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Parteitag der Grünen:Im Mainstream angekommen

Dabei wollten die Grünen ursprünglich nicht einmal eine richtige Partei werden, so sahen es zumindest die Parteilinken. Man trennte das Amt vom Mandat, begrenzte die Diäten und führte das Rotationsprinzip ein - doch all die guten Vorsätze wurden peu à peu aufgegeben. Bereits nach einigen Jahren zogen sich die radikalökologischen Fundis um Jutta Ditfurth zurück, Realos wie Joschka Fischer prägten die Partei von nun an. Während sich die Grünen als Partei etablierten und schnell Regierungsverantwortung auf Landes- und schließlich auf Bundesebene übernahmen, dünnten sie sich an ihren Rändern aus. Die Ökopartei wurde glatter, angepasster.

Mehr und mehr wurden die Grünen als Teil des politischen Establishments wahrgenommen. Die AfD, Vertreterin jener verstaubten Werte, die die Grünen einst erfolgreich bekämpften, inszeniert sich nun als Alternative zum "linksgrün-versifften" Zeitgeist und übt mit einem Gebaren Kritik an den "Altparteien", wie es einst die Grünen vormachten. Nur dass das "klassische Familienbild" die "sexuelle Befreiung" ersetzt - Fundamentalkritik von heute.

Von Revoluzzern zu Lebensreformern

Der Parteilinke Volmer bedauert, dass sich die Ökopartei durch den Transformationsprozess von ihren Visionen entfernt habe. "Seit ungefähr Mitte der 90er Jahre lässt sich ein ganz klarer Trend erkennen", so Volmer, " man übt nicht mehr mit revolutionärer Pose Kritik am Grundsätzlichen, sondern hat sich damit abgefunden, eine bürgerliche Mittelschicht zu vertreten."

Durchgesetzt hätten sich die "Lebensreformer", die glaubten, "man müsse das individuelle Leben der Menschen ändern, dann ändere sich auch die Gesellschaft". Aus Sicht des ehemaligen Grünenchefs seien "die Kausalitäten einfach umgedreht" worden: Es ging nicht mehr um gesellschaftliche Umwälzung, sondern um die Verhaltensweisen der Bürger. Dabei, so Volmer, müsse man die ökonomischen Rahmenbedingungen verändern, um das Verhalten des Einzelnen nachhaltig zu beeinflussen.

Am Veggie-Day-Vorstoß verdeutlicht sich, was Volmer mit "Umdrehen von Kausalitäten" meint: Kritiker warfen der Partei vor, nicht beim wahren Problem - der Massentierhaltung - anzusetzen, sondern beim individuellen Verhalten der Bürger. Auch wenn von dem Vorschlag Abstand genommen wurde und man nun ein allgemeines Verbot der Massentierhaltung fordert, so sind die Grünen diesen Ruf nicht mehr losgeworden. Sie werden von vielen als Vertreter eines neuen Öko-Spießertums gesehen, die Bürger belehren und missionieren wollten.

Zurück zu den Wurzeln

Es ist die natürliche Folge des Erwachsenwerdens einer ehemaligen Protestpartei, den unverbrauchten Charakter der Gründungsjahre Stück für Stück zu verlieren. Wer nicht immer nur in der Opposition Kritik üben will, sondern ein ernsthaftes Interesse daran hat, Verantwortung zu übernehmen und politisch zu gestalten, muss sich organisieren, muss den wilden Haufen von Querköpfen auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Dass dabei so manche gute Vorsätze auf der Strecke bleiben, kann verkraftet werden. Das Scheitern der Piratenpartei dient als mahnendes Beispiel, was passiert, wenn es nicht gelingt, sich auf die politischen Gegebenheiten einzustellen.

Doch stehen die Grünen nun an einem Scheideweg. Das eigene Profil leidet am Wandel des Zeitgeistes, den man zum Teil selbst vorangetrieben hat. Durch den Ruf als Partei des erhobenen Zeigefingers haftet ihr etwas Staatstragendes an, nichts scheint übrig zu sein von dem frischen Elan, der von den Gründungsgrünen ausging. Da es nicht gelungen ist, sich als Volkspartei zu etablieren, wie man es 2011 noch für möglich hielt, muss nun ein anderer Weg eingeschlagen werden, um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Vielleicht hilft es, sich auf die Wurzeln zu besinnen. Themen wie Partizipation und Bürgerbeteiligung etwa sind zwar offiziell noch immer grüne Herzensangelegenheiten, ihr Stellenwert ist allerdings gesunken, im Zehn-Punkte-Plan werden sie gar nicht erst erwähnt.

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