Mord im Irak Tödliche CIA-Folter in Abu Ghraib soll erneut untersucht werden

Fotos des toten "Iceman" von Abu Ghraib gingen 2004 um die Welt. Doch obwohl die Umstände seines Todes intensiv untersucht wurden, wurde bis heute niemand für den Mord belangt. Das könnte sich nun ändern, berichtet das "Time Magazine".

Auf den Bildern von misshandelten und erniedrigten Irakern im Gefangenenlager Abu Ghraib, die 2004 um die Welt gingen, waren auch zwei Soldaten zu sehen, die sich lachend und mit Daumen-hoch-Geste über die in Eis gepackte Leiche eines Irakers beugten. Die US-Behörden, die die Vorfälle untersuchten, stellten fest, dass es sich bei dem Toten um Manadel al-Jamadi handelte.

Al-Jamadi war von Navy Seals 2003 festgenommen worden, da er im Verdacht stand, an dem Anschlag auf das Hauptquartier des Internationalen Roten Kreuzes in Bagdad beteiligt gewesen zu sein. Bei der Festnahme wurde er leicht verletzt. Wie einer der Navy Seals später aussagte, rammte einer der CIA-Mitarbeiter dem Gefangenen nach der Übergabe in Abu Ghraib allerdings den Arm gegen die Brust und stemmte sein gesamtes Körpergewicht dagegen, wie der New Yorker berichtete.

Keine Stunde später war er tot - gestorben während eines Verhörs durch den CIA-Mitarbeiter Mark Swanner. Wie sich später herausstellte, hatte Swanner den Gefangenen im Duschraum so an die Wand fixieren lassen, dass seine Atmung eingeschränkt war. Darüber hinaus wurde ihm eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt.

Was Swanner möglicherweise nicht wusste, was eine spätere Autopsie jedoch ergab: Mehrere Rippen des Gefangenen waren gebrochen. So in der Atmung eingeschränkt, erstickte er durch die Haltung, in die er von dem Geheimdienstmann gezwungen worden war.

Swanner und sein Übersetzer riefen das Gefängnispersonal zu Hilfe. Doch die Militärpolizisten konnten nur noch den Tod des Gefangenen feststellen. Daraufhin ließen die CIA-Leute al-Jamaids Leiche in Eis und Folie packen. So fanden ihn die später wegen Misshandlungen verurteilten Soldaten Charles Graner und Sabrina Harman vor - und ließen sich zusammen mit dem Toten fotografieren.

In den Medien wurde der Tote aufgrund der Fotos als "Iceman" (Eismann) bekannt. Mark Swanner allerdings kam niemals vor Gericht - obwohl das Justizministerium von der CIA selbst informiert und der Fall al-Jamadi offiziell als "Mordfall" eingestuft worden war.

Das könnte sich nun ändern, wie das US-Magazin Time berichtet. Acht Jahre nach dem Tod des Irakers gebe es Gerüchte in Washington, dass der Fall und weitere Vorwürfe gegenüber der CIA die Justiz erneut beschäftigt. Staatsanwalt John Durham hat angeblich begonnen, im Zusammenhang mit dem Tod von al-Jamadi Zeugen vor einer nicht öffentlichen Grand Jury in Alexandria, Virginia, zu verhören.

Aus einem Dokument, von dem dem Magazin eine Kopie vorliegt, geht hervor, dass die Grand Jury "mögliche Verletzungen von Bundesgesetzen untersucht, die Kriegsverbrechen, Folter und weitere Verstöße gegen Bundesrecht" betreffen. Die Untersuchung soll sich demnach gegen einige CIA-Mitarbeiter und von der Behörde angeheuerte Personen in mehreren Fällen richten.

Obwohl die früheren Untersuchungen des Falls al-Jamadi ein relativ klares Bild von den Ereignissen ergeben hatten, versucht Durham laut Time nun offenbar weitere Informationen von den Beteiligten zu bekommen. Zwar ist Swanners Name öffentlich bislang nicht gefallen. Aber das Magazin will erfahren haben, dass die Ermittler sich erneut auf ihn konzentrieren.

In den USA ist nicht jeder erfreut darüber, dass der von US-Präsident Barack Obama 2009 ernannte Generalbundesanwalt Eric Holder von Durham eine Reihe bislang nicht abschließend geklärte Vorwürfe gegen die CIA noch einmal untersuchen lässt. Michael Mukasey, Generalbundesanwalt unter George W. Bush, bezeichnete erst Mitte Mai das Vorgehen seines Nachfolgers als "empörend". Egal, was dabei am Ende herauskäme, es werde nichts Gutes sein und die CIA für lange Zeit demoralisieren, sagte er laut Washington Post.

Auch sieben frühere CIA-Direktoren haben sich bereits bei Obama über die Untersuchung Durhams beschwert. Angesichts der Schwierigkeiten, auf die die Staatsanwaltschaft bei der Aufklärung mutmaßlicher Straftaten von Geheimdienstmitarbeitern stößt, bleibt es offen, ob es in Fällen wie dem von Manadel al-Jamadi zu Verurteilungen kommen wird.

Erst im Januar hatte Durham selbst erklärt, ein früherer CIA-Mitarbeiter werde für die Zerstörung von Videoaufzeichnungen brutaler Verhöre durch Mitarbeiter des Geheimdienstes nicht belangt. Die Videos waren von einem Gericht im Rahmen des Freedom of Information Act angefordert worden.

Kritiker der Verhörmethoden unter der Bush-Regierung sind vom erklärten Foltergegner Barack Obama bislang enttäuscht. Menschenrechtsaktivisten sorgen sich sogar darüber, dass zukünftige Regierungen die Foltermethoden angesichts der Untätigkeit der Demokraten wieder für gerechtfertigt erklären könnten.

Angesichts der erneuten Untersuchung des Mordes an al-Jamadi hoffen sie nun, dass Mitarbeiter der CIA und die Führung der Behörde selbst doch noch zur Rechenschaft gezogen werden.