestierten gegen die vom Militär dominierte Übergangsregierung. Neben Tränengas setzen Polizei und Armee Berichten zufolge auch scharfe Munition ein.

Von Bernd Dörries, Khartum

"Wir wollen Gerechtigkeit für die, die bisher gestorben sind", sagt Fatima, der es reicht, wenn nur ihr Vorname in der Zeitung steht. Sie steht auf einem zentralen Platz in der sudanesischen Hauptstadt Khartum, um sie herum versammeln sich Hunderte Demonstranten, um gegen die vom Militär dominierte Übergangsregierung zu demonstrieren. "Wir wollen Gerechtigkeit und eine zivile Regierung, wir wollen, dass der Wille der Straße gehört wird", sagt Fatima. Zehntausende vor allem junge Demonstranten sollen es am Dienstag gewesen sein, die versuchten, zum Präsidentenpalast zu ziehen.

Dort residiert derzeit General Abdel Fattah Burhan, der als Chef des Souveränen Rates letztlich das Staatsoberhaupt des Sudan ist. Polizei und Armee setzten Tränengas ein, um die Demonstranten zurückzudrängen, später soll auch scharfe Munition zum Einsatz gekommen, mindestens ein Demonstrant ums Leben gekommen sein.

"Wir haben keine Angst, wir machen immer weiter", sagen Fatima, 24, und ihre Freundinnen. Sie und Millionen anderer Sudanesen kämpfen seit 2018 für einen freien Sudan. Die Proteste wurden 2019 so massiv, dass die Militärs den ewigen Diktator Omar al-Baschir aus dem Amt entfernten, der das Land in einen Terrorstaat verwandelt hatte und für den Völkermord in Darfur verantwortlich ist. Anschließend regierte zwei Jahre lang eine Übergangsregierung aus Militär und Zivilisten, bis die Armee am 25. Oktober putschte, Premierminister Abdalla Hamdok festnahm und mit ihm große Teile der Regierung.

Die USA und EU froren Hilfsgelder ein und drohten mit Sanktionen, schließlich einigten sich Hamdok und die Generäle vor einer guten Woche, die Macht erneut zu teilen, allerdings mit mehr Macht für die Armee. Große Teile der Zivilgesellschaft sehen das neue Abkommen als Verrat an den Zielen der Revolution. Mehr als vierzig Menschen sind seit Ende Oktober bei Protesten gegen das Militär ums Leben gekommen.

Viele Demonstranten trugen an diesem Dienstag die Plakate mit den Fotos von Verstorbenen mit sich und forderten, den Mördern den Prozess zu machen. Premierminister Hamdok hatte das neue Abkommen damit gerechtfertigt, dass es der einzige Weg sei, weiteres Blutvergießen zu verhindern. Danach sah es in Khartum am Dienstag nicht aus, Militär und Polizei gingen mit großer Härte gegen die Demonstranten vor.

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