Panama Papers Briefkastenfirmen helfen bei Assads Krieg

Baschar al-Assad und Rami Makhlouf.

(Foto: Peter Hoffmann)

Offshore-Gesellschaften eignen sich bestens, wenn ein Land internationale Sanktionen brechen will. In Syrien geschah das ausweislich der Panama Papers auf vielfältige Weise.

Von Frederik Obermaier und Bastian Obermayer

Die Männer verluden gerade Kartoffeln, als die Fässer vom Himmel fielen. Die Erde bebte, Felsbrocken flogen durch die Luft, gefolgt von einer Wand aus Staub. Die Männer warfen sich zu Boden, einige suchten Schutz in einem Schuppen. Dann kam die Explosion: Tausende kleine Metallteilchen schossen durch die Luft und durchbohrten alles, was sich in ihrer Flugbahn befand.

Was sich an diesem Septembertag im Jahr 2012 in dem Städtchen Marea nicht weit von Aleppo abspielte, ist Alltag im Krieg in Syrien - jenem Gemetzel, in dem die Armee des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gegen diverse Islamisten-Gruppen kämpft, aber auch gegen die eigene Bevölkerung. Seit Beginn des Krieges hat die syrische Luftwaffe Tausende Fassbomben abgeworfen: simple Ölfässer, gefüllt mit Beton, Sprengstoff, Nägeln und anderem Metallabfall, um möglichst viele Menschen zu töten.

"Sechs oder sieben Menschen lagen auf dem Boden", erzählte ein Überlebender des Fassbombenangriffs von Marea später der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. "Der Anblick war grauenhaft. Ein Mensch war in zwei Teile zerrissen, andere schrien vor Schmerzen, einige hatten Beine und Arme verloren."

Der syrische Bürgerkrieg dauert schon fünf Jahre. Mehr als zehn Millionen Menschen sind auf der Flucht, mindestens 250 000 Menschen, vielleicht gar eine halbe Million tot, die meisten getötet von Assads Regime. Um dem Morden Einhalt zu gebieten, haben mehrere Länder, darunter die EU und die USA, schon 2011 Sanktionen gegen Assad, seine Familie sowie seine engsten Verbündeten verhängt. Einen Cousin Assads hat die USA sogar schon im Jahr 2008 mit Sanktionen belegt.

Doch das syrische Regime und seine Handlanger fanden, ausweislich der Panama Papers, offenbar diskrete Wege, um die Sanktionen zu umgehen und sich dringend benötigtes Geld oder Benzin für den Krieg zu beschaffen. Eine wichtige Rolle spielte dabei Mossack Fonseca (Mossfon), jene panamaische Kanzlei, die seit Anfang dieser Woche im Zentrum der Panama-Papers-Enthüllungen steht. Mossfon führte laut den Unterlagen mehrere Briefkastenfirmen, die in enger Nähe zum Regime von Assad standen. Offenkundig scherten sich entscheidende Leute bei Mossfon nicht wirklich um die Sanktionslisten der Amerikaner und Europäer und nahmen laut der Dokumente in Kauf, dass Sanktionen gebrochen werden konnten.

Der Fall zeigt, warum Diktatoren, Terrorgruppen oder kriminelle Organisationen Briefkastenfirmen nutzen, um Sanktionen unterlaufen und so weitermachen zu können wie zuvor. So finden sich in der Kundenliste von Mossack Fonseca allem Anschein nach sanktionierte Mitglieder von Drogenkartellen aus Mexiko und Guatemala, mutmaßliche Finanziers von Terrororganisationen wie Hisbollah und al-Qaida, Mittelsmänner von Autokraten wie Simbabwes Robert Mugabe, aber auch Firmen, die wegen ihrer Unterstützung für das iranische und nordkoreanische Atomwaffenprogramm sanktioniert wurden.

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Im Fokus der Panama Papers: die Kanzlei Mossack Fonseca. Ein Besuch im tropischen Paradies der verschwiegenen Offshore-Welt.

Mossfon bestreitet, Geschäfte mit sanktionierten Personen zu machen. Auf Anfrage des Internationalen Konsortiums Investigativer Journalisten (ICIJ) erklärte die Kanzlei, Personen mit Verbindungen nach Syrien oder zu anderen sanktionierten Staaten "niemals wissentlich" erlaubt zu haben, "unsere Gesellschaften" zu nutzen.

Insgesamt finden sich in den Panama-Papers jedoch Dutzende Personen und Unternehmen, mit denen Mossfon offenbar Verbindungen hat oder hatte und die auf Sanktionslisten stehen oder standen. In keinem Fall jedoch dürfte dies so gravierende Folgen gehabt haben wie in Syrien.