Reportage aus Marawi Geflohene berichten, die Maute-Miliz köpfe Christen

Mit wem es die Soldaten im Kampf zu tun haben, ist auf einen großen Steckbrief gedruckt: "Wanted Terrorists". Darunter reihen sich Dutzende Fotos aneinander, Männer und Frauen, viele tragen den Namen Maute, die Clans der Gegend sind groß. Auch am Checkpoint im Westen hängt ein solches Poster. Viele der Gesuchten tragen das Haar sehr lang. "Das soll sie als tapfere Männer ausweisen," sagt der Soldat.

Geflohene berichten, die Maute-Miliz köpfe Christen, weil sie Christen seien.

Vier Wochen dauern die Kämpfe nun schon. Und es ist zu befürchten, dass die eingeschlossenen Zivilisten verhungern oder verdursten, wenn sie keine Hilfe erreicht. Mehr als 300 000 Menschen sind geflohen, die meisten haben bei Verwandten Unterschlupf gefunden. Andere harren in überfüllten "Evakuierungszentren" aus.

Oberstleutnant Herrera sagt, die Armee wolle nun, am Ende des Ramadan, zum entscheidenden Vorstoß ansetzen, die Truppe rücke auf die Kommandozentrale der Terroristen vor. Am Gouverneurssitz der Provinz, der von gelegentlichen Querschlägern getroffen wird, geht jedoch die Sorge um, dass nach Ende des Ramadans andere Dschihadisten den Maute-Brüdern zu Hilfe kommen könnten. Zwar sind die Kämpfer eingekesselt, doch in der Stadt gibt es womöglich geheime Tunnel. Und manche Bewohner glauben, die Mautes fänden schon einen Weg.

Die IS-Anhänger sollen auch aus Indonesien und Malaysia kommen

Unter den getöteten IS-Anhängern identifizierte die Armee einige Ausländer, sie sollen aus Indonesien, Malaysia und dem Nahen Osten stammen. Aber auch auf der Insel Mindanao selbst gibt es viele Milizen, die sich noch in den aufgeflammten Konflikt einschalten könnten.

Die einen fordern mehr Eigenständigkeit für die muslimische Minderheit, andere sind kommunistische Rebellen, wieder andere Banditen, die Ausländer entführen und köpfen, wenn kein Lösegeld gezahlt wird. Eine ganze Reihe dieser Splittergruppen haben dem IS Gefolgschaft geschworen, so wie die Maute-Brüder, die aus einer wohlhabenden Familie stammen und längere Zeit im Nahen Osten verbrachten.

Wie lange werden sie Widerstand leisten? "Ihnen geht die Munition aus", behauptet Oberstleutnant Herrera. Die Armee habe strategische Punkte besetzt, angeblich wird das Gebiet, das die IS-Anhänger kontrollieren, kleiner.

Der Regen wird nun stärker, die Kämpfe im Osten flauen ab. Am Checkpoint rollen zwei Mannschaftswagen mit Soldaten von der Front vorbei. Die Fahrer grüßen kurz, aber hinten auf den Bänken sieht man nur Männer mit starren Gesichtern. Keiner von ihnen spricht auch nur ein Wort.

Thema des Tages In der Niederlage des IS liegt neue Gefahr

Islamischer Staat

In der Niederlage des IS liegt neue Gefahr

Die Islamisten sind in ihrem Kerngebiet unter Druck geraten. Doch wer denkt, sie seien unter Kontrolle, liegt falsch.   Von Paul-Anton Krüger und Arne Perras