Minister übernehmen neue Ressorts:Maas verzückt die Belegschaft, von der Leyen überrascht

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Heiko Maas, Justiz

Am Dienstag, unmittelbar nach seiner Vereidigung, ist Heiko Maas, 47, schon mal kurz ins Bundesjustizministerium gegangen. Offiziell sollte er das Haus erst einen Tag später übernehmen, doch Maas wollte sich schnell anschauen, wo er die nächsten Jahre so arbeitet. Bei der Gelegenheit sei er an der "Ahnengalerie" vorbeigekommen, wie er am Mittwoch bei seiner Rede anlässlich der Amtsübergabe erzählt. Sie zeigt sämtliche seiner Vorgänger. "Bei der erheblichen Anzahl der dort abgebildeten Minister muss man doch leider von einer extrem kurzen Verweildauer ausgehen", stellt er fest und fügt nach einer kurzen Pause hinzu: "Das wusste ich bis dahin nicht."

Und so brachte er seine künftigen Mitarbeiter, die eben noch herzlich für ihre bisherige Chefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) geklatscht hatten, ein erstes Mal zum Lachen. Er hoffe sehr, fuhr Maas fort, dass es ihm gelinge, die durchschnittliche Verweildauer ein wenig zu verlängern. Leutheusser hatte es immerhin auf acht Jahre gebracht, wenn auch mit Unterbrechung. An sie gewandt verspricht Maas, dass er ihre Kandidatur für den Posten des Generalsekretärs im Europarat unterstützen werde. "Wir brauchen keine Pizza-Connection", sagt er. " Wir brauchen mehr sozialliberale Koalition." Ein bemerkenswerter Satz zu Beginn von Schwarz-Rot.

(Daniela Kuhr)

Merkel empfängt Angehörige

Bei Ex-Verteidigungsminister Thomas de Maizière und seiner Nachfolgerin Ursula von der Leyen gab es Küsschen.

(Foto: dpa)

Ursula von der Leyen, Verteidigung

Ursula von der Leyen hat gleich mal aufgeräumt im Verteidigungsministerium, personell jedenfalls. Nachdem die Amtsübergabe am Dienstag erledigt war, teilte sie Staatssekretär Rüdiger Wolf mit, dass seine Zeit im Haus beendet sei - dabei wären es für den 62-Jährigen eigentlich noch mehr als drei Jahre bis zum Ruhestand gewesen. Von der Leyens Entscheidung, auf seine Expertise zu verzichten, kam auch im Ministerium für manchen überraschend, da Wolf das Haus und die Bundeswehr so gut kennt wie kaum jemand - bevor er vor sechs Jahren Staatssekretär wurde, hatte er diverse Funktionen im Ministerium ausgefüllt. An seine Stelle tritt Gerd Hoofe, der von der Leyen seit 2003 in allen Funktionen begleitet hat und entsprechend zuletzt Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales war.

Zwar war klar gewesen, dass von der Leyen Vertraute mitbringen würde - doch hatte man auch im Haus damit gerechnet, dass dafür ein anderer gehen würde als Wolf: Stéphane Beemelmans, der zweite Staatssekretär. Er gilt als einer der engsten Vertrauten des bisherigen Ministers Thomas de Maizière, weshalb viele damit gerechnet hatten, dass er ihm zurück ins Innenministerium folgen würde. Stattdessen sitzt er nun bei von der Leyen und damit bei einer möglichen künftigen Konkurrentin, wenn es einmal um die CDU nach Angela Merkel gehen sollte. Beemelmans' Ruf ist seit der Affäre um die Aufklärungsdrohne Euro Hawk mindestens so angekratzt wie der des Ministers selbst. Mit teilweise überheblichen Auftritten vor dem Verteidigungsausschuss hat er sich bei den Abgeordneten nicht beliebter gemacht.

(Christoph Hickmann)

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