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Schwarzes Meer:Reporter berichtet von Schüssen der Russen

British Royal Navy's Type 45 destroyer HMS Defender arrives at the Black Sea port of Odessa

Die "HMS Defender" bei ihrer Ankunft im Hafen von Odessa vor knapp einer Woche.

(Foto: SERGEY SMOLENTSEV/REUTERS)

Wurde die britische "HMS Defender" vom russischen Militär vom Kurs abgebracht? Die Regierungen widersprechen sich - ein Journalist an Bord dokumentiert eine bedrohliche Situation.

Hat das russische Militär einen britischen Zerstörer mit Warnschüssen und Bomben aus den eigenen Gewässern gedrängt, wie es das Verteidigungsministerium in Moskau darstellt? Oder stimmt die Darstellung der britischen Regierung, wonach die HMS Defender nicht Ziel von Angriffen geworden sei, sondern dass es im Schwarzen Meer nur eine russische Militärübung gegeben habe, über die Moskau vorab informiert habe?

Im Streit über die Deutungshoheit über den Zwischenfall vom Mittwoch legt ein Bericht der BBC nahe, dass es sich um eine gefährlichere Konfrontation gehandelt haben könnte. Ein Reporter an Bord, Jonathan Beale, dokumentierte massive Versuche russischer Flugzeuge und Schiffe, den Zerstörer von seinem Kurs abzubringen. "Zeitweise waren 20 (russische) Flugzeuge über dem Kriegsschiff", berichtete der Reporter des britischen Rundfunks. Auf den Filmaufnahmen von Bord ist zu hören, wie das Besatzungsmitglied eines Schiffs der russischen Küstenwache per Funk sagt: "Wenn Sie ihren Kurs nicht ändern, wird geschossen." Es seien auch Schüsse gefallen, die seien jedoch wohl außerhalb der Reichweite abgefeuert worden, sagte der Reporter. Anders als von der russischen Regierung behauptet, behielt die HMS Defender nach seinen Angaben ihren geplanten Kurs aber bei.

Der britische Premierminister Boris Johnson verteidigte den Kurs des Kriegsschiffs: "Es war völlig angemessen, internationale Gewässer zu nutzen", sagte er am Donnerstag. Und weiter: "Entscheidend ist doch, dass wir die russische Annexion der Krim nicht anerkennen, die Teil eines souveränen ukrainischen Territoriums ist." Das Schiff habe die kürzeste Route zwischen zwei Punkten durch ukrainische Gewässer genommen.

© SZ/dpa/kast
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