SPD-Kandidat Steinbrück Kritik an Steinbrück von Union und Linke

Steinbrück äußerte sich jedoch skeptisch zur aktuellen Debatte über die Zusatzeinkünfte von Parlamentariern. Dadurch könnten bei den Wählern Ressentiments bestätigt werden, dass Politiker sich in einem System der Vorteilsnahme und Selbstbereicherung bewegten. Man müsse aufpassen, dass man nicht einen Prozess in Gang setzt, der die Politik insgesamt beschädigt, mahnte Steinbrück.

Aigner sieht wenig Rückhalt für Steinbrück

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) gab sich derweil davon überzeugt, dass die Entscheidung der SPD, Steinbrück als Kanzlerkandidat aufzustellen, die Erfolgsaussichten der Union bei der Bundestagswahl erhöht. "Steinbrück ist ein kluger Technokrat, aber ihm fehlt der Rückhalt der eigenen Partei, und er wirkt auf Menschen sehr unnahbar", sagte Aigner der Zeitung Welt am Sonntag laut einem Vorabbericht. "Das wird uns helfen."

In der Debatte um Steinbrücks Nebeneinkünfte werde es keinen Schlussstrich geben, "solange er nicht volle Transparenz hergestellt und alles auf den Tisch gelegt hat", kündigte Aigner an. Linkspartei-Chefin Katja Kipping bezeichnete unterdessen Steinbrück als "Kandidat ohne Zukunft". Er stehe Merkel näher als der SPD-Basis, sagte sie der Welt. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte, es könne der Eindruck entstehen, der SPD-Kanzlerkandidat sei der "Liebling der Spekulanten".

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel soll Steinbrück bei einigen Firmen Vorträge gehalten haben, die zuvor in seiner Zeit als Bundesfinanzminister die Gründung einer Beratungsfirma vorbereitet haben. Demnach hat die Lobbyorganisation Initiative Finanzstandort Deutschland 2007 das Konzept für die Beratungsfirma ÖPP Deutschland AG erarbeitet, das Rechtsgutachten habe die Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer geliefert. Steinbrück habe dem Konzept zugestimmt, das Finanzministerium beteiligte sich später mit etwa 50 Prozent an der Firma, hieß es weiter.

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An die Arbeit, Herr Steinbrück

Angela Merkel ist im Moment das Zugpferd ihrer Partei. Herausforderer Peer Steinbrück muss die verlorenen Anhänger der SPD erst noch überzeugen. Wirtschaftlicher Sachverstand reicht dabei nicht aus. Die SPD will einen Kanzlerkandidaten, der mit dem Herzen dabei ist.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Ministerium hielt Steinbrück laut Spiegel sowohl bei der Wirtschaftskanzlei als auch bei mehreren beteiligten Finanzinstituten wie der Deutschen Bank und der Landesbank Hessen-Thüringen bezahlte Vorträge.