Münchner Missbrauchsskandal:Kardinal Wetter bittet um Entschuldigung

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Münchner Missbrauchsskandal: Kardinal Friedrich Wetter bei einem Gottesdienst im Jahr 2008.

Kardinal Friedrich Wetter bei einem Gottesdienst im Jahr 2008.

(Foto: Frank Mächler/dpa)

Der frühere Erzbischof von München und Freising schreibt, es sei falsch gewesen, Pfarrer H. weiter in der Seelsorge einzusetzen. Der Priester hatte über Jahrzehnte hinweg viele Kinder sexuell missbraucht.

Der emeritierte Münchner Kardinal Friedrich Wetter hat sich für seine "falsche Entscheidung" in einem prominenten Missbrauchsfall entschuldigt. Pfarrer H. hätte nicht mehr in der Seelsorge eingesetzt werden dürfen, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten schriftlichen Erklärung Wetters.

Es erfülle ihn "mit Scham und Trauer", zumindest im Fall H. eingestehen zu müssen, "dass ich meiner Verantwortung als Erzbischof von München und Freising zum Schutz der Kinder und Jugendlichen nicht in dem notwendigen Maß gerecht geworden bin", betonte Wetter. In der katholischen Kirche seien die Vollmachten fast nur auf den Ortsbischof konzentriert. "Dem entspricht eine undelegierbare persönliche Verantwortung."

Für seinen "unzureichenden Umgang im Falle H., aber auch mit anderen Anzeigen und Missbrauchsfällen in meiner Amtszeit muss ich deshalb auch persönlich Verantwortung übernehmen und bitte um Entschuldigung". In der gesamten Kirche sei eine "Selbstreinigung im Gang, die mit einem Schuldbekenntnis beginnt".

Priester H. wurde trotz Bewährungsstrafe weiterbeschäftigt

Wetter erklärte, er sei mit dem Fall H. nach seiner Erinnerung zum ersten Mal in Berührung gekommen, "als es darum ging, ob er nach seiner Verfehlung noch einmal in der Seelsorge eingesetzt werden könne". H. war wegen Missbrauchs mehrerer Kinder in Grafing vom Amtsgericht Ebersberg 1986 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. "Die Entscheidung, die ich nach intensiver Beratung in der Ordinariatssitzung getroffen habe, ihn unter strenger Aufsicht nach Garching/Alz zu schicken, war ohne Zweifel objektiv falsch", schreibt der emeritierte Kardinal.

In der am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme zum Münchner Missbrauchsgutachten räumte Wetter ein, sich vor dem Jahr 2010 nicht eingehend mit den fatalen und zerstörerischen Folgen von Missbrauchstaten für Kinder und Jugendliche auseinandergesetzt zu haben. Das mache für ihn persönlich sein Verhalten als Amtsträger zwar verständlicher, könne es aber nicht rechtfertigen. Denn hätte er anders entschieden, hätte es nicht zu weiteren Missbräuchen kommen können.

"Dass 'historisch' betrachtet der Wissensstand vor 40 Jahren zur Therapierbarkeit eines Täters noch optimistischer war, dass man die Opfer sowie die betroffenen Familien und Pfarreien zu wenig oder nicht gehört hat und dass man der Kirche nicht schaden wollte, sind Fehler, die nicht mehr begangen werden dürfen. Es tut mir von Herzen leid, was in meiner Amtszeit so nicht erkannt wurde."

Wetter wurde im Jahr 1982 Erzbischof von München und Freising - als Nachfolger Joseph Ratzingers, der als Präfekt der Glaubenskongregation in den Vatikan ging. Vergangene Woche stellten unabhängige Gutachter ihre Untersuchung zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche im Erzbistum vor. Sie warfen beiden Bischöfen Fehlverhalten in diversen Fällen vor. Der wohl gravierendste ist der Fall des Priesters H., der an verschiedenen Stellen als Seelsorger eingesetzt war, obwohl auch in der Kirchenleitung die Missbrauchsvorwürfe gegen ihn bekannt waren. Dieser Fall füllt in dem Gutachten mehr als 300 Seiten.

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