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Steuerhinterziehung von Prominenten:Steuer-CDs sind die erfolgreichsten CDs der Welt

Sie begannen also, in Steuersachen so ernsthaft zu ermitteln, wie das auch sonst im Strafrecht üblich ist. Und weil es nach den Zeiten der Sanftmut so viel nachzuholen gab, griff man auch zu einigen ungewöhnlichen Mitteln: zum Ankauf der sogenannten Steuer-CDs zum Beispiel. Auch das hat zum neuen Steuerbewusstsein beigetragen. Die Steuer-CDs wurden die erfolgreichsten CDs der Welt: Sie spielten Hunderte Millionen Euro ein, und zwar schon, bevor sie in ein Abspielgerät eingelegt wurden. Deren bloße Existenz trieb Tausende Steuerhinterzieher dazu, Selbstanzeige zu erstatten, um so der Strafe zu entgehen. Die Abschaffung der strafbefreienden Selbstanzeige, die es über kurz oder lang geben wird, wird das endgültige Ende der privilegierten Behandlung der Steuerkriminalität sein.

Das Ende der Sonderbehandlung von Steuerstraftätern kann aber nicht der Anfang einer allgemeinen Jagdzeit sein. Derzeit kann man den Eindruck haben, dass das bloße Wort "Steuerhinterziehung" genügt, um eine mediale Hatz auszulösen und über alle Besonderheiten des Falles hinwegzutrampeln.

Der Fall Schwarzer liegt ganz anders als der Fall Hoeneß, und der wiederum liegt anders als der Fall Schmitz. Gemeinsam ist ihnen nur, dass es sich um prominente Menschen handelt. Diese Prominenz ist kein Grund, bei der Betrachtung ihrer Verfehlungen jegliche Differenzierung aufzugeben; Schwarzer mag zwar bei vielen unbeliebt sein, sie ist aber, anders als Schmitz, kein Amtsträger. Und sie war, anders als Hoeneß, nie angeklagt - weil sie, anders als dieser, zweifelsohne rechtzeitig nachgezahlt hat.

Gewiss: Schwarzer hat sich gegen maßlose Anprangerung auf maßlos dumme Weise gewehrt; aber das ist keine nachträgliche Rechtfertigung für die vorausgegangene Hetze gegen sie.

Das pauschale Wort "Steuerhinterziehung" ist also kein Freibrief zu schadenfroher Häme und zur großen Abrechnung mit Leuten, die einem auf den Geist gehen. Ein zivilisierter Mensch putzt sich nicht nur die Zähne und zahlt seine Steuern. Er lässt auch die Kirche im Dorf.

© SZ vom 05.02.2014/schä
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