Prantls Blick:Das Spielerische geht über in etwas Stures

Lesezeit: 4 min

Bayern zuerst: Die CSU, die seit dem Rücktritt Hoegners in Bayern ununterbrochen an der Macht ist, hat sich dieser Hoegnerschen Lust mit Lust angenommen. Sie hat dieses Motto auch dann noch potenziert, dekliniert, ziseliert, poliert und vor allem folklorisiert, als die Bundesrepublik sich schon längst etabliert hatte, als Europa sich entwickelte und als Bayern ein normales, aber eben doch irgendwie unnormales deutsches Bundesland geworden war - unnormal unter anderem deswegen, weil die CSU das Bayerische immer besonders weit heraushängen ließ; weiter als etwa die Schwaben das Schwäbische oder die Hessen das Hessische. Das wirkte immer irgendwie sympathisch, weil man in anderen Teilen Deutschlands das Gefühl hatte, man sei in Urlaub, wenn man die Bayern hörte. Das Spielerische, das das "Bayern zuerst" hatte, geht jetzt verloren und geht über in etwas Stures, Trauriges und Verbissenes.

Ein seltsames Paar waren CDU und CSU freilich auch in besseren Tagen als heute. Sie nannten und nennen sich Schwesterparteien. Aber zwei Schwestern sind einem bei dieser Politkombination noch nie eingefallen; eher schon klassische Männerpaare, zu deren Zauber und Fluch es gehört, dass man sie sich nur zu zweit und in vitalisierender Rivalität denken kann: Denkt man an Laurel, denkt man an Hardy. Tritt einem Max vor Augen, ist auch Moritz schon da. Darin bestand das Reizvolle und Erfolgreiche dieser Parteiengemeinschaft. Die Geschichte dieses Reizes, der oft polit-folkloristischer Art war, zieht sich durch die Geschichte der Republik: Adenauer, Kohl und Merkel auf der einen Seite, Strauß, Stoiber & Seehofer auf der anderen.

Weiter rechts, mehr in der Mitte

Attacken der CSU gegen die CDU sind nicht neu. Die Angriffe des CSU-Chefs Strauß gegen den CDU-Chef Kohl, dem er, bevor dieser dann für 16 Jahre Kanzler wurde, in wütend-sarkastischer Rede jede Eignung für die Kanzlerschaft absprach, sind legendär. Diese Angriffe endeten auch nicht, als Kohl Kanzler war. 1986, da war der Pfälzer schon seit vier Jahren Kanzler, giftete der Bayer über Kohls Regierungszentrale: "Auf der Ölspur der eigenen Dummheit fahren die da Karussell." Anlass für den CSU-Zorn damals waren Erfolge der "Republikaner", die freilich nur bei ein paar Prozent lagen, weit entfernt von denen der heutigen AfD. Deswegen kündigte Strauß damals an, mit einem eigenen Programm in den Bundestagswahlkampf ziehen zu wollen; die CSU sollte weiter rechts, die CDU mehr in der Mitte agieren.

Nichts Neues also? Doch. Neu ist die nicht mehr von Ironie oder Spott ummantelte Schärfe der Angriffe. Aus internen Attacken sind externe und frontale geworden, auf offener Bühne; ihnen fehlt auch die rabiate Raffinesse, die nicht nur den Unionisten früher was zu lachen gab. Es gibt nichts mehr zu lachen. Und die gefühlte Einigkeit von CDU und CSU im Grundsätzlichen - die gibt es auch nicht mehr; es war dies eine von Ausnahmen gewürzte Geschlossenheit.

Die CSU verwandelt sich in eine anti-europäische, kleinbayerische Partei. Vielleicht wäre dem "Stumpen-Franz" da das Reden ganz vergangen. Wenn es ganz schlimm war, stierte er nur noch vor sich hin und seufzte: O mei. Bei besonderer Bitterkeit ließ sich das immer wiederholen: O mei, o mei, o mei. Sehr viel mehr mag einem zur CSU auch nicht einfallen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB