Wahl in Russland:Wirtschaftskrise wird für Russen immer spürbarer

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Die zersplitterte Opposition wirkt derweil selbst daran mit, dass sie in der Bedeutungslosigkeit verharrt. Am Mittwoch scheiterte wieder einmal ein Versuch, die untereinander zerstrittenen Kleinstparteien mit demokratischem Programm zu einen. Gemeinsam mit der vom ehemaligen Ministerpräsidenten Michail Kasjanow geführten Parnas hatten vier weitere Parteien im April 2015 eine "Demokratischen Koalition" ausgerufen. Am Mittwoch verkündete Alexej Nawalny, dessen Partei Progress von den Behörden nicht zugelassen ist, das Ende der Zusammenarbeit. Medienberichten zufolge konnten die Parteien sich nicht auf einen Modus einigen, nach Listenplätze vergeben und Direktkandidaten aufgestellt werden. Die kleineren wollten sie per Vorwahlen bestimmen, Kasjanow bestand demnach auf seinem ersten Listenplatz auch ohne Wahl.

Die staatlichen Medien schüren den Zwist in der Opposition nach Kräften. Vor vier Wochen strahlte der zu Gazprom-Media gehörende Sender NTW mit versteckter Kamera gefilmte Szenen aus, die Kasjanow beim Sex mit einer Parteifreundin zeigen. Im Ton, den NTW dazu einspielte, lästern die beiden über andere Oppositionelle - prompt forderten Mitglieder von Kasjanows Partei Parnas, er solle auf die Spitzenkandidatur verzichten.

Grigorij Jawlinskij, Urgestein der liberalen aber zahmen Jabloko-Partei, hatte von vornherein der Koalition demokratischer Kräfte abgesagt. So wird allen Prognosen zufolge keine der kritisch zum Kreml eingestellten Parteien in die Duma einziehen.

Erstmals veranstaltet dafür die Kreml-Partei einen Vorwahlkampf; das soll Transparenz demonstrieren und neue Gesichter auf die Bühne bringen, bevor niemand die alten mehr sehen mag - frisches Blut, wie Putin sich ausdrückte.

Denn während Demoskopen für den Präsidenten weiter Zustimmungswerte von mehr als 80 Prozent messen, wächst die Unzufriedenheit mit dem Staat und seinen Organen insgesamt. In einer Umfrage des unabhängigen Lewada-Instituts sagten 39 Prozent der Befragten, der Staat erfülle seine Pflichten gegenüber den Bürgern nicht. So schlecht war der Wert seit der Annexion der Krim nicht mehr.

Mit der Arbeit der Staatsduma waren im März 40 Prozent zufrieden, 59 Prozent unzufrieden. Bei der Einschätzung der Regierung und der Gouverneure in den Regionen halten sich die Meinungen etwa die Waage. Putin indes bewerteten im März 82 Prozent positiv.

Die Folgen der Wirtschaftskrise schlagen sich derweil zunehmend im Leben der Menschen nieder. In einer Umfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstituts Wziom gaben 39 Prozent an, ihre Familie habe ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten. Im Jahr zuvor waren es noch 22 Prozent.

Putin am Sorgentelefon

Der Anteil armer Familien, die nicht genug Geld haben, um Kleidung und Lebensmittel zu kaufen, hat damit das Niveau des Krisenjahres 2009 erreicht. In einer Umfrage des Lewada-Zentrums bekannte im Dezember mehr als die Hälfte der Befragten, 58 Prozent, sie müssten bei Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs sparen. Im Vorjahr waren es 37 Prozent gewesen.

Mehr noch als in den vergangenen Jahren geriet Putins live im Fernsehen übertragene Call-in-Sendung "Der direkte Draht" zum Sorgentelefon: Die Straßen schlecht, die Medikamente teuer oder gar nicht verfügbar, die lokalen Beamten untätig. Millionen versuchten durchzukommen, um ihre Probleme dem Präsidenten vorzutragen.

Die Arbeiterinnen der Fischfabrik Ostrownoj im Fernen Osten Russlands beklagten, dass sie schon seit mehr als einem halben Jahr keinen Lohn mehr bekommen. Keine zwei Tage dauerte es, da war das Geld überwiesen, Ermittlungsverfahren gegen sechs Personen eingeleitet und der Fabrik-Gründer zur Fahndung ausgeschrieben. Die Botschaft der vierstündigen Sendung: Wenn Moskau erst davon erfährt, was in den Provinz schiefläuft, werden die Dinge schnell in Ordnung gebracht.

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