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NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft:Die Landesmutter kümmert sich

Manchmal schien es so zu sein, als polarisiere Hannelore Kraft. Obwohl sie doch so gar nichts Polarisierendes hat. Ihre exzentrischste Eigenschaft ist, dass sie jeden Sommer ihr Sportabzeichen macht und mit ihren Freunden gerne Karten spielt. Man muss aber kein Mitleid haben mit Hannelore Kraft, ihr mangelt es ja auch nicht an Selbstbewusstsein. Programmatisch hat Kraft nicht viel verändert in der Herzkammer der SPD, sie hat der Partei jedoch ein neues Gefühl gegeben: Die Landesmutter kümmert sich.

Aber abseits aller Etiketten, die Kraft bisher angeheftet wurden, steht ihr die entscheidende politische Prüfung noch bevor: Sie will verhindern, dass ihr Name mit dem endgültigen Aus der Stahlproduktion und Braunkohleförderung verbunden wird. Also fordert Kraft weniger Energiewende und mehr Kohle für den Pott - auf dass die Schlote rauchen.

Hannelore Kraft

Kraft beim Besuch des Bergwerks Prosper-Haniel in Bottrop

(Foto: dpa)

Umweltpolitiker in ihrer Partei halten das für einen Weg ins dunkelste Kohlendioxid-Mittelalter. Kraft fragt, was soll ich den Kumpeln und Stahlkochern sagen, dass sie Auslaufmodelle sind, dass sie doch bitte schön zu Hause bleiben sollen? Im Revier ist der Strukturwandel zwar kein Synonym mehr für Hoffnungslosigkeit, sondern gewinnt an Kontur, die IT-Branche ersetzt die Zechen. Ein Ende von Braunkohle und Stahl würde aber die ganze Region zurückwerfen, sagt Kraft.

Es ist ein schmaler Grat, auf dem sie sich bewegt, denn auf der anderen Seite hat das Land unter den regierenden Sozialdemokraten viel zu lange am Bergbau festgehalten, hat die Grubenromantik den Wagnissen des Fortschritts vorgezogen. Der Kohlepfennig versickerte unter Tage. Die Grünen, ihr Koalitionspartner in Düsseldorf, wollten das Land nun zum Vorzeigeobjekt der Energiewende machen, sehen sich nun aber mit der Politik der alten Ruhr-SPD konfrontiert. Kraft sagt, sie könne beides, Stahl und Eisen, Wind und Sonne.

Das ist letztlich auch das Thema, das sie mehr interessiert als irgendwelche Kanzlerkandidaturen oder Etiketten. Die werden aber schnell entworfen sein, sollte Kraft scheitern.

Hannelore Kraft

Die Ja-aber-Frau