Was denken NS-Opfer über die Entschädigungsleistungen aus Deutschland? Darüber war bisher wenig bekannt. Die Interviews zeigen: Vergebung ist möglich, aber dabei geht es um viel mehr als nur Geld.
Politisches Engagement
:Und in diesem Land wollt ihr leben?
AfD, BSW und ihre publizistischen Geschütze in Berlin lehren: Dies wäre die Zeit für ein Engagement, das über die „Achtsamkeit“ des heute üblichen Aktivismus deutlich hinausgeht.
Malerei
:„Es gibt keinen Künstler, der so angefeindet wurde wie ich“
Georg Baselitz gilt als einer der wichtigsten deutschen Gegenwartsmaler. Ein Gespräch zu seinem 88. Geburtstag – über Hass als Antrieb und die Freiheit nach dem Entschluss, die Welt auf den Kopf zu stellen.
Ökonomie im Kalten Krieg
:Neoliberalismus Ost
Die Perestroika war sowjetischer Thatcherismus, Reagan und Thatcher machten nichts anders als eine neoliberale Perestroika. So lautet die originelle These des Historikers Fritz Bartel. Doch damit lässt er einiges außer Acht und ebnet alle Unterschiede ein.
Westliche Staaten an Russlands Grenze
:Der Aggressor im Osten
Der Historiker Oliver Jens Schmitt erzählt brillant vom Jahrhunderte dauernden Kampf der Gesellschaften vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer gegen russische Potentaten.
Treffen in der deutschen Hauptstadt
:In Berlin wird jetzt über das Schicksal der Ukraine verhandelt
In der deutschen Hauptstadt beraten US-Gesandte mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij über die Bedingungen für Friedensverhandlungen mit Russland. Am Montag sollen die Europäer mit am Tisch sitzen.
Viktor Remizov: „Permafrost“
:Mit gefährlich funkelnder Aktualität
Der russische Schriftsteller Viktor Remizov hat ein mitreißendes Epos über eines der wahnwitzigsten Projekte des Stalinismus geschrieben. Sogar in Russland wurde „Permafrost“ zum Bestseller. Ein Anruf beim Autor.
Nachkriegsschicksal
:Verschleppt in Stalins Reich
Der Germeringer Karl Breuninger verbrachte seine Kindheit in der UdSSR. Sein Vater sollte ein Flugabwehrsystem gegen die Spionageflüge der USA entwickeln. Nach dem Krieg wurde der Physiker mit seiner Familie in die Sowjetunion deportiert.
Biografie
:Der mysteriöse Mullah
Über Ali Chamenei, Irans Obersten Führer, weiß man wenig, auch wenn er seit 1989 regiert. Jetzt ist eine erste Biografie in deutscher Sprache erschienen. Über den Protagonisten erfährt man darin nicht viel Neues, dafür aber Details aus der Geschichte der Islamischen Republik.
Polen und Deutschland
:„Wir vergeben und bitten um Vergebung“
Wie ein Brief polnischer Bischöfe an ihre deutschen Brüder zur Inspiration für Willy Brandts Kniefall in Warschau wurde – und warum er heute wieder umstritten ist.
Analyse des chinesisch-russischen Verhältnisses
:Zwischen Kooperation und Konflikt
Von wegen „grenzenlose Freundschaft“. Sören Urbansky und Martin Wagner zeigen, wie sich über die Jahrhunderte das Verhältnis zwischen Peking und Moskau immer wieder wandelte. Die einzige Konstante bis heute: tief verwurzeltes Misstrauen.
Neue Biografie über Hermann Göring
:Massenmord und Ritterspiel
Der Journalist Andreas Molitor porträtiert die NS-Größe Hermann Göring, der für die Ausbeutung der Sowjetunion zuständig war. Einige Kindheitserlebnisse werden jedoch für den späteren Verbrechensweg arg überinterpretiert.
Klassik
:Leuchten aus der Tiefe der Zeiten
Meister der Verknappung und der religiösen Meditation: Eine Würdigung zum 90. Geburtstag des Komponisten Arvo Pärt.
