Schlichtung zu Stuttgart 21:Das Wort "Baustopp" wird gemieden

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Das Wort "Baustopp" hat vor der Sitzung niemand mehr gesagt, zu belastet ist der Begriff. Aber darum geht es an diesem Morgen. Die Bahn soll während der Schlichtungsgespräche sämtliche Arbeiten zum Aufbau einer Grundwasser-Reinigungsanlage im Stuttgarter Schlossgarten einstellen, fordern die Neubau-Gegner. Die Befürworter lehnen das ab: Die Arbeit am Grundwassermanagement müsse weitergehen, sonst drohe großer Schaden. Man sei den Gegnern schon weit entgegengekommen, sagt Verkehrsministerin Tanja Gönner - man habe zum Beispiel die Forderung akzeptiert, während der Verhandlungen keine neuen Bauaufträge zu vergeben und den Südflügel des Bahnhofs stehen zu lassen. Und hat nicht Grünen-Fraktionschef Kretschmann gesagt, am Grundwassermanagement dürfe der Dialog nicht scheitern? Gönner trifft einen wunden Punkt der Bau-Gegner: Das bunte Bündnis vereint unterschiedliche Interessen; der konziliante Kretschmann, den manche gar als künftigen Ministerpräsidenten sehen, sieht manche Dinge anders als jene Demonstranten, die um jeden Preis das Großprojekt verhindern wollen.

Zunächst einmal aber verhärten sich am Runden Tisch im Rathaus die Fronten im Streit ums Grundwassermanagement; nach zwei Stunden schon steckt die neue Form der Bürgerbeteiligung in ihrer ersten ernsten Krise. Die Gegner von Stuttgart 21 unterbrechen die Sitzung. Heiner Geißler unterbreitet immer neue Vorschläge, wie die Beteiligten über den toten Punkt hinwegkommen könnten. Kurz vor fünf heißt es dann: Am kommenden Freitag geht es weiter, mit einer öffentlichen Sitzung. "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir diese Schlichtung wollen", sagt Geißler zufrieden, "es ist nun alles in trockenen Tüchern, die Aussichten sind vielversprechend." Beide Seiten haben sich auf eine zeitweise Bauunterbrechung geeinigt; eine erste hohe Hürde ist damit genommen. Am Freitag soll es um die Bedeutung des Bahnknotens Stuttgart und die Neubaustrecke nach Ulm gehen.

Ganz in Harmonie endet der Anfang des Experiments aber nicht: Die Projektgegner haben zugestimmt, dass einige Erdarbeiten für das Grundwassermanagement weitergehen. Den "Aktiven Parkschützern" im Bündnis geht dieser Kompromiss zu weit, sie wollen deshalb die vereinbarte Friedenspflicht während der Gespräche nicht einhalten. Hannes Rockenbauch, der Sprecher der Projektgegner, hat am Morgen noch erklärt: "Mappus wird der erste Ministerpräsident, der bereit ist, einen solchen neuen Weg zu beschreiten." Von den vielen Steinen auf dem Weg hat er da noch nicht gesprochen.

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