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Nico Lange:Der zweitwichtigste Mann im Leben der CDU-Chefin

(Foto: Konrad-Adenauer-Stiftung)
  • Nico Lange gilt als engster politischer Vertrauter der CDU-Chefin - für Annegret Kramp-Karrenbauer ist er das, was Beate Baumann für die Kanzlerin ist.
  • Der 44-Jährige war "Bevollmächtiger für Innovation und Strategie" in der saarländischen Staatskanzlei und Abteilungsleiter in der CDU-Zentrale.
  • Die Wohlmeinenden in der Parteizentrale sagen, er sei ein "Mega-Brain". Die weniger Wohlmeinenden fügen den Satz an: "Und Lange zeigt das auch."
  • Jetzt ist Lange Chef des Leitungsstabs in Kramp-Karrenbauers Verteidigungsministerium.

Von Robert Roßmann, Berlin

In den Tiefen des Internetauftritts der CDU findet sich ein Foto, das die Rolle von Nico Lange ziemlich gut beschreibt. Auf ihm sieht man Lange Arm in Arm mit Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Aufnahme ist unmittelbar nach der Wahl der Saarländerin zur CDU-Chefin entstanden und recht verwackelt - die Botschaft aber eindeutig. "Überglücklich und happy: AKK und ihr ,zweitwichtigster Mann'" steht über dem Foto. Wer auch immer diese Bildüberschrift verfasst hat, er hat recht. Der wichtigste Mann im Leben der CDU-Chefin nach Helmut Karrenbauer ist eindeutig Lange. Der 44-Jährige gilt als engster politischer Vertrauter der Parteivorsitzenden - für Kramp-Karrenbauer ist er das, was Beate Baumann für die Kanzlerin ist.

Auf den ersten Blick ist das erstaunlich, denn Lange arbeitet erst seit Ende 2017 direkt bei Kramp-Karrenbauer. Die war damals noch saarländische Ministerpräsidentin und holte Lange als "Bevollmächtigten für Innovation und Strategie" in ihre Staatskanzlei. Seitdem rückte der nicht mehr von ihrer Seite. Als Kramp-Karrenbauer Generalsekretärin wurde, folgte ihr Lange als Abteilungsleiter in die Berliner CDU-Zentrale. Und als Kramp-Karrenbauer ins Verteidigungsministerium wechselte, ging Lange als Chef des Leitungsstabs auch dahin mit. An Kramp-Karrenbauers Vorstoß für eine internationale Schutzzone in Nordsyrien soll er beteiligt gewesen sein.

In Teilen der CDU hat das mal wieder zu Raunen geführt. Nahesteher von Vorsitzenden sind in Parteien immer etwas umstritten. Sie haben einen direkten Zugang zur Macht, obwohl sie nicht gewählt sind. Und in die Überlegungen für den Syrien-Vorstoß waren selbst Parteigranden wie Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus nicht eingebunden.

Aber wie kommt es nun, dass Lange für Kramp-Karrenbauer derart wichtig ist? Zum ersten Mal miteinander zu tun hatten die beiden 2012. Zusammengebracht hat sie der damalige Generalsekretär der Saar-CDU, Roland Theis - ein guter Bekannter Langes. Theis hatte Lange als Referenten zu einer Leitungsklausur eingeladen. Er sollte über die Zukunft der CDU als Volkspartei der Mitte sprechen. Kramp-Karrenbauer war beeindruckt. Sie hielt Kontakt, lud Lange immer wieder zu Klausuren ein. Dabei ging es auch darum, wie man die AfD erfolgreich eindämmen kann. Lange hatte zum Umgang mit rechtspopulistischen und euroskeptischen Parteien geforscht. Dabei konnte er auch auf seine Erfahrungen bei der Konrad-Adenauer-Stiftung zurückgreifen. Von 2006 bis 2012 war er deren Büroleiter in der Ukraine, anschließend stellvertretender Hauptabteilungsleiter für Politik und Beratung in Berlin. Anfang 2017 ging Lange dann nach Washington als Chef des dortigen Stiftungsbüros. Sein erster Termin war die Inauguration von Donald Trump.

Die Familie - Frau und zwei Kinder - hat Lange damals in Berlin zurückgelassen. Er hatte bereits die Hoffnung, dass Kramp-Karrenbauer ihn bald auch direkt zu sich holen könnte. Und so kam es dann ja noch im selben Jahr mit der Berufung zum saarländischen Innovationsbevollmächtigten und dem Wechsel in die Berliner CDU-Zentrale wenige Monate später.

Dort hat sich Lange nicht nur Freunde gemacht. Die Wohlmeinenden in der CDU-Zentrale sagen, er sei ein "Mega-Brain". Die weniger Wohlmeinenden fügen den Satz an: "Und Lange zeigt das auch." Einige fühlten sich von ihm überfordert, manche auch brüsk angegangen, wenn sie ihm mal nicht schnell genug folgen konnten. Ihren ursprünglichen Plan, Lange zum CDU-Bundesgeschäftsführer zu berufen, gab Kramp-Karrenbauer wegen des parteiinternen Widerstands auf.

Aber wahrscheinlich passt Lange auch besser ins Verteidigungsministerium. Er ist zwar nicht Reserveoffizier, wie gelegentlich kolportiert wird. Bis 2000 war er aber Zeitsoldat, seinen letzten Einsatz hatte er in Kosovo.

© SZ vom 26.10.2019
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