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Vorwahlen in Michigan und Arizona:Romneys Sieg offenbart Romneys Schwächen

Mit dem knappen Erfolg in seiner früheren Heimat Michigan wendet Mitt Romney eine Katastrophe für seinen Wahlkampf ab. Die Presse mäkelt an seinem dünnen Sieg und Romneys ärgster Rivale um die republikanische Präsidentschaftskandidatur richtet sich in einer wichtigen Frage neu aus: Demonstrativ preist der Erzkonservative Rick Santorum plötzlich die Frauen.

Matthias Kolb, Washington

Mitt Romney hat sein Etappenziel auf dem Weg zur Präsidentenwahl erreicht: Er hat die Vorwahl seiner Republikanischen Partei in Michigan nicht verloren. 41 Prozent, immerhin. Ein überzeugender Triumph in jenem Bundesstaat, in dem er geboren wurde und den sein Vater als Gouverneur regierte, lag längst schon nicht mehr im Bereich des Möglichen. Insofern wird der 64-Jährige verdammt froh über die drei Prozentpunkte Vorsprung sein, die er in seiner Siegesrede so kommentierte: "Wir haben nicht deutlich gewonnen, aber wir haben ausreichend gewonnen. Das ist alles, was zählt."

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Doch noch am Wahlabend konnten Romney und seine Berater in den Live-Sendungen der Kabelsender sehen, dass die Kritiker in der eigenen Partei und in den Medien nicht verstummen werden.

Sie fragen zu Recht: Wo, wenn nicht in Michigan, hätte der Ex-Gouverneur einen fulminanten Sieg einfahren müssen? Wo, wenn nicht hier hätte er zeigen können, dass er in allen Wählerschichten punkten kann?

Ein erster Blick auf die Daten bestätigt Romneys altes Problem: Besonders gut kommt er bei Frauen an, auch bei älteren und wohlhabenden Republikanern. Doch andere Wählergruppen fremdeln mit Mitt Romney: Sie tendieren zu seinen innerparteilichen Konkurrenten.

Junge Wähler fühlen sich stärker vom kauzigen Ron Paul angesprochen, während die Arbeiter, die Tea-Party-Anhänger und jene Republikaner, die sich als "sehr konservativ" einstufen, mehrheitlich für Rick Santorum stimmten. Nicht nur die New York Times stellt bohrende Fragen: Warum überzeugt gerade in einem von der Wirtschaftskrise arg gebeutelten Staat wie Michigan der Ökonomie-Fachmann Romney nicht deutlich mehr Menschen? Warum glauben nicht mehr Bürger, dass er vieles besser machen werde als seine Konkurrenten - und als Präsident Barack Obama? Romneys Image eines "Mr. Fix It", der die US-Wirtschaft aus der Krise holen und den Staatshaushalt sanieren kann, zieht immer noch nicht.

Bohrende Fragen

Romney ist noch einzuholen im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur, das spüren auch seine innerparteilichen Rivalen. Dass der in Michigan und auch in Arizona unterlegene Rick Santorum nicht ans Aufgeben denkt, machte der Ex-Senator aus Pennsylvania bei seiner Rede in Grand Rapids deutlich: Immer wieder sei ihm gesagt worden, dass er in diesem "Hinterhof Romneys" keine Chance habe. "Doch die Leute von Michigan haben in die Herzen der Kandidaten geschaut und dafür möchte ich ihnen danken", rief der 53-Jährige angriffslustig.

Auffällig war ein neuer Schwerpunkt in der Rede des Erzkonservativen: Ausführlich würdigte Santorum die Leistungen der Frauen in seiner Familie. Seine heute 93 Jahre alte Mutter habe noch als Krankenschwester gearbeitet, während sie ihn aufzog, schwärmte Santorum. Ehefrau Karen sei als Anwältin tätig gewesen, bis sie sich um die Erziehung der sieben Kinder gekümmert habe - und habe nebenher zwei Bücher geschrieben. Und Tochter Elizabeth sei eine so gute Wahlkämpferin, dass er sich manchmal überflüssig fühle.

Das Kalkül hinter diesen Bemerkungen: Santorums Sprüche über "Radikalfeministinnen", Abtreibung und Erziehung stoßen viele Wählerinnen ab, weshalb sich Romneys ärgster Verfolger nun offenbar milder gibt.

Dies könnte Santorum helfen, seinen Popularitätsvorsprung in jenem swing state zu verteidigen, der bis zum 6. März im Mittelpunkt des Interesses steht: Der Industriestaat Ohio laboriert unter ähnlichen strukturellen Problemen wie Michigan und seine Bürger stimmten 2008 für Barack Obama. Mitt Romney weiß, wie genau sein Abschneiden in Ohio beäugt werden wird, weshalb er schon an diesem Mittwoch im Buckeye State bei zwei Terminen um Wähler wirbt. Danach will er sich um die neun anderen Staaten kümmern, die am Super Tuesday ihre Vorwahlen abhalten.

Die primary in Michigan war vergleichbar mit den Abstimmungen in New Hampshire und Florida: Der Erfolgsdruck lastete enorm auf Romney. Der Mormone hat in den entscheidenden Momenten zwar bisher gewonnen, doch Rick Santorum blieb auch jetzt auf Tuchfühlung. Der Weg zum finalen Duell mit Barack Obama ist noch längst nicht frei für Mitt Romney. In Ohio wartet nun die nächste Bewährungsprobe.

© Süddeutsche.de/feko/mikö/odg

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