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Russland-Affäre:Comey kann sich jetzt entspannt zurücklehnen und abwarten

Flynns jetzige Aussagen konterkarieren allerdings frühere Aussagen von Trumps Mitarbeitern, sie seien über die Aktivitäten von Flynn nicht im Bilde gewesen. Nach den Dokumenten, die dem Gericht vorliegen, waren sie nicht nur im Bilde, manche haben Flynns Aktivitäten offenbar auch koordiniert und begleitet.

Trumps Anwalt Ty Cobb, der den Präsidenten in der Russland-Untersuchung berät, spielt die Angelegenheit herunter. Flynn habe ja nur kurz als Sicherheitsberater gedient. Und er habe lediglich zugeben müssen, das FBI einmal angelogen zu haben. Nichts davon aber "beziehe sich auf andere Personen als Herrn Flynn", heißt es in einer Erklärung von Cobb.

Cobb verschweigt allerdings die wahre Bedeutung, die Flynn für Trump gehabt hat. Flynn gehörte bis zu seiner Entlassung zu den engsten Vertrauten und frühen Unterstützern von Donald Trump. Trump hatte noch nach dessen Entlassung erklärt, was Flynn widerfahren sei, sei "sehr, sehr unfair". Es war Trump, der den damaligen FBI-Chef Comey am 14. Februar bat, keine Ermittlungen gegen Flynn anzustellen. Das war am Tag nachdem Trump seinen alten Weggefährten entlassen musste, weil dieser angeblich Vize-Präsident Mike Pence nicht die ganze Wahrheit über seine Russland-Kontakte erzählt hatte.

Noch kann sich Trump auf die Position zurückziehen, nichts von all dem gewusst zu haben. Aber die Einschläge kommen näher. Neben Flynn sind auch sein früherer Wahlkampfmanager Paul Manafort, sein Wahlkampfberater Rick Gates und sein früherer außenpolitischer Berater George Papadopoulos wegen verschiedener Delikte angeklagt. Papadopoulos hat sich wie Flynn schuldig erklärt.

Trump kann die Russland-Affäre nach Flynns Aussagen auch nicht mehr als "Fake News" oder als gefälschte Story hinstellen. Dass sich zudem Sonderermittler Mueller mit Flynn auf einen Deal eingelassen hat, zeigt, dass Flynn für Mueller eher der kleinere Fisch ist. Mueller will den ganz großen Fisch an den Haken kriegen.

Ganz gegen seine Art hat sich Trump bisher auf keinem der bekannten Kanäle zu Flynn geäußert. Das dürfte auch besser so sein. Denn mit diesem Tag beginnt ja erst das neue Kapitel in der Russland-Aufklärung. Flynn wird in den kommenden Wochen Mueller und dessen Team sein komplettes Wissen über die Vorgänge mitteilen müssen. Er hat sich sogar bereit erklären müssen, an einen Lügendetektor angeschlossen zu werden. Schließlich hat er bereits einmal gelogen. Da wird Mueller jetzt auf Nummer sicher gehen wollen.

Wo das alles endet, weiß im Moment keiner so genau. Manche hoffen, dass am Ende ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump steht. Ex-FBI-Chef James Comey kann sich jetzt entspannt zurücklehnen und abwarten, was die Ermittlungen noch ergeben. Und wenn eines Tages Trump selbst eingestehen muss, gelogen zu haben, dann wird ihm dazu sicher ein passender Vers aus der Bibel einfallen.

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