Occupy Wall Street - Ursprung und Zukunft einer Bewegung Wie geht es mit dem Protest weiter?

Mit Besen und anderen Reinigungsmitteln machten sich die OWS-Demonstranten selbst daran, den Zuccotti-Park zu säubern. Viele befürchten, dass die geplante Säuberungsaktion des Besitzers nur ein Vorwand für die Räumung ist.

(Foto: Reuters)

Es ist zu früh für eine Prognose. In den Internetforen und Blogs wird weiter diskutiert und geplant werden, doch fast noch entscheidender ist die Frage, wie lange es mit den Protesten auf den amerikanischen Straßen und Plätzen weitergehen wird.

In Bezug auf das Camp im Zuccotti-Park versicherte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg am Mittwoch in einer Ansprache, die Demonstranten könnten so lange bleiben wie sie wollten, solange sie die Gesetze nicht verletzen. Der frühere Medienunternehmer sagte, er habe "keine Ahnung", wie lange die Protestierenden bleiben werden: "Es wird aber mit dem Wetter zu tun haben." Damit spricht Bloomberg, der sich anfangs abfällig über OWS geäußert hatte, einen wichtigen Punkt an: den nahenden Winter, der in New York besonders grimmig werden kann.

Gelingt es den Aktivisten, auch bei Minusgraden den Betrieb in der Zeltstadt aufrechtzuerhalten und für ihre Überzeugungen zu demonstrieren, hätte dies einen hohen symbolischen Wert. Ed Neeman, der für das Presseteam arbeitet, rechnet zwar damit, dass in den Wintermonaten "weniger Leute vorbeikommen werden", doch man werde die inhaltliche Arbeit fortsetzen. Zudem macht sich OWS daran, warme Kleider sowie Decken für die Demonstranten zu besorgen. Zurzeit kämen täglich am Zuccotti-Park zwischen 5000 und 7000 Dollar an Barspenden zusammen, so dass die "Kriegskasse" mittlerweile gut gefüllt sein dürfte.

Einen kleinen Erfolg konnten die Aktivisten an diesem Freitag verbuchen: Die Stadt New York hat die geplante Räumung des Zuccotti-Parks verschoben, die Entscheidung sorgte am Morgen für Jubel bei den Menschen, die auf dem Platz ausharrten.

Zunächst hieß es, dass der Besitzer des Areals im Stadtteil Manhattan, die Immobilienfirma Brookfield Properties, das Areal von sieben Uhr morgens Ortszeit (13 Uhr deutscher Zeit) an säubern lassen wolle. Sie hatte daher die Polizei gebeten, den Platz für die Dauer der Reinigung zu räumen. Viele Aktivisten hatten in der Reinigungsaktion lediglich einen Vorwand gesehen, um die Besetzer von dem Platz zu vertreiben und griffen daher selbst zum Besen.

Im Vorfeld war befürchtet worden, dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei kommen könnte. Den New Yorker Behörden und Brookfield Properties dürfte viel daran gelegen sein, dass es nicht wieder zu einer solchen Eskalation kommt: Schließlich führte der letzte überharte Einsatz der Polizisten bei einer Protestaktion auf der Brooklyn Bridge erst dazu, dass kaum ein Medium in den USA und im Rest der Welt die Proteste ignorieren konnte.

Linktipp eines Users: Livestream-Videos der weltweiten Proteste gibt es hier und hier.