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Österreichs Kanzler:Sebastian Kurz will "Brückenbauer" sein

Sebastian Kurz

Sebastian Kurz will sich als "Brückenbauer" profilieren.

(Foto: REUTERS)

In Europa werden derzeit allerdings eher Barrikaden gebaut. Der Salzburger EU-Gipfel wird für Österreichs Regierungschef zur ersten großen außenpolitischen Bewährungsprobe.

Erst ging es nach Madrid, zwischendurch noch schnell nach Kairo, dann nach Berlin, Paris und Rom. Österreichs Kanzler Sebastian Kurz ist viel auf Achse gewesen in den vergangenen Tagen. Weil sein Land derzeit die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union innehat, muss er als rastloser Reisediplomat den EU-Gipfel vorbereiten, zu dem er an diesem Mittwoch und Donnerstag nach Salzburg geladen hat.

Trotz der strammen Streckenplanung hat Kurz die europäischen Hauptstädte wie immer als Passagier eines Linienflugzeugs angesteuert, natürlich in der Economy-Klasse. Dazu verpflichtet ihn die gern zur Schau gestellte Bescheidenheit. Es geht ja auch nicht ums Meilensammeln, sondern um die Meriten.

Für den Kanzler, der in diesem Sommer seinen 32. Geburtstag gefeiert hat, ist der Salzburger Gipfel eine erste große außenpolitische Bewährungsprobe. Wie immer ist er der Jüngste in der Runde der 28 Staats- und Regierungschefs, doch an diese Rolle hat er sich schon gewöhnen können, seit er mit 24 Jahren zum Staatssekretär und mit 27 zum Außenminister aufstieg.

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Er hat daraus ein forsches Selbstbewusstsein entwickelt, mit dem er sich im Kreis der immer noch meist Silbergrauen gern als frische Kraft präsentiert. Auf europäischer Bühne hat er seinen Anspruch in einem einzigen Wort zusammengefasst: "Brückenbauer" will er sein. Daran wird er sich nun messen lassen müssen.

Denn einfacher ist die Aufgabe nicht geworden in den vergangenen Wochen. Die Zeiten sind gerade stürmisch in Europa, und statt Brücken werden eher Barrikaden gebaut. Zwei große Themen hat der Salzburger Gipfel, und bei beiden herrscht Streit: In der Migrationspolitik, die Kurz im Sinne einer Anti-Migrations-Politik besonders am Herzen liegt, kann man sich derzeit nicht einmal auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen: einen besseren Schutz der Außengrenzen. Gegen die von Kurz samt Merkel und Macron befürwortete Stärkung der EU-Grenzschutzagentur Frontex zieht bereits der Ungar Viktor Orbán ins Feld, der keine "Söldner aus Brüssel" an seinen Grenzen sehen will.

Beim zweiten Thema, dem Brexit, ist ohnehin keine Lösung in Sicht. Das hat dann selbst der notorisch optimistische Kanzler Kurz erkennen müssen und die Hoffnungen für das Salzburger Treffen gedämpft. "Es gibt deutlich zu viele Spannungen in der Europäischen Union", hat er unmittelbar vor dem Gipfel erklärt. "Die EU kann nur stark sein, wenn wir gemeinsam handeln."

Manche sprechen schon vom "Schweigekanzler"

Wie Kurz zu neuer Stärke und Gemeinsamkeit kommen will, bleibt vorerst ein Geheimnis. Vertrauen darf man aber darauf, dass er als Meister der Inszenierung dem Gipfel zumindest einen Salzburger Zuckerguss verpassen wird: Getafelt wird in der Felsenreitschule, debattiert im Mozarteum, und fürs Familienfoto stellen sich die EU-Granden dann in den Gartenanlagen des Schlosses Mirabell auf.

Problematisch für den Brückenbauer Kurz sind aber nicht nur die Brüche innerhalb der EU. Dieselben Bruchlinien beschäftigen ihn mittlerweile auch in seiner eigenen Koalition, die er in Wien mit der rechtspopulistischen FPÖ gebildet hat. Vorige Woche erst ist das beim Umgang mit Ungarn deutlich geworden: Kurz und seine ÖVP unterstützten die Einleitung eines Sanktionsverfahrens, die FPÖ warf sich Orbán an den Hals.

Zum Konflikt aber lässt es Kurz auch zu Hause nicht kommen, lieber taucht er ab, als offen zu streiten. In Wien sprechen manche schon vom "Schweigekanzler", auch wenn dieser Titel eigentlich schon vergeben war an den früheren Regierungschef Wolfgang Schüssel, der anno 2000 die erste schwarz-blaue Koalition in Österreich gebildet hatte.

Beim Wähler aber kommt der Kurz-Kurs weiterhin an. Seine Umfragewerte sind auf einem stabilen Hoch. Einige schöne Bilder vom Salzburger Gipfel werden das noch stärken. Und wenn gestritten wird, dann lässt sich das dort ja bestens mit Mozart untermalen.

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