Zeitgeschichte
:„Adenauer war ein Glücksfall für die ‚führerlosen‘ Deutschen“
Nachdem die Bundesrepublik im Westen verankert war, machte sich Adenauer 1955 zu seinem historischen Besuch in Moskau auf: Der Historiker Norbert Frei darüber, ob die Reise wirklich so ein diplomatisches Meisterstück war und wieso es eine weitere Adenauer-Biografie braucht.
Gesellschaft
:„Wenn man lacht, wird man lockerer“
100 Jahre alt und noch immer auf der Bühne: Ludwig Sebus ist wohl der älteste Karnevalssänger der Welt – mindestens aber Kölns. Ein Gespräch über die heitere Kunst des Lebens und Überlebens in schweren Zeiten.
Weimarer Dreieck
:Wie Merz, Macron und Tusk Putin stoppen wollen – zumindest in Moldau
Vor der Parlamentswahl in einem Monat stärken der Deutsche, der Franzose und der Pole der pro-europäischen Präsidentin Maia Sandu den Rücken – und versprechen eine Zukunft in der EU.
Historie: Stalingrad
:Eine Schlacht, die niemals zu Ende geht
In Deutschland hat „Stalingrad“ an Aktualität verloren, es ist in die Geschichte gerutscht. In Russland ist es eindeutig aus der Geschichte wieder herausgetreten – zur Rechtfertigung eines Angriffskrieges.
Film
:Der Tag, als Breschnew Kusshändchen warf
Die Doku „Der Helsinki-Effekt“ über die KSZE-Konferenz von 1975 ist ein rührendes Hohelied auf die Kunst der Diplomatie. Und: saukomisch.
Jüdischer Widerstand in der NS-Zeit
:Kampf gegen die Vernichtung
Jüdischer Widerstand gegen das NS-Regime in Europa war viel mehr als nur ein symbolischer Akt in aussichtsloser Lage. Zwei Bücher zeigen eindrücklich, wie Tausende aufbegehrten – etwa im Warschauer Ghetto.
Litauen
:Aufrüsten, bevor die Russen kommen
Litauens Verteidigungsministerin will die Wehrpflicht ausbauen und die Rüstungsindustrie hochfahren. Sie verweist auf die leidvollen Erfahrungen ihres Landes mit sowjetischen Besatzern, die auch ihre Familie geprägt haben.
Zum Tod von Juri Grigorowitsch
:Patriarch des Spitzenschuhs
Juri Grigorowitsch war der eiserne Herrscher des sowjetischen Balletts, er hinterlässt einige kyrillische Buchstaben in der Tanzgeschichte. Ein Nachruf.
Vernichtungskrieg im Osten
:Die böse Sowjetunion
Der Historiker Jochen Hellbeck beklagt in Deutschland eine „Verdrängung“ des Leids der Menschen in der UdSSR 1941–1945 und der Leistung der Roten Armee. Belegen kann er seine These allerdings kaum.
Raumfahrt
:Sowjetische Sonde nach 53 Jahren ins Meer gestürzt
1972 sollte „Kosmos-482“ die Venus erreichen und war dann nach gescheiterer Mission jahrzehntelang in der Erdumlaufbahn unterwegs. In welchem Zustand die Überbleibsel der Raumsonde nun sind, ist unklar.
Raumfahrt
:Achtung, sowjetische Sonde von oben
Die Raumsonde „Kosmos 482“ sollte 1972 eigentlich zur Venus fliegen, schaffte es aber nie aus dem Erdorbit heraus – und wird in den nächsten Tagen auf die Erde stürzen. Sie könnte in einem Stück aufschlagen. Nur wo?
Bücher über das Kriegsende vor 80 Jahren
:In der Niemandszeit
Der Alltag der Menschen in der Ausnahmesituation des Frühjahrs 1945 ist Gegenstand zahlreicher Bücher zum Kriegsende. Doch nur Tagebucheintrag an Tagebucheintrag zu reihen, reicht nicht für eine große Erzählung zwischen Katastrophe und Neubeginn.
