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Michael Avenatti:Der Desperado unter den Demokraten

Michael Avenatti

Michael Avenatti: Bekannt geworden durch Pornostar Stormy Daniels, liebäugelt der Anwalt nun mit der US-Präsidentschaft.

(Foto: AP)

Bekannt wurde Avenatti als Anwalt des Pornostars Stormy Daniels. Nun liebäugelt er mit der US-Präsidentschaft - und will Trump mit dessen eigenen Waffen schlagen.

Ist es ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, wenn Steve Bannon von einem Demokraten schwärmt? Michael Avenatti dürfte sich von der Lobeshymne des ehemaligen Trump-Chefstrategen zumindest bestätigt fühlen, auf dem richtigen Kurs zu sein: "Er hat diese Furchtlosigkeit und er ist ein Kämpfer", sagt Rechtspopulist Bannon über den 47-Jährigen, der als Anwalt von Pornostar Stormy Daniels bekannt wurde.

Bannon, der an Trumps Wahlsieg großen Anteil hatte, geht sogar noch weiter: "Ich denke, er wird weit kommen, wenn er sich dazu entschließt." Er meint die Präsidentschaftswahlen 2020. Avenatti denkt ernsthaft darüber nach, in zwei Jahren gegen Trump anzutreten.

Avenatti ist im immer absurderen amerikanischen Polit-Zirkus der Senkrechtstarter des Jahres: Im März 2018 tauchte er quasi aus dem Nichts auf dem öffentlichen Parkett auf. Er reichte für Daniels Klage gegen Trump ein, um sie aus ihrer Schweigevereinbarung über eine angebliche Affäre mit dem US-Präsidenten zu lösen.

Seither gibt es für die US-Bürger kein Entkommen: Avenatti ist auf allen Kanälen, ob in Social Media, auf Konferenzen und vor allem im US-Fernsehen, wo er viel und gerne redet - und mit Verve Trump angreift. Das macht ihn zum Hoffnungsschimmer für die Demokraten: Endlich einer, der sich traut. Der sich der Sprache des Präsidenten bedient, um ihn rhetorisch in die Schranken zu weisen, statt im Politikersprech um den heißen Brei herumzureden.

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Kein Wunder also, dass er sich mehr zutraut. Im August traf sich Avenatti im wichtigen Vorwahlstaat Iowa schon mal mit demokratischen Macht-Maklern, um über eine mögliche Kandidatur zu sprechen. Und bei Podiumsdiskussionen und Konferenzen testet er seine Wirkung auf ein Live-Publikum.

Einer, der Ärger sucht

So wie Ende September bei der Politik-Konferenz der Texas Tribune in Austin. Vor dem Theater, in dem er auftritt, führt die Zuschauerschlange um den ganzen Block. Als der glatzköpfige Anwalt wenig später mit federnden Schritten auf die Bühne kommt, begrüßt das mehrheitlich progressive Publikum ihn wie einen Popstar. Er setzt ein dickes Grinsen auf und winkt selbstsicher in die jubelnde Menge.

Avenatti war natürlich auch Ensemble-Mitglied in der Kontroverse um Brett Kavanaugh: Der 47-Jährige vertrat Julie Swetnick, die dritte Frau, die dem Richter sexuelle Übergriffe vorwarf. Dass sein Einsatz hier nichts gebracht hat und Kavanaugh trotz aller Vorwürfe zum Supreme-Court-Richter ernannt wurde, sorgt auf republikanischer Seite für bissige Häme. Einige witzeln gar, erst Avenattis Übereifer habe die Senatoren skeptisch und dadurch Kavanaughs Ernennung möglich gemacht. Wie auch immer, der Anwalt nutzt seine Klientinnen und Auftritte geschickt zur Selbstvermarktung. Aber eine Präsidentschaftskandidatur?

Seit Trump sind viele Prominente und Milliardäre überzeugt: US-Präsident zu werden, ist gar nicht so schwer. Disney-Chef Bob Iger, Moderatorin Oprah Winfrey, Starbucks-Gründer Howard Schultz und Dallas-Mavericks-Eigentümer Mark Cuban etwa sollen mit einer Kandidatur liebäugeln.

Doch sind Prominenz und ein acht- bis neunstelliges Bankguthaben genug? Vielleicht braucht es ja jemanden vom Wesen eines Donald Trump, um Donald Trump zu schlagen, raunen einige Demokraten. Also einer, der sich nicht mit Höflichkeiten und Etikette aufhält. Einer, der sich nicht an den politischen Verhandlungstisch setzt, sondern gleich aggressiv draufspringt. Einer, der Ärger sucht und weiß, wie er rhetorische Schlachten gewinnen kann. Einer, der wie Avenatti sagt, er wolle "Feuer mit Feuer" bekämpfen.

Dass der Anwalt nicht nur provozieren, sondern auch witzig sein kann, zeigt er in Austin. Locker und großmäulig reißt er ein paar Zoten. Etwa über Brett Kavanaugh ("Wie brav und unschuldig er in der Highschool gewesen sein will. Weiß der nicht, dass wir alle zur Highschool gegangen sind?") Die Zuschauer klatschen begeistert.