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Russland:Iran, der Irak, Syrien, die Hisbollah - alles beste Freunde des Kreml

Grund dafür ist eine Vergangenheit, in der Iran durch das imperiale Gehabe der Russen, Briten, Sowjets und Amerikaner gedemütigt, ausgeplündert, besetzt wurde. Dass die Iraner ihre Ängste zurückstellen, spricht dafür, dass man die Lage in Teheran sieht wie in Moskau: gemeinsame Interessen, ähnliche Methoden - und dieselben Vorbehalte gegen die USA.

Wer sich heute mit den Iranern versteht, hat morgen einen Fuß im Irak. Teheran regiert in Bagdad mit, denn beide Staaten sind schiitisch. So wie Putin den "Islamischen Staat" (IS) und die anderen Assad-Feinde in Syrien bombardiert, könnte er auch Waffenhilfe im Irak leisten. In Bagdad wären sie ganz dankbar, sie müssten sich nicht länger mit Amerikanern und Europäern herumärgern. Russland könnte zum informellen Partner der Schiiten-Achse quer durch den Nahen Osten werden: Iran, der Irak, Syrien, die Hisbollah in Libanon - alles beste Freunde des Kreml. Gleichzeitig laufen den USA ihre sunnitischen Partner davon.

Putin steht nicht vor der Weltkarte und zeichnet mit dem Rotstift Einflusssphären ein wie ein Herrscher des 19. Jahrhunderts. Er nutzt nur jede Chance. Der gescheiterte Arabische Frühling hat die Islamisten gestärkt und dem Ansehen des westlichen Gesellschaftsmodells schwer geschadet. Washingtons Syrienpolitik ist nicht nur in den Augen der Aufständischen ein makabrer Witz. Wenn Moskau sich als Ordnungsmacht anbietet, findet das zumindest freundliches Gehör.

Auf den Erhalt Syriens könnten sich alle einigen

Sollte Putin es schaffen, auch die Türkei an seine Seite zu ziehen, wäre er nah am Ziel. Die türkische Syrienpolitik ist gescheitert, sie wurde gespeist aus Erdoğans Feindschaft zu Assad. Jetzt hat Ankara selbst Probleme mit dem grenzüberschreitenden Dschihadisten-Terror und mit dem kurdischen Aufstand, der durch den Syrienkrieg befeuert wird. Um sich Russland anzunähern, muss die Türkei ja nicht gleich aus der Nato austreten. Ankara ist einfach nicht länger der Traumpartner des Westens - und umgekehrt.

Der Erhalt Syriens, garantiert von Russland, ist reizvoll für eine vom Westen isolierte Türkei. Darauf könnten sich Moskau, Teheran, Ankara einigen. Dass Erdoğan Assad als Bluthund verflucht hat? Unwichtig. Dem Macht- und Möglichkeitsmenschen Putin wird Russlands Rolle in Nahost wichtiger sein als das Schicksal eines angezählten arabischen Diktators.

Ob sich die vom Irak-Krieg und dem Arabischen Aufstand durchgeschüttelte Region mit den Methoden des 20. Jahrhunderts am Ende wirklich befrieden lässt, wird sich erst später zeigen. Derzeit ist nur zu sehen, was weder Russland noch der Westen wollen: Terror, Bürgerkrieg, Dschihadismus und Staatszerfall.

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