Coronavirus:Für den Schutz der fast 80 000 obdachlosen Menschen gibt es noch keinen echten Plan

Der Gouverneur verfolgt zwei Ziele: Die Infektionsraten müssen runter- und die Krankenhauskapazitäten hochgefahren werden. Aber das wird so schnell nicht gehen. Auch weil US-Präsident Donald Trump den "Defense Production Act" nicht einsetzt, ein altes Gesetz, das im Koreakrieg dafür gesorgt hat, dass US-Unternehmen auf Befehl der Regierung benötigte Waren produziert haben.

Geht es nach Cuomo, sollen unter Berufung auf das Gesetz jetzt Hersteller von Schutzmasken und Beatmungsgeräten gezwungen werden, bestimmte Mengen zu produzieren und zu einem Festpreis an die Bundesstaaten zu verkaufen. Trump hat das Gesetz zwar aktiviert. Aber will es nicht einsetzen. Für Cuomo bedeutet das: Er steht mit anderen Bundesstaaten in einem teuren Bieterwettbewerb um alles, was Krankenhäuser brauchen, um sicher zu arbeiten. Derweil träumt US-Präsident Donald Trump in Washington davon, womöglich nach "15 Tagen der Verlangsamung" schon das wirtschaftliche Leben in den USA wiederanfachen zu können.

In New York haben sie andere Probleme. De Blasio hat angekündigt, dass das laufende Schuljahr sehr wahrscheinlich verloren ist. Mehr als eine Million Schülerinnen und Schüler gibt es in New York City, es ist der größte Schulbezirk der USA. Sie sollten nach ersten Plänen ab 20. April wieder zur Schule gehen. Das wird jetzt wohl nicht vor September passieren.

Die Stadt muss zudem ihre fast 80 000 obdachlosen Menschen schützen. Dafür gibt es noch keinen echten Plan. Die New Yorker Wohnheime bieten derzeit nur knapp mehr als 60 000 Menschen Platz. In vielen Wohnheimen können Menschen in Not lediglich übernachten, oft nur auf einem Pritschenbett, dichtgedrängt in einem Schlafsaal. Beste Voraussetzungen also für das Coronavirus. Jüngste Studien zeigen, dass etwa 30 Prozent der Obdachlosen an chronischen Atemwegserkrankungen leiden. Die Stadt hat bisher lediglich einen elfseitigen Ratgeber für Betreiber von Wohnheimen herausgebracht. Kernaussage: Hände waschen, verstärkt putzen.

Dass es New York so hart trifft, hat nach Ansicht von Experten zwei wesentliche Gründe. Das Virus muss schon seit Wochen ziemlich unbemerkt in Umlauf gewesen sein. Und: Die Stadt ist der am dichtesten besiedelte Raum der USA. Knapp 27 000 Menschen leben zum Beispiel in Manhattan auf einem Quadratkilometer, in der Gegend um die Upper East Side sogar 42 000. Im dichtbesiedeltsten Stadtteil Westlake in Los Angeles sind es hingegen 13 000. Zum Vergleich: In der am dichtesten besiedelten Stadt Deutschlands, München, sind es nur 4300 Einwohner je Quadratkilometer. Bis in New York also das Virus eingedämmt ist, werde noch viele Menschen sterben. Und viele Monate vergehen.

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