Rechtsextremismus:Anklage gegen weitere mutmaßliche NSU-Unterstützerin

Gedenken an NSU-Mordopfer in München

Gedenken an das NSU-Mordopfer Habil Kılıç im Jahr 2013 in München.

(Foto: Alessandra Schellnegger/SZ Photo)

Der Generalbundesanwalt will Susann E. vor Gericht bringen - unter anderem wegen des Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Sie ist die Frau von André E., der 2018 als Helfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" verurteilt worden ist.

Von Annette Ramelsberger und Kassian Stroh

Knapp sechs Jahre nach dem Ende des NSU-Prozesses steht nun ein weiteres Verfahren gegen eine mögliche Unterstützerin der Terrorgruppe bevor. Der Generalbundesanwalt hat nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Anklage gegen Susann E. erhoben. Ihr wird Unterstützung einer terroristischen Vereinigung sowie Beihilfe zu einer schweren räuberischen Erpressung mit Waffen vorgeworfen. Der Prozess gegen E. wird, sofern die Anklage zugelassen wird, vermutlich vor dem Oberlandesgericht Dresden stattfinden.

Susann E. ist die Frau von André E. Er wurde im Jahr 2018 als Unterstützer des Terrortrios, das sich "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) nannte, zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er war der engste Freund des Trios, das zehn Menschen getötet, drei Bombenanschläge verübt und 15 Raubüberfälle begangen hat. Das Trio, das aus Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos bestand, tauchte 1998 ab; im September 2000 begann die Mordserie.

Susann E. habe spätestens Anfang 2007 gewusst, "dass die Mitglieder des NSU unter falschen Identitäten im Untergrund lebten und zu diesem Zeitpunkt bereits rassistisch motivierte Morde sowie einige Banküberfälle begangen hatten", so die Erkenntnisse des Generalbundesanwalts, der inzwischen eine Pressemitteilung zur Anklage veröffentlicht hat. Mehrmals habe Susann E. Zschäpe ihre Krankenkassenkarte gegeben, damit diese zum Arzt gehen konnte - oder ihre Personalien zur Verfügung gestellt, um Zschäpe eine Bahncard zu beschaffen. Zudem habe sie Zschäpe und Böhnhardt Ende Oktober 2011 zu einem Termin gefahren, um ein Wohnmobil zu mieten. Dieses verwendete der NSU bei seinem letzten Raubüberfall in Eisenach am 4. November 2011, nach dem er schließlich aufflog. Mundlos und Böhnhardt nahmen sich das Leben, Zschäpe stellte sich nach einigen Tagen der Polizei und kam vor Gericht.

"Nach neueren Erkenntnissen" habe sich der Tatverdacht gegen Susann E. weiter erhärtet, teilt der Generalbundesanwalt mit. Sie sei weiter auf freiem Fuß. Ihr Mann ist inzwischen nach eigenem Bekunden kein Neonazi mehr, hat sich ins Familienleben zurückgezogen und sich beim Aussteigerprogramm Sachsen angemeldet.

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