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Schottland:Anwohner verhindern Abschiebung in Glasgow

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Hunderte Demonstrierende blockierten die Kenmure Street im Süden Glasgows.

(Foto: Jeff J. Mitchell/Getty Images)

Etwa 200 Menschen haben eine Straße blockiert, um gegen den Abtransport von zwei Männern zu protestieren. Mit Erfolg.

Von Kathrin Müller-Lancé

Irgendwann kam das Auto einfach nicht mehr durch. Etwa 200 Menschen stellten sich dem Fahrzeug in der Kenmure Street in Glasgow in den Weg. Wie die schottische Tageszeitung The Scotsman berichtete, riefen sie: "Lasst unsere Nachbarn in Ruhe, lasst sie gehen", und "Polizisten, geht heim". Am Ende hatten die Demonstrierenden Erfolg: Die schottische Polizei erreichte die Aussetzung der geplanten Abschiebung der zwei Männer.

Als die Männer am frühen Abend wieder freigelassen wurden, hatten die Protestler das Fahrzeug der britischen Migrationsbehörde bereits mehrere Stunden lang blockiert. Ein Mann hatte sich sogar unter den Wagen gelegt, um ihn an der Abfahrt zu hindern. Die britischen Grenzbeamten wollten die beiden Männer in dem Fahrzeug abtransportieren.

The Scotsman zitiert einen der beiden Männer, einen 34-jährigen Inder mit den Worten: "Ich bin überrascht und überwältigt von der Unterstützung der Menschen aus Glasgow." Am Morgen, als die Behörde mit der Razzia begonnen hatte, seien erst wenige Leute vor Ort gewesen. Schnell aber habe sich die Menge vervielfacht.

Fotos und Videos von der Aktion gingen im Internet viral und wurden unter Hashtags wie #KenmureStreet und #GlasgowSaysLetThemGo gefeiert. Besonders umstritten war die Abschiebung auch, weil sie an Eid Mubarak, dem islamischen Fest des Fastenbrechens, stattfinden sollte.

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon und ihr Justizminister Humza Yousaf kritisierten die Aktion des britischen Innenministeriums heftig. Das "feindselige Umfeld" der britischen Regierung sei in Schottland nicht willkommen, twitterte Yousaf. Die schottische Polizei, die schließlich die Freilassung der beiden Männer anordnete, war selbst nicht an der Abschiebung beteiligt. Die Beamten seien im Einsatz gewesen, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, sagte der lokale Polizeichef.

Die Situation zwischen der schottischen Regierung und der britischen Zentralregierung in London ist seit Jahren angespannt. In einem Referendum im Jahr 2014 stimmten 55 Prozent der Schotten für den Verbleib im Vereinigten Königreich. Seit dem Brexit hingegen werden die Forderungen nach der schottischen Unabhängigkeit wieder lauter. Erst vergangene Woche gewann bei den Regionalwahlen die Scottish National Party (SNP) von Regierungschefin Sturgeon. Sie tritt für ein neues Unabhängigkeitsreferendum ein.

© SZ/dpa/kml/berj
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