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Profil:Dieser Mann soll Österreichs neuer Bundeskanzler werden

Christian Kern

Auf Christian Kern warten gewaltige Aufgaben.

(Foto: AP)

Bahnchef Christian Kern gilt als glänzender Manager. Das passt: Es warten gewaltige Aufgaben.

Österreichs großartige Satirikertruppe Maschek wusste schon am Mittwoch, wer neuer Kanzler wird - und stellte eine Sprechprobe von Christian Kern ins Netz. In dem Video steht Kern am Wiener Westbahnhof mit einem ORF-Mikrofon in der Hand; die Szene stammt aus dem Herbst, als der Chef der Österreichischen Bundesbahnen persönlich erklärte, warum er Tausende Flüchtlinge ohne Fahrkarten in ÖBB-Züge einsteigen ließ. Maschek synchronisierte den Manager mit den Worten, dies sei eine "Sprechprobe, eins, zwei, drei", und "es wird nicht leicht . . ."

Am Donnerstag stand dann praktisch fest, dass der 50-Jährige, der wahrlich keinen leichten Job antritt, der nächste SPÖ-Chef und Bundeskanzler werden soll. Offiziell war es aber noch nicht. An diesem Freitag gibt es ein Treffen der SPÖ-Hierarchen mit dem Kandidaten im Wiener Rathaus, am kommenden Dienstag will sich die Partei festlegen, am Mittwoch soll vereidigt werden, aber alle Insider und alle Medien meldeten bereits: "Weg für Kern frei".

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Christian Kern hat nach dem Rücktritt von Werner Faymann nicht nur politisch eine schwere Aufgabe vor sich, weil er die rot-schwarze Koalition zu Einigkeit und Reformen zwingen und die SPÖ auf Vordermann bringen soll. Er muss auch die sehr hohen Erwartungen erfüllen, die viele Österreicher in ihn persönlich setzen. Die Vorschusslorbeeren sind jedenfalls groß.

Kern soll ein toller Chef sein

Der Wiener, der Publizistik studiert hat und Sprecher des SPÖ-Fraktionsvorsitzenden im Nationalrat war, wechselte früh in die Wirtschaft - erst zu einem Energieversorger, wo er rasend schnell Karriere machte, dann zu den ÖBB, wo er Generaldirektor wurde. Er führte den verschuldeten Staatsbetrieb aus der Verlustzone und gilt als erfolgreicher Manager. Seine Wirtschaftskompetenz dürfte für seine Kür mit ausschlaggebend gewesen sein, weil die österreichische Wirtschaft lahmt und die Arbeitslosenzahl steigt.

Aber wer sich bei den ÖBB umhört, bekommt auch immer wieder zu hören, was für ein toller Chef Kern sei, dass er zuhöre, delegiere, Menschen einbinde, auch dem einfachen Schaffner oder Zugführer das Gefühl gebe, ernst genommen zu werden. Das klingt schon gefährlich nach einem Heilsbringer; zumal der Mann auch noch freundlich, telegen und rhetorisch geschickt ist. Er joggt und mag Musik, hat vier Kinder, ist mit einer klugen, attraktiven Frau verheiratet, die ein Start-up-Unternehmen betreibt - das ist der Stoff, aus dem sozialdemokratische Träume sind.

Aber: Der Neue ist in der SPÖ nicht tief verwurzelt, er könnte auch schnell gegen eine Mauer von Reformgegnern prallen. Und der Koalitionspartner ÖVP macht schon gegen Kern mobil, der sei ein "teurer Manager gewesen". Kern hat trotzdem viel Unterstützung, weil er als erfolgreiches Gegenstück zum jungen ÖVP-Star und Außenminister Sebastian Kurz gehandelt wird. Der Falter hat für das Duo eine treffende Beschreibung gefunden: die "Slim-Fit-Koalition".

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