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Ofelia Fernández:Vorkämpferin von Lateinamerikas Frauenbewegung

Ofelia Fernandez ist mittlerweile Abgeordnete in ihrer Heimatstadt Buenos Aires.

(Foto: RONALDO SCHEMIDT/AFP)

Sie kämpft gegen Machokultur und Femizide und streitet für das Recht auf Abtreibung. Die Zukunft der Politik will Ofelia Fernández dennoch nicht sein.

Von Christoph Gurk, Buenos Aires

Es gibt eine Szene, die Ofelia Fernández wahrscheinlich besser beschreibt als alles andere. Damals, im September 2017, hatten Schüler in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires mehrere Schulen besetzt, aus Protest gegen eine neoliberale Bildungsreform. Fernández, damals erst 17, war Sprecherin einer dieser Schulen und ein Fernsehkanal hatte sie zum Interview zugeschaltet. Frage um Frage beantwortete Fernández, mit Sätzen wie Schnellfeuergewehre, aber auch mit viel Geduld, selbst dann noch, als es längst nicht mehr um die Sache ging, sondern darum, sie persönlich anzugreifen. Irgendwann aber unterbrach sie einer der grauhaarigen, Anzug tragenden Fernsehjournalisten: "Warte mal, chiquita", sagte er. Und hier entgleiten Fernández auf dem Video kurz die Gesichtszüge, bevor sie dem Moderator über den Mund fährt: "Kleine", sagt sie, "nennst du mich nicht."

Mehr als drei Jahre sind seitdem vergangen. Fernández hat längst die Schule abgeschlossen, sie ist heute Abgeordnete in ihrer Heimatstadt Buenos Aires, vor allem aber auch noch eines der bekanntesten Gesichter der sogenannten revolución de la pibas, einer Bewegung, deren Name sich im Deutschen nur etwas holprig mit "Revolution der weiblichen Kerle" übersetzen lässt. Tatsächlich sind es junge Frauen zwischen 15 und 25, die in oft riesigen und teils wütenden Protesten auf die Straße gehen, nicht nur in Argentinien, sondern in ganz Lateinamerika.

Es geht gegen Machokultur und Femizide, dazu aber auch noch um das Recht auf Abtreibung, ein Ziel, das zumindest in Argentinien gerade ein bisschen näher gerückt ist: Letzte Woche hat ein Gesetzesentwurf erfolgreich den Kongress passiert, der Schwangerschaftsabbrüche bis zur 14 Woche legalisieren würde. Argentinien, die Heimat des Papstes, könnte bald eines der fortschrittlichsten Abtreibungsgesetze der ganzen Region bekommen.

2019 band sie sich ein grünes Halstuch ums Handgelenk

Für Ofelia Fernández wäre das ein riesiger Erfolg: Das grüne Halstuch, das heute von Feuerland bis zum Rio Grande als Symbol für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen gilt, hatte sich Fernández um ihr Handgelenk gebunden, als sie 2019 ihren Schwur im Stadtparlament von Buenos Aires ablegte. Sie ist seitdem die jüngste Abgeordnete von ganz Lateinamerika, ein Titel, der ihr egal bis unangenehm zu sein scheint. Alter sei unwichtig, was zähle seien Erfahrungen, sagt Fernández. Eine 17-jährige Schülerin könne deswegen auch mehr über das öffentliche Bildungssystem sagen als ein arrivierter Fernsehmoderator. Und aus genau diesem Grund müsse sich eine 12-Jährige auch nicht von männlichen Politikern vorschreiben lassen, was sie tun soll, wenn sie schwanger geworden ist.

Fernández wuchs in Buenos Aires in einer Mittelschichtsfamilie auf, der Vater Musiker, die Mutter Angestellte. Schon als Kind, sagt sie, habe sie angefangen, sich für Politik zu interessieren. In ihrer Schule, dem prestigeträchtigen "Colegio Carlos Pellegrini" in Buenos Aires, habe sie erstmals die Möglichkeit gefunden, selbst aktiv zu werden. Als eine Welle von Morden an Frauen 2015 Argentinien erschütterte, marschierte sie mit auf den Demos. Und als 2018 ein Gesetzesentwurf für ein liberaleres Abtreibungsrecht das erste Mal im Parlament verhandelt wurde, wartete sie zusammen mit Zehntausenden anderen jungen Frauen vor dem Kongress. Wie eine Open-Air-Stunde in Bürgerrechten sei das damals gewesen, sagte sie vor Kurzem dem US-Magazin Time, nachdem es sie zu einer der "Anführerinnen der nächsten Generation" erklärt hatte.

Sie sei die Zukunft der Politik, heißt es in den Artikeln über Ofelia Fernández immer wieder. Aber Zukunft, sagt sie, sei auch wieder so ein Wort, dass ihr nicht gefalle. Schließlich wolle sie Veränderungen, aber eben nicht irgendwann, sondern jetzt.

© SZ/fzg
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