US-Wahl Mexiko fürchtet die wirtschaftliche Katastrophe

Die Botschaft, die am Morgen auf den Titelseiten mexikanischer Zeitungsseