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Obama in Athen:Eindringlicher Appell

Trotz der Probleme, unter denen gerade Griechenland leidet, verteidigte Obama die Globalisierung, zu der es ihm zufolge keine Alternative gibt. Er forderte die europäischen Länder jedoch auf, Athen stärker zu unterstützen, so wie es die USA auch schon getan hätten. Das Land müsse auf einen nachhaltigen Pfad zurückgeführt werden, insbesondere die Jugend brauche eine Perspektive.

Eine Folge der modernen Kommunikation, sagte Obama, sei die Möglichkeit der sozialen Überwachung. "Früher wurde Ungleichheit eher toleriert, jetzt wird sie nicht mehr toleriert, weil jeder, auch in den entlegensten Regionen Afrikas, ein Smartphone hat und sehen kann, wie die Leute in London oder New York leben."

Seine Rede schloss der US-Präsident mit einem eindringlichen Appell: "Fortschritt ist keine Garantie. Fortschritt muss sich jede Generation verdienen." Er glaube jedoch, dass die Geschichte Hoffnung gebe. "Letztlich liegt es an uns, nicht an irgendjemand anderem. Wir Bürger der Welt sind verantwortlich dafür, den Bogen der Geschichte hin zur Gerechtigkeit zu biegen. Das geht durch Demokratie." Der wichtigste Titel in jedem Land sei nicht der des Präsidenten. "Es ist der des Bürgers."

Obama besucht die Akropolis

Obamas Reise hätte eigentlich dazu dienen sollen, die Gemeinsamkeiten zwischen den USA und Europa noch einmal zu betonen und Hillary Clinton als nächster Präsidentin den außenpolitischen Weg zu bereiten. Nach deren Niederlage gegen Trump sah sich Obama hingegen nun gezwungen, zu versuchen, den europäischen Partnern der USA, insbesondere in der Nato, die Angst vor seinem designierten Nachfolger zu nehmen. Am Dienstag hatte er bereits die besondere Verbundenheit der Amerikaner mit Europa betont.

Vor seiner Rede hatte Obama, abgeschirmt von der Öffentlichkeit, die Akropolis in Athen besichtigt. Die Altertümer auf dem "heiligen Felsen", wie die Griechen den Hügel im Stadtzentrum nennen, blieben dafür den gesamten Mittwoch vollständig für die Öffentlichkeit gesperrt.

Obama ließ sich die Altertümer von der Archäologin Eleni Banou, einer Mitarbeiterin des Kultusministeriums erklären. Der Präsident hatte zudem die Erlaubnis, den Parthenon-Tempel zu betreten, was Touristen aus Sicherheitsgründen schon lange nicht mehr dürfen. Im Anschluss sah sich Obama das Akropolis-Museum am Fuße des heiligen Felsens an.

Ursprünglich hatte Obama seine Rede vor der Akropolis halten wollen. Aus Sicherheitsgründen wurde der Auftritt in das Kulturzentrum der Stavros-Niarchos-Stiftung verlegt.

Nächste Station: Berlin

Nach seiner Rede wird Obama nach Berlin reisen, wo er am Abend Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen wird. Bei Gesprächen am Donnerstag wird es voraussichtlich um die Zukunft der transatlantischen Beziehungen unter dem designierten Präsidenten Trump gehen.

Für den Freitag ist in Berlin ein Treffen Obamas mit führenden europäischen Staats- und Regierungschefs geplant. Danach wird der US-Präsident weiter nach Peru fliegen. In Berlin sind mehr als 5000 Polizisten im Einsatz, um alle Orte zu sichern, wo Obama erwartet wird.