Brandenburg
:Ein lauter Streit um ein stilles Gedenken
Russlands Botschafter nimmt an einer Feierstunde teil, die an die sowjetischen und deutschen Opfer einer großen Weltkriegsschlacht vor 80 Jahren erinnert. Eine Empfehlung des Auswärtigen Amts, ihn davon auszuschließen, stößt nun auf heftige Kritik.
Russischer Roman
:Ein Brief, geschrieben mit Blut
Der russische Schriftsteller Georgi Demidow starb im Glauben, sein Werk sei vernichtet. Ein zweiter, unvergesslicher Roman erscheint nun auf Deutsch und erzählt die Geschichte eines sowjetischen Gefangenen.
Erste fundierte Biografie über Stepan Bandera
:Der verehrte Fanatiker
Den ukrainischen Radikalnationalisten Stepan Bandera umwabern zahllose Mythen. Grzegorz Rossoliński-Liebe hat sein Leben, seine Gewalttaten und den Kult nach seinem Tod akribisch erforscht. Jedoch fehlt an vielen Stellen die nötige Differenzierung.
Ismail Kadares letztes Buch „Der Anruf“
:Hallo, hier spricht Ihr Diktator
In seinem letzten Buch „Der Anruf“ versuchte der albanische Schriftsteller Ismail Kadare, ein Rätsel der Weltgeschichte zu lösen, das ihn lebenslang umtrieb. Und hat dabei der Unsterblichkeit seines Berufsstands, der Dichter, noch ein Denkmal gesetzt.
Russlanddeutsche Spätaussiedler
:„Postsowjetische Belastungsstörung“
2,5 Millionen Russlanddeutsche haben hier eine neue Heimat gefunden. Ira Peter ist eine von ihnen und erzählt von alten Bräuchen, Diktaturerfahrungen und dem Unwillkommensein.
Zum Tod von Schachweltmeister Boris Spasski
:Das Glück im Scheitern gefunden
Boris Spasskis Name blieb stets verbunden mit dem Schach-Jahrhundertmatch während des Kalten Kriegs – und seiner Niederlage gegen Bobby Fischer. Dabei interessierte er sich nie für Politik, umso mehr aber für die Menschen, die er traf.
Olga Grjasnowa: „Juli, August, September“
:Die Erinnerung ist ein unzuverlässiges Biest
In Olga Grjasnowas „Juli, August, September“ fragt sich eine junge Mutter: Wie jüdisch sind wir eigentlich? Und welche Geschichten gebe ich meinen Kindern weiter? Ein berührend suchender Familienroman.
SZ JetztIdentität
:Ich, eine Russlanddeutsche
Wenn unsere Autorin jemand nach ihrer Herkunft fragt, wird es kompliziert. Über das Gefühl, sich nirgendwo zugehörig zu fühlen – und den Wunsch nach einer Community.
Europa im Zweiten Weltkrieg
:Das Nazi-Gift der Entmenschlichung
Bis zu 230 Millionen Menschen mussten zwischen 1939 und 1945 unter deutscher Besatzung leben. Tatjana Tönsmeyer erzählt das konsequent aus der Perspektive der Betroffenen – und lässt dabei leider nationale Unterschiede außer Acht.
Deutsche Terrorherrschaft in Polen
:„Brutales Vorgehen, größte Härte“
Was die NS-Besatzer zwischen 1939 und 1945 in Polen angerichtet haben und warum es noch immer Streit über Reparationen gibt. Ein Überblick.
75 Jahre Grundgesetz
:Das Bonn-Berlin-Drama
Während die Sowjets die geteilte Stadt blockierten, erarbeitete der Parlamentarische Rat das Grundgesetz. Sabine Böhne-Di Leo erinnert an die bewegten Zeiten, als der Kalte Krieg begann.
Stilkritik
:Blinken rockt
Wie gut das tut: US-Außenminister Antony Blinken nimmt in einer Bar in Kiew die E-Gitarre in die Hand, spielt einen alten Neil-Young-Song - und weckt Erinnerungen an Billy Joels Jahrhundert-Konzert in Leningrad.
