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Nato-Generalsekretär:Stoltenberg und seine 29 Chefs

NATO ambassadors to discuss Turkey terrorist attacks, airstrikes

In seinen knapp drei Jahren als Nato-Generalsekretär hat sich Stoltenberg um die das Thema Aufrüstung gekümmert, um einen vorsichtigen Dialog mit den Russen und um die Türkei.

(Foto: dpa)

Der Nato-Generalsekretär muss es vielen Bossen recht machen, einige erfordern höchstes diplomatisches Geschick. Unterwegs mit einem Besänftiger.

Jens Stoltenberg mag keine Überraschungen. Auf Fragen möchte er vorbereitet sein. Auf fast jede erdenkliche hat er sich etwas zurechtgelegt. Am Morgen in der Downing Street, nach dem Treffen mit Premierministerin Theresa May, hat das noch funktioniert wie immer. Mehr Truppen nach Afghanistan? "Wir prüfen die Bitte und werden in den nächsten Wochen über unsere Truppenstärke entscheiden."

Rechnet Großbritannien seine Verteidigungsausgaben schön? "Großbritannien ist beispielhaft, wenn es um Verteidigungsausgaben und Lastenteilung geht." Nun aber ist Jens Stoltenberg für einen Moment baff. "Hast du mal 'ne Zigarette?", wird er gefragt. Nein, hat er nicht. Der Generalsekretär der mächtigsten Militärallianz der Welt ist Nichtraucher.

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Es ist ein lauer Frühlingsabend in Berlin. Der Nato-Chef hat eben noch ein Interview im Hotel Adlon gegeben. Jetzt möchte er ein paar Schritte durch den Tiergarten machen. Er trägt dunkle Jeans und Joggingschuhe - so wie die Bodyguards, die sich unauffällig nähern, als ihr Schützling um eine Kippe angehauen wird. So oft Stoltenbergs Gesicht als Feindbild herhalten muss, in aller Regel kann er - von seiner Heimat Norwegen einmal abgesehen - in Europa durch einen Park laufen, ohne erkannt zu werden.

Merkel schätzt den trockenen Pragmatismus Stoltenbergs

Er genießt die paar freien Minuten, redet über norwegische Literatur, plaudert über die TV-Serie "Die Besatzung", die von einer Okkupation Norwegens durch Russland und von einem Premierminister, Jesper Berg, handelt, für den Stoltenberg ein bisschen Modell stand. Mögen tut er die Figur eher nicht. Sie ist ihm zu passiv, zu naiv.

Seit bald drei Jahren ist Stoltenberg Nato-Generalsekretär. Er hat in dieser Zeit Beschlüsse zur Aufrüstung gemanagt, einen vorsichtigen Dialog mit den Russen auf den Weg gebracht und versucht, die Türken bei der Stange zu halten. Den Job hat Stoltenberg nicht zuletzt Angela Merkel zu verdanken. Sie schätzte den trockenen Pragmatismus des norwegischen Ministerpräsidenten. Als sie zum Beispiel die Idee ventilierte, in der Entwicklungshilfe Gegenleistungen zu verlangen, fand sie in ihm einen Verbündeten.

Seinen Pragmatismus kann und muss Stoltenberg nun ausleben. Als Generalsekretär ist er Diener von 28 - mit dem Neumitglied Montenegro bald 29 - Chefs. Jedes falsche Wort kann ihm Ärger mit einem der Bosse einbringen. Deshalb wägt er seine Worte so genau und wiederholt sie so gern, wenn sie erprobt sind.

"Wir leben in Zeiten mit nie dagewesenen Herausforderungen sowohl aus dem Osten als auch aus dem Süden", ist so ein Satz. Stoltenbergs Angewohnheit ist es, beim "Osten" seine beiden Hände stets nach links, beim "Süden" nach rechts sausen zu lassen. Für Brüssel-Korrespondenten ist es ein Sport, das Sausen der Stoltenbergschen Hände taktgenau vorherzusagen.

Das erste Nato-Treffen mit Trump ist anders als sonst: keine langen Reden

Am Donnerstag nächster Woche nun empfängt Stoltenberg in Brüssel die Anführer aus allen Nato-Staaten, seine Chefs also. Man wird ein Stück Berliner Mauer enthüllen und ein Mahnmal für den 11. September und danach gemeinsam zu Abend essen. Am Ende aber wird es nur auf eines ankommen: Findet Donald Trump nun wirklich nicht mehr, dass die Nato obsolet ist? Und hat der US-Präsident verstanden, was das für eine Allianz ist?

Ein Nato-Generalsekretär muss mit allen irgendwie auskommen, einem aber muss er gefallen. Das ganze Treffen, das nicht Gipfel heißen soll, ist folglich zugeschnitten auf Trump. Keine langen Reden sollen dessen Geduld strapazieren. Ob es eine schriftliche Abschlusserklärung gibt, ist noch nicht klar. Im Nato-Hauptquartier hätte man gerne ein paar verbindliche Zeilen, die das "transatlantische Band" bekräftigen. Schon für den Fall, dass Trump wieder twittert.

Im April war Stoltenberg im Weißen Haus, um das Treffen am 25. Mai vorzubereiten. Zum ersten Mal begegnete er dem Mann, der das 68 Jahre alte Bündnis im Wahlkampf als überholt geschmäht hatte. "Es war gar nicht nötig, auf die verschiedenen Dinge, die er während des Wahlkampfes gesagt hat, zurückzukommen", sagt Stoltenberg, "weil er in allen Gesprächen mit mir so eindeutig war in seiner Unterstützung für die Allianz." Ebenso wie ja auch Vizepräsident Mike Pence, Außenminister Rex Tillerson, Verteidigungsminister James Mattis und Sicherheitsberater H.R. McMaster.