Meerenge von Hormus "Ein Wettstreit der Entschlossenheit"

Immer wieder nähern sich Speedboote der iranischen Revolutionsgarden Tankern in der Straße von Hormus - hier eine Archivaufnahme.

(Foto: Vahid Salemi/AP)
  • Nach mehreren Vorfällen zwischen der britischen Marine und den iranischen Revolutionsgarden verschärfen sich die Spannungen in der Golfregion.
  • Irans Präsident Rohani hat gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren, sollte sein Land nicht mehr in der Lage sein, Öl zu exportieren.
  • Die Drohungen Rohanis wecken Erinnerungen an den Tankerkrieg der Achtzigerjahre während des Golfkriegs zwischen Ian und Irak.
Von Paul-Anton Krüger

Mehr als 1000 Tanker alleine passieren jeden Monat die Straße von Hormus. Die meisten steuern Asien an, aber auch Europa und Nordamerika gehören zu den Zielen. Knapp ein Viertel des gesamten auf der Welt gehandelten Öls muss durch die Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer verbindet. Das entspricht etwa 40 Prozent des mit Schiffen beförderten Rohstoffs - und macht die strategische Bedeutung der Wasserstraße aus, die an der engsten Stelle nur 33 Kilometer misst; die Fahrrinnen sind gerade einmal drei Kilometer breit.

Am Donnerstag haben drei iranische Boote, offenbar die Marine der Revolutionsgarden, versucht, einen britischen Tanker in internationalen Gewässern zu stoppen, so das Verteidigungsministerium in London. Die Fregatte H.M.S. Montrose setzte sich zwischen die British Heritage des Ölkonzerns BP und die iranischen Boote und richtete ihre Kanonen auf sie. Nach mündlichen Warnungen drehten sie ab, es fiel kein Warnschuss, der Tanker gelangte sicher in den Golf von Oman. Die Revolutionsgarden bestreiten, dass sie überhaupt versucht hätten, das Schiff zu stoppen. Aber der Zwischenfall verstärkt die Sorgen vor einer Eskalation am Persischen Golf.

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Die britische und die US-Regierung erklären, ein Kriegsschiff der britischen Marine habe sich zwischen dem Tanker und drei Angreifern positioniert. Die iranischen Revolutionsgarden streiten den Vorfall ab.

Irans Präsident hat den Briten dunkel mit Konsequenzen gedroht

Irans Präsident Hassan Rohani hatte Großbritannien dunkel vor "Konsequenzen" gewarnt. Britische Marineinfanteristen hatten am 4. Juli vor Gibraltar auf einen Hinweis der USA hin den von Iran genutzten Supertanker Grace 1 gestoppt - nach britischen Angaben in den Territorialgewässern der Enklave. Die Behörden dort prüfen, ob das Schiff im Verstoß gegen EU-Sanktionen Öl an die vom Embargo erfasste Raffinerie Banyas in Syrien liefern wollte. Iran spricht von einem "Akt der Piraterie" und fordert die Freigabe des Schiffs.

Während dieser Schlagabtausch also offenbar einem bilateralen Streit geschuldet ist, verschärft er doch weiter die Spannungen in der Golfregion. Sie gehen auf den Konflikt zwischen den USA und deren arabischen Verbündeten mit Iran und die Auseinandersetzung um das Atomabkommen zurück. Irans Präsident Rohani hat gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren. Sollte sein Land eines Tages nicht mehr in der Lage sein, Öl zu exportieren, etwa wegen der US-Sanktionen, werde das auch "keinem anderen Land am Persischen Golf mehr möglich sein", warnte er. Seit US-Präsident Donald Trump im Mai die letzten noch bestehenden Ausnahmegenehmigungen für acht Länder für Ölkäufe in Iran nicht verlängert hat, sind die Ausfuhren der Islamischen Republik von einst 2,5 Millionen Barrel pro Tag auf unter eine Million eingebrochen, nach manchen Schätzungen auf sogar noch weniger.

Die Drohungen Rohanis wecken Erinnerungen an den Tankerkrieg der Achtzigerjahre während des Golfkriegs zwischen Iran und Irak. Die Luftwaffe von Diktator Saddam Hussein begann ihn 1981 mit Angriffen auf eine iranische Ölplattform im Golf. Es war der Versuch, Iran wirtschaftlich zu strangulieren. Iran antwortete mit Angriffen auf irakische Tanker und die anderer arabischer Golfstaaten. Laut dem US Naval Institute waren die Iraker für mindestens 283 Angriffe verantwortlich, Iran attackierte mindestens 168 Mal. Der britische Schiffsversicherer Lloyds kommt sogar auf fast 550 beschädigte Schiffe.

Während die Iraker meist Raketen auf Schiffe in iranischen Gewässern feuerten, griffen die Iraner schon damals zu Taktiken, die heute noch die Marine der Revolutionsgarden nutzt: Mit kleinen, schnellen und wendigen Booten schwärmten sie aus, attackierten Schiffe mit Maschinenkanonen, schultergestützten Raketen und Granaten. Heute verfügen die Revolutionsgarden zudem über Stützpunkte entlang der Küste, die mit Antischiffsraketen und Marschflugkörpern ausgestattet sind. Auch soll Iran sein Arsenal an Seeminen wieder stark ausgebaut haben.

Die USA, Saudi-Arabien und einige andere Länder haben Iran auch verantwortlich gemacht für Attacken auf insgesamt sechs Tanker im Golf von Oman. In den vergangenen Wochen wurden vier Schiffe durch Explosionen knapp über der Wasserlinie beschädigt, während sie vor Fudschaira im Golf von Oman auf Reede lagen, zwei weitere Tanker nach der Durchfahrt durch die Straße von Hormus. In allen Fällen sollen Haftminen zum Einsatz gekommen sein. Die USA hatten ein Video veröffentlicht, das zeigen soll, wie Revolutionsgardisten eine nicht detonierte Mine von einem der beschädigten Schiffe entfernen. Andere Staaten, etwa die Vereinigten Arabischen Emirate, verweisen offiziell auf laufende Untersuchungen, lassen aber in vertraulichen Gesprächen kaum Zweifel, wen sie hinter den Attacken vermuten.

Iranische Offizielle bestreiten alles - und machen gegenteilige Andeutungen

Iranische Regierungsvertreter bestreiten offiziell jede Beteiligung, machen jedoch zugleich gegenteilige Andeutungen. Diejenigen, die einen Wirtschaftskrieg gegen Iran führen, "können nicht erwarten, sicher zu bleiben", orakelte Außenminister Mohammad Dschawad Sarif kryptisch während des Besuchs von Bundesaußenminister Heiko Maas in Teheran. "Das ist die Taktik der Iraner", sagt ein arabischer Diplomat, "sie setzen Nadelstiche, bestreiten die Verantwortung, aber demonstrieren ihre Fähigkeit zu eskalieren - und damit kommen sie immer wieder davon."

Europäische Regierungen fürchten vor allem eine Eskalation zu einer militärischen Auseinandersetzung, ohne dass eine der Seiten dies aktiv anstrebt. Frankreichs Generalstabschef François Lecointre sprach am Donnerstag von einem Spiel, das sich aus Provokationen und Reaktionen speist, aus Signalen und Antworten. Das könne weiter eskalieren, aber es handele sich immer noch "um einen Wettstreit der Entschlossenheit" zwischen den USA und Iran: "Ich glaube, für heute ist das unter Kontrolle." Noch.

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