Mohammed bin Salman Die verhasste Religionspolizei ist entmachtet worden

Unterhaltung soll ein Wirtschaftszweig werden, Frauen stärker ins Wirtschaftsleben integriert werden. 2016 stellten sie nur ein Fünftel der arbeitenden Bevölkerung, einer der niedrigsten Werte weltweit, obwohl mehr als die Hälfte der Universitätsabsolventen Frauen sind. Die Zahl der weiblichen Arbeitskräfte steigt rapide, um 130 Prozent in den vergangenen vier Jahren.

Der Prinz überzeugte seinen Vater, König Salman, die verhasste Religionspolizei zu entmachten und die Vormundschaft der Männer über die Frauen zu lockern - ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung. Überdies setzte er durch, dass Frauen von 2018 an Autofahren dürfen.

Er legte sich mit ultrakonservativen Klerikern im Königreich an, obwohl sie zu den zentralen Stützen der Monarchie zählen. Mehr als alle Ankündigungen wurde in Saudi-Arabien wahrgenommen, dass MbS sagte, er werde sein Land "zu einem moderaten Islam zurückführen" und in einem nachfolgenden Interview mit dem Guardian die vergangenen 30 Jahre für "nicht normal" erklärte - in den Siebzigerjahren gab es noch Kinos im Königreich. Er sagt damit, dass in Saudi-Arabien Fundamentalisten das Sagen hatten, gar Extremisten. An sie hatte das Königshaus die Familien- und Gesellschaftspolitik ausgelagert. Im Gegenzug verliehen die Kleriker dem Königshaus religiöse Legitimität.

Sie gewannen an Einfluss nach der Besetzung der Großen Moschee von Mekka im November 1979 mit mehr als 500 Toten und der Islamischen Revolution in Iran, die mit der Rückkehr von Ayatollah Ruholla Chomeini nach Teheran im Februar desselben Jahres ihren Ausgang nahm. Beide Ereignisse empfand das Königshaus als existenzielle Bedrohung, Irans revolutionäre Ideologie bis heute. Mohammed bin Salman bricht allerdings nicht unterschiedslos mit den saudischen Salafisten, im Westen als Wahhabiten bezeichnet. Er geht vor allem gegen Kleriker vor, die sich seiner Agenda widersetzen oder islamistischen motivierten politischen Aktivismus predigen, wie er kennzeichnend für die Muslimbruderschaft ist. Schon das ist unerhört.

Reibungslos geht all das nicht vonstatten: Einschnitte für Staatsbeamte nahm der König jüngst zurück, und damit zentrale Bestandteile der Reformen des Sohnes. Am Börsengang von Saudi-Aramco mehren sich die Zweifel. Es wächst der Widerstand des konservativen Establishments, dessen Einfluss bis weit in die unübersichtliche Königsfamilie reicht. MbS zeigt sich unbeeindruckt. Aber all seine Pläne hängen davon ab, ob es ihm gelingt, seine Macht zu konsolidieren. In Riad schwirren die Gerüchte, sein Vater könnte abtreten - und so dem Sohn noch zu Lebzeiten den Thron sichern.

Gleichberechtigung "Ich wünschte, meine Führerscheinnummer könnte die 0001 sein"

Vorsichtige Reformen

"Ich wünschte, meine Führerscheinnummer könnte die 0001 sein"

Bald sollen Frauen in Saudi-Arabien ans Steuer dürfen. Die Entscheidung kommt in dem ultrakonservativen Staat einer Sensation gleich. Wie die künftigen Autofahrerinnen reagieren.   Von Dunja Ramadan und Oliver Klasen