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Ole von Beust kritisiert Merkel:"Wer führt, macht sich auch Feinde"

SZ: Wie oft schlägt Ihnen aus dem bürgerlichen Lager der Vorwurf entgegen: Ole, du hast uns verraten!

Beust: Das wird wohl eher gesagt, wenn ich nicht dabei bin. Zu mir sind die Menschen nach wie vor freundlich. Aber ich höre, dass es gesagt wird.

SZ: Wie ist das, als Verräter am Bürgertum zu gelten?

Beust: Es tut mir leid, wenn Leute enttäuscht sind. Aber die Aufgabe eines Politikers ist auch zu führen, und Führung kann heißen, dass ich Menschen enttäusche. Wer führt, macht sich auch Feinde.

SZ: Ihr Satz "Der Kapitalismus ist gescheitert" hat die Bürger auch irritiert.

Beust: Das sagen doch fast alle, auch die Kanzlerin.

SZ: Aber was meinen Sie?

Beust: Dass der reine Kapitalismus kein Selbstzweck sein kann, sondern mit Verantwortung einhergehen muss. Das ist die Lehre aus der Finanzkrise.

SZ: In Hamburg spürt man seit der Krise den Unterschied zwischen Arm und Reich besonders deutlich.

Beust: Mich treibt um, dass sich die Haltung oben wie unten verändert hat. Arm und reich hat es immer gegeben. Aber jetzt gibt es mehr Menschen am unteren Ende, die aus vielerlei Gründen nicht mehr das Ziel des Aufstiegs oder die Kraft dafür haben und wollen, dass es ihren Kindern mal besser geht. Und es gibt mehr Menschen, die unverhohlen mit ihrem Reichtum angeben. So was tat man in Hamburg früher nicht.

SZ: Es wird zu sehr geprotzt?

Beust: Ja.

SZ: Sie wollen, dass die Eliten mehr Verantwortung übernehmen.

Beust: Es gibt in Hamburg sehr viele Bürger, die spenden, ohne viel Aufhebens zu machen. Dafür bin ich sehr dankbar. Es geht mir vielmehr um eine Haltung: Ich denke, je größer der Erfolg ist, desto größer sollte auch die Demut sein. Hamburg stand traditionell für zurückhaltenden Umgang mit Reichtum. Nun gibt es einige, denen das Bewusstsein fehlt, dass, wenn ich Erfolg habe, mindestens fünfzig Prozent Glück dabei sind.

Merkel und Machtworte

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