Abhöranlage bei München
:Lost Place aus dem Kalten Krieg
Nahe dem Schleißheimer Flugplatz hatte Radio Freies Europa bis in die Neunzigerjahre eine Anlage – allerdings nicht, um Programme nach Osten zu senden, sondern um den Funk aus dem sowjetischen Machtbereich abzuhören.
Dem Geheimnis auf der Spur
:Der verschwiegene Gau
1957 ereignete sich in der Sowjetunion eine Atomkatastrophe, die fast so schwer war wie Tschernobyl. Nur erfuhr die Welt kaum von dem Unfall bei Kyschtym. Was passierte in der geheimen Anlage tatsächlich?
Das Politische Buch
:Sowjetisch bedrohte Zone
Christian Neef schildert die Schreckensherrschaft der Geheimdienste in Ostdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Von den "Säuberungen" im Sinne Stalins lernte auch KGB-Mann Putin für sein Willkürregime.
Das Politische Buch
:Verschlungene Pfade
Ursula Weidenfeld hat eine deutsche Parallelgeschichte von 1949 bis 1990 geschrieben - über Demokratie und Diktatur und die Offenheit vieler Entwicklungen. Das Ergebnis ist lesenswert, farbig und vor allem fair.
Ukraine-Krieg
:Brandbrief an die SPD: Putin wird das "nur als Ermunterung verstehen"
Heinrich August Winkler, einer der wichtigsten Historiker des Landes, und weitere Wissenschaftler zeigen sich erschüttert über die Signale der Kanzlerpartei zu Russland und der Ukraine. Ihre Vorwürfe sind hart.
SZ-Podcast „Auf den Punkt“
:„Wahl“ in Russland: Putins Farce
Russland wählt. Der Präsident bleibt. Warum sich Putin trotzdem die Mühe macht, Demokratie zu inszenieren.
Lettland
:Die Sprache wird zum Politikum
Jeder dritte Lette spricht Russisch als Muttersprache und nicht Lettisch. Jahrzehntelang ging das gut - doch seit dem Krieg in der Ukraine geraten die russische Sprache und ihre Sprecher unter Druck.
Neues Buch von Wladimir Sorokin
:Putin ist eingeliefert
Wladimir Sorokin versammelt im Roman "Doktor Garin" den russischen Präsidenten und anderes politisches Spitzenpersonal in einer Klinik - als wandelnde Popos. Warum wirkt diese irre Fabelwelt so wahrhaftig?
Das Politische Buch
:Crescendo der Vernichtung
Christian Bommarius schildert den mörderischen Kriegssommer 1944 aus den Blickwinkeln zahlreicher Augenzeugen. Diese Montagetechnik, mit der er seit Jahren erfolgreiche Bücher schreibt, hat viele Vor- und einige Nachteile.
Befreiung von Leningrad
:Symphonie der letzten Hoffnung
Vor 80 Jahren befreite die Rote Armee Leningrad. Mehr als eine Million Menschen waren der deutschen Vernichtungspolitik zum Opfer gefallen. Eine der letzten Überlebenden berichtet über Leid, Hunger und den Widerstand der Bewohner.
Dokumentationszentrum Obersalzberg
:Hitlers indische Soldaten
Ein Antikolonialist im Reich der Nazis: Neben Gandhi war Subhas Chandra Bose einer der bekanntesten Vorkämpfer der Unabhängigkeit Indiens von Großbritannien - doch er suchte sich die falschen Verbündeten.
Das Politische Buch
:Russisch-chinesische Beziehung unter der Lupe
Sören Urbansky schaut in seiner großen Studie nicht auf Moskau und Peking, sondern auf Sabaikalsk und Manzhouli am Grenzfluss Argun. Und zeigt auf faszinierende Weise, wie große Politik auf die Bewohner fern der Machtzentren wirkte - oder auch nicht.
Das Politische Buch
:Tatsächlich Stellvertreter
Für Manfred Görtemaker ist Rudolf Hess keineswegs der mediokre Nazi aus der zweiten Reihe. Sein Einfluss war demnach viel größer als bisher angenommen. Der Historiker rückt noch weitere Mythen zurecht, etwa was Hess letztlich zu seinem Flug nach Schottland antrieb.