Russland und der AKW-Sarkophag Knausern für Tschernobyl

Die Welt spendet der Ukraine eine halbe Milliarde Euro für eine neue Schutzhülle um das kaputte AKW Tschernobyl. Russland übernimmt dabei nur wenig Verantwortung - obwohl das Land sich doch sonst gerne als Nachfolger der Sowjetunion präsentiert.

Ein Kommentar von Frank Nienhuysen

Wladimir Putin hat das Ende der Sowjetunion einmal als größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Einen Vorteil aber hat der Zerfall für Moskau: Die Ukraine ist jetzt Ausland. Nun muss sich Kiew mit dem geborstenen Reaktor von Tschernobyl herumplagen, mit dem porösen Sarkophag, mit dem undankbaren Auftrag, Geld erbetteln zu müssen für eine neue, schützende Betonhülle.

25 Jahre Super-GAU in Tschernobyl (3)

Vergessene Retter

Zum Glück für die Ukraine steht das Land nicht allein. Eine halbe Milliarde Euro hat die Geberkonferenz nun zugesagt. Das ist eine gute Nachricht. Aber es gibt leider auch eine schlechte: Das Geld reicht nicht.

Auffällig ist dabei vor allem Russlands ungewöhnlich bescheidene Rolle. Weniger als die EU stellt Moskau zur Verfügung, da hätte sich der größte Flächenstaat der Erde ruhig etwas verantwortungsbewusster zeigen können.

Russland hat sich immer dann gern als Nachfolger der Sowjetunion präsentiert, wenn ihm dabei Instrumente der Macht in den Schoß fielen; der Status als Atomwaffenstaat, das Vetorecht im UN-Sicherheitsrat. Tschernobyl aber ist ein leidiger Giftkübel, der weder Ruhm abwirft noch Einfluss. Und doch ist es eine Altlast der Sowjetepoche, ein Mahnmal auch aus der Moskauer Vergangenheit.

Am fehlenden Geld allein kann Russlands neue Sparsamkeit nicht liegen. Als gäbe es kein Morgen, mutet sich das Land die Fußballweltmeisterschaft zu, die Winterspiele von Sotschi, übernimmt Russland von Japan spontan die Eiskunstlauf-WM und investiert in die Patriotismus-Branchen Rüstung und Raumfahrt. Das aber übersieht Moskau: Tschernobyl liegt zwar in der Ukraine, aber sein neuer Sarkophag schützt ganz Europa. Und Russland noch dazu.