Künstliche Intelligenz Dating-Queen CDU

Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus, hier bei einer Podiumsdiskussion zur Großen Koalition.

(Foto: dpa)

Die Unionsfraktion lädt zum KI-Speed-Dating - KI wie Künstliche Intelligenz, und Speed-Dating wie Speed-Dating. Dabei erscheint Ralph Brinkhaus recht spät. Und Thomas de Maizière wenig verliebt.

Von Julian Erbersdobler, Berlin

Wenn das hier echtes Speed-Dating wäre, dann hätte Ralph Brinkhaus an einem Abend fünf Frauen versetzt. Aber der Reihe nach: Die Unionsfraktion hat in das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus geladen, Donnerstagabend, Blick auf die Spree. Überschrift des Events: KI-Speed-Dating, KI wie Künstliche Intelligenz, und Speed-Dating wie Speed-Dating. Das muss noch mal betont werden, weil es nicht die ersten beiden Begriffe sind, die man mit der Union verbinden würde.

Was also ist KI? Was kann sie? Und wie muss eine Politik aussehen, um die Technologie in Deutschland voranzutreiben? Um das herauszufinden, sind Vertreter aus Landwirtschaft, Pflege und Handel gekommen. Draußen laufen Jogger um die Wette, drinnen in Raum 1.101 gibt es Häppchen. Liebe geht durch den Magen. Zur Begrüßung fallen ein paar Sätze von drei Verbandsvertretern, die sich mit Startups und Künstlicher Intelligenz beschäftigen. "KI ohne Daten ist wie ein Schwimmbad ohne Wasser", sagt einer. Dann geht es los. Sechs Stationen, und jeweils 15 Minuten, um sich zu beschnuppern. Wenn die Zeit abgelaufen ist, ertönt ein Signal. Dann wird gewechselt.

Als das Spiel beginnt, ist Fraktionschef Ralph Brinkhaus noch nicht da, dafür Ex-Minister Thomas de Maizière (ebenfalls CDU), der an einer Brezenstange kaut. Bei jeder Station steht ein riesiger Fernseher, ungefähr so groß wie eine Tischtennisplatte. Ein junger Mann, Bart, enge Hose, weiße Sneaker, erklärt gerade, wie sein Startup Kommunen hilft.

Er klickt sich durch Diagramme und Linien auf dem Bildschirm. Sie sollen darstellen, wie stark Kindergärten ausgelastet sind. Die Zahlen könne man sich auch für einzelne Orte ausspucken lassen. Eine Frage aus dem Halbkreis: Wo genau greift die Künstliche Intelligenz ein? Antwort: "Das kann ich jetzt schlecht erklären, weil das im Hintergrund läuft."

Thomas de Maizière hat die Arme verschränkt, schaut skeptisch. Zumindest nicht so, als hätte er sich verliebt. Dann fragt er: "Gibt es rechtliche Probleme, die Daten zusammenzuführen?" Eine dieser Fragen, die man auf Dates als Stimmungskiller bezeichnen würde. Grundsätzlich lohnt es sich an diesem Abend, genau hinzuhören, es fallen immer wieder Wörter, die man vielleicht noch mal irgendwann gebrauchen kann. Da ist von "Corporates" die Rede, von "Business Angels", von "Dashboards".

Am nächsten Stand machen zwei junge Männer Werbung für ein "intelligentes Sensorsystem zur diskreten Raumanalyse". In anderen Worten: Sie haben eine Leiste entwickelt, die merkt, wenn etwa eine ältere Frau in ihrem Zimmer stürzt und auf dem Boden liegt. Zum Beispiel in einem Altenheim. Kann man damit reich werden? Einer der Männer antwortet: "Wir sind nicht Break Even, aber wir verdienen damit."

De Maizière will wissen, ob die Dinger auch Sprache erkennen können. Nein, das laufe alles über Infrarotstrahlen, "wie bei Mission Impossible". Einer der beiden Männer erzählt, dass einzelne Klinikleitungen schon gefragt hätten, ob sie die Software nicht auch dafür verwenden könnten, um ihre Putzfrauen besser zu überwachen.

An einem anderen Stand stehen drei Packungen Müsli: Beere, Schoko und Banane-Schoko. Hier wird eine App vorgestellt, mit der man das Haltbarkeitsdatum und andere Informationen per Tablet erfassen kann. Hinten in der Ecke geht es um einen Blick in die Zukunft. Wie fällt die Ernte aus? Welche Straßen müssen bald ausgebessert werden? Diese Fragen können nach Angaben der Dame an Stand Nummer vier schon jetzt mithilfe von Künstlicher Intelligenz beantwortet werden.

Das Wechselsignal kam schon vier oder fünf Mal, als der Fraktionsvorsitzende endlich den Raum betritt: Ralph Brinkhaus. Am Ende des Speed-Datings stellt er sich vor das Mikrofon und sagt noch ein paar abschließende Worte, auch in Richtung der Verbände. "Es ist unsere Aufgabe, Ihnen keine Steine in den Weg zu legen."

Bevor er sich verabschiedet, weißt er darauf hin, dass es noch ein paar letzte Häppchen und etwas zu trinken gebe. Dann fragt er: "Gibt es eigentlich auch was mit Alkohol?" Kopfschütteln. "Daran müssen wir noch arbeiten."

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