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Sachsen:Rechtsextreme Ausschreitungen vor Flüchtlingsheim - mehr als 30 verletzte Polizisten

Ausschreitungen vor Asylunterkunft

Szene vom Freitagabend vom Polizeieinsatz in Heidenau

(Foto: dpa)
  • Am Freitagabend haben in Heidenau mehrere Hundert Menschen gegen eine neue Notunterkunft protestiert.
  • Die Flüchtlinge konnten das Quartier nur unter Polizeischutz beziehen.

Die Flüchtlinge waren noch nicht einmal angekommen, schon flogen Böller, Steine und Flaschen: Anhänger der rechtsextremen Partei NPD sind in der Nacht zum Samstag in Heidenau bei Dresden auf die Straße gegangen.

Sie versuchten, die Zufahrtsstraße mit Bauzäunen zu blockieren und bewarfen Polizisten mit Gegenständen. Die Beamten setzten Tränengas und Pfefferspray gegen die teils betrunkenen Demonstranten ein. Auch nachdem die Polizei die Blockade und die Attacken unterbunden hatte, versuchten einzelne Demonstranten immer wieder, kleinere Bäume und Gestrüpp auf die Fahrbahn zu schmeißen.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) habe zehn Verletzte versorgt, mehrheitlich Polizisten, sagte ein Sprecher. Die Polizeidirektion Dresden meldete am Samstagmittag 31 verletzte Polizisten. Einer sei schwer verletzt worden. 136 Beamte waren in Heidenau im Einsatz.

Flüchtlinge konnten das Quartier nur unter Polizeischutz beziehen

Bereits am frühen Abend hatte sich ein Protestzug von etwa 1000 Menschen in Heidenau formiert, den ein NPD-Mann angemeldet haben soll. Zwei Frauen trugen ein Transparent "Auf 'tragische Einzelfälle' und 'kulturelle Bereicherung' durch 'Fachkräfte' können wir hier verzichten!! Nein zum Heim - Sächsische Schweiz und Osterzgebirge - Asylflut stoppen".

Gegen 00.40 Uhr traf der erste Bus mit Flüchtlingen ein. Nur unter Polizeischutz konnten die Insassen ihre Notunterkunft, einen ausrangierten Baumarkt, beziehen. Bis zum Morgen kamen zwei weitere Busse an. "Die Lage ist jetzt ruhig", sagte ein Polizeisprecher am Samstagmorgen. Angaben zu den Verletzten machte die Polizei bisher keine.

In dem früheren Baumarkt sollen auf knapp 6000 Quadratmetern bis zu 600 Flüchtlinge untergebracht werden. Für die erste Nacht waren 250 erwartet worden. Am Samstagvormittag befanden sich nach Aussagen des Deutschen Roten Kreuzes 93 Menschen in der Unterkunft. Weitere sollen im Verlauf des Wochenendes einziehen.

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