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Neuer US-Präsident:Phänomen "false flag": Viele glauben, dass alles inszeniert ist

Der Vorfall illustriert einen weiteren Aspekt, den Online-Verschwörungstheorien aufwerfen: das "false flag"-Phänomen. Der Begriff stammt aus der Militärsprache. In diesem Fall wird behauptet, der 28-jährige Welch sei ein Schauspieler, der mit seiner Aktion jene Websites diskreditieren sollte, die auch Fake News verbreiten (mehr bei der Washington Post).

Mittlerweile steht #Pizzagate in manchen Ecken des Internets und Reddit-Subforen in einer Reihe mit dem Berliner Reichstagsbrand 1933, der Ermordung von John F. Kennedy, den Anschlägen von 9/11 oder dem Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule: Alles sei nur Inszenierung. Regierung und Großkonzerne sollen eingegriffen haben, um weiter Nachrichten zensieren zu können und - angeblich - die Bevölkerung für dumm zu verkaufen. So soll etwa eine Verkehrskamera entfernt worden sein, um nur ein Gerücht zu zitieren.

Umfrage: Mehrheit der Amerikaner fällt auf "Fake News" herein

Eine aktuelle Umfrage im Auftrag von Buzzfeed ergibt, dass drei Viertel der 3000 befragten US-Bürger auf Fake News hereinfallen (Details hier). Obwohl sie informiert wurden, dass Schlagzeilen falsch sind, erinnern sich die Befragten an den Inhalt und bezeichnen sie als "teilweise wahr" oder "wahr". Ähnlich schockierend ist eine Umfrage der Huffington Post, die die Wirksamkeit des Factchecking in Frage stellt. 56 Prozent der Trump-Wähler sagen, dass sie weiter Trump glauben würden, auch wenn ein TV-Sender oder eine landesweit erscheinende Zeitung dessen Aussage als unwahr einstuft.

Und noch etwas bewirkt die Diskussion um #Pizzagate: Sie bringt die Erinnerung an bereits vergessene Ereignisse zurück. Ende November 2015 stürmte ein Mann in Colorado in eine Frauenklinik der Organisation Planned Parenthood. Der Grund: Er hatte im Internet die Texte einer konservativen Aktivistengruppe gelesen, wonach in diesen Kliniken "Babys zerteilt" würden. Dies habe er stoppen wollen.

Als ihn die Polizei überwältigte, waren drei Menschen tot.

US-Wahl Wie Twitter-Präsident Trump Themen setzt

Neuer US-Präsident

Wie Twitter-Präsident Trump Themen setzt

Er lenkt ab, provoziert und startet am frühen Morgen Diskussionen: Auch nach dem Wahlsieg nutzt Donald Trump Twitter und treibt die Medien vor sich her. Wie sollen diese darauf reagieren?   Von Matthias Kolb, Washington

Update: Aus dem Gefängnis heraus hat Edgar Welch der New York Times ein Interview gegeben (hier nachzulesen). Darin sagt er unter anderem, dass er seine Tat bereut und ursprünglich nicht geplant hatte, bewaffnet in die Pizzeria zu gehen. Er hat nicht für Trump gestimmt - und er ist weiterhin nicht überzeugt, dass #Pizzagate nur eine Online-Erfindung ist.