USA:Wer sich bei den US-Demokraten in Stellung bringt

Lesezeit: 7 min

USA: Ist bereits Wahlkampf erprobt: Ex-Vize-Präsident Joe Biden.

Ist bereits Wahlkampf erprobt: Ex-Vize-Präsident Joe Biden.

(Foto: AP)

Was haben Ex-Vizepräsident Biden, der Wrestler "The Rock" und Facebook-Chef Zuckerberg gemeinsam? Sie werden als Präsidentschaftskandidaten für 2020 gehandelt. Welche Chancen haben sie?

Von Beate Wild

Ex-Vizepräsident Joe Biden, Wrestler "The Rock" und Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Nur sechs Monate nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump werden bereits mehr als ein Dutzend mögliche Kandidaten der Demokraten für die Präsidentschaftswahl 2020 gehandelt. Auch von Moderatorin Oprah Winfrey, Dallas-Mavericks-Eigentümer Mark Cuban, Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown und Senatorin Elisabeth Warren ist die Rede. Selbst Bernie Sanders gilt immer noch hartnäckig als liberaler Hoffnungsträger.

Bevor die Demokraten jedoch an die nächsten Wahlen denken können, müssen sie erst einmal den Richtungsstreit in der eigenen Partei beilegen und sich auf eine Linie einigen. Der Wahlkampf 2016 spaltete die Partei in zwei Lager: Auf der einen Seite stehen die ehemaligen Anhänger von Hillary Clinton. Sie treten für den amerikanischen Liberalismus ein, wollen im Grunde aber, dass alles wieder so wird, wie es unter Ex-Präsident Barack Obama war. Auf der anderen Seite stehen die Bernie-Sanders-Fans. Die Progressiven, die die Ideen des selbsternannten Sozialisten feiern und einen drastischen Wandel der amerikanischen Gesellschaft fordern.

Wir haben uns angesehen, wer schon jetzt als potentieller Kandidat gilt - und wie deren Chancen stehen.

Die alten Haudegen

Joe Biden

Joe Biden war Vize-Präsident unter Obama und könnte mit seinen 74 Jahren eigentlich seinen Ruhestand genießen. Doch der beliebte Politiker aus Delaware träumt offenbar immer noch vom Weißen Haus. 2016 trat er nicht an, weil kurz zuvor sein Sohn Beau einem Hirntumor erlegen war. Vor kurzem bekannte er jedoch, er bereue es, die Chance verpasst zu haben.

Im November erscheint nun in den USA seine Biographie "Promise Me, Dad: A Year of Hope, Hardship and Purpose." Thema ist der Tod seines Sohnes und das Leben danach. Auf Bidens Lesetour im Herbst wird es aber sicherlich nicht nur um das Buch gehen, sondern auch um die Frage: Was wäre, wenn er 2020 antreten würde? Biden hätte gute Chancen, bemisst man diese nur an seinen Beliebtheitswerten. Einzig sein Alter, er wäre dann 77, könnte ein Hindernis sein.

Elisabeth Warren

U.S. Sen. Elizabeth Warren (D-MA) speaks as the Democratic party leadership unveils their 'Better Deal' for America in Berryville, Virginia

Senatorin Elizabeth Warren.

(Foto: REUTERS)

Die Senatorin aus Massachusetts und ehemalige Jura-Professorin gilt als weibliches Äquivalent zu Bernie Sanders. Kämpferisch tritt die 68-Jährige für linke Werte ein - auch und gerade, wenn sie auf Widerstand stößt.

Als im Februar die Nominierung von Justizminister Jeff Sessions diskutiert wurde, erteilte Mehrheitsführer Mitch McConnell ihr Redeverbot im Senat. Sie hatte einen alten Brief von Martin Luther Kings' Witwe vorgelesen, die damit 1986 gegen die Nominierung von Sessions zum Bundesrichter protestiert hatte. Zur Erklärung sagte McConnell: "Sie war gewarnt. Sie hat eine Erklärung bekommen. Nichtsdestotrotz hat sie nicht locker gelassen."

Seine Sätze wurden zum großen Thema in den sozialen Medien - und waren das beste Geschenk, das der Republikaner Warren machen konnte. Durch den Eklat wurde ihre Botschaft erst recht im Internet verbreitet und ihr Ruf als unerschrockene Kämpferin für liberale Werte gefestigt. Dass Warren auf Twitter schon öfter von Trump verunglimpft wurde, bringt ihr in progressiven Kreisen zudem die nötige "street credibility" ein. Warrens Chancen, 2020 für die Demokraten ins Rennen zu gehen, stehen sehr gut.

Bernie Sanders

Bernie Sanders

Senator Bernie Sanders.

(Foto: AP)

Trump hat zwar im vergangenen November die Präsidentschaftswahl gewonnen, der Wahlkampf von Bernie Sanders ging jedoch einfach weiter. Seither absolvierte "Bernie" Auftritte in zahlreichen Kleinstädten - vor allem in Gegenden, in denen Trump recht erfolgreich war. Seine Mission: Den Kleinstadt-Amerikanern vermitteln, dass die Liberalen - und nicht die Konservativen - in Wahrheit ihre Interessen vertreten. Seine Themen: Krankenversicherung für alle, Mindestlohn von 15 Dollar die Stunde, kostenfreies Uni-Studium.

Sanders bezeichnet sich selbst als "Unabhängigen", um Distanz zum Establishment der Demokraten zu signalisieren. Als echtem Progressiven gehen ihm viele Ideen der Partei nicht weit genug.

2020 wäre Sanders schon 78 Jahre alt. Dass er noch einmal als Kandidat antritt, gilt als eher unwahrscheinlich. Doch durch seine ständigen Auftritte schafft er es vielleicht, den Weg für einen anderen progressiven Kandidaten zu ebnen.

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