Saudi-Arabien:Katar soll Muslimbrüder ausliefern und sie nicht mehr finanzieren

Doha und Ankara sind überdies die wichtigsten Unterstützer der Muslimbruderschaft - ein weiterer Streitpunkt. Von deren islamistischer Ideologie fühlen sich die absolutistischen Golfmonarchien bedroht. Deshalb stehen sie in Ägypten auch auf Seiten des Militärs, das den Islamisten und Muslimbruder Mohammed Mursi im Sommer 2013 gestürzt hatte.

Aber wie so vieles im Nahen Osten sind auch hier die Dinge kompliziert und alles andere als eindeutig. Denn in Jemen wiederum hat Saudi-Arabien lange Zeit Kontakt zu den Muslimbrüdern gehalten. Nun aber fordern die Saudi-Araber im Einklang mit den Emiraten und Ägypten, dass Katar jegliche Kontakte zur wohl einflussreichsten politischen Bewegung in der arabischen Welt kappt. Überdies soll das Emirat angebliche Kontakte zur libanesischen Hisbollah abbrechen, ebenso zu al-Qaida und der Terrormiliz Islamischer Staat. Belege für solche Kontakte haben die Saudi-Araber und die anderen Staaten nie vorgelegt; Katar bestreitet sie vehement.

Saudi-Arabien: Credit: SZ-Grafik; Quelle: SZ-Recherche

Credit: SZ-Grafik; Quelle: SZ-Recherche

In den USA und in Europa wird die Muslimbruderschaft übrigens anders als in Ägypten nicht als terroristische Organisation eingestuft. Außenminister Tillerson versucht, den Kongress davon abzuhalten, dies zu ändern, weil es "die US-Außenpolitik erheblich erschweren" würde. In Tunesien etwa ist die Ennahda-Partei an der Regierung beteiligt. Sie ist aus der dortigen Filiale der Bruderschaft hervorgegangen.

Weitreichend sind auch andere Forderungen. So soll Katar nicht nur den panarabischen Fernsehsender Al Jazeera und mit ihm verbundene Stationen schließen, sondern auch alle anderen von Katar direkt oder indirekt finanzierten Medien (siehe Artikel unten). Sie gelten den anderen Golfstaaten als Propagandaplattformen der Muslimbrüder - und der jeweiligen eigenen politischen Opposition.

Zehn Tage Zeit, um die Maximalforderungen zu erfüllen

Katar soll deshalb auch jegliche Kontakte zu Oppositionellen in den vier Ländern abbrechen und alle Dokumente über frühere Kontakte aushändigen. Eingebürgerten Oppositionellen soll es die Staatsangehörigkeit wieder entziehen und alle von den vier Staaten als Terroristen eingestufte Personen ausliefern. 59 Personen stehen auf einer vorläufigen Liste, unter ihnen auch Yusuf al-Qaradawi, ein bekannter aus Ägypten stammender Prediger, der intellektuelle Kopf der Muslimbruderschaft. Zudem müsse Katar jegliche Finanzierung von Gruppen einstellen, die in den USA oder den Golfstaaten als terroristisch eingestuft sind. Das wiederum zielt zuallererst auf die palästinensische Hamas im Gazastreifen.

Das eigentliche Ziel der Forderungen aber ist in Punkt elf des Katalogs formuliert: Katar möge sich doch, so ist dort zu lesen, "militärisch, politisch, sozial und wirtschaftlich dem Kurs der anderen Golfstaaten anschließen". Zehn Tage habe Katar nun Zeit, die Maximalforderungen zu erfüllen. Der Außenminister der Emirate hat vorsorglich schon einmal gedroht, die Isolation könne Jahre aufrechterhalten werden. Er warf Katar zudem vor, den Forderungskatalog an die Medien durchgestochen zu haben, um Vermittlungsbemühungen Kuwaits zu unterlaufen.

Willigt Katar wider Erwarten ein, soll es sich für ein Jahr monatlichen Überprüfungen seiner Zusagen unterwerfen und insgesamt zwölf Jahre Kontrollen dulden. Und überdies Reparationen in noch zu verhandelnder Höhe bezahlen. Aus Katar gab es zunächst keine offizielle Reaktion. Sie dürfte aber kaum so säuselnd-süßlich ausfallen wie des Emirs Glückwunschtelegramm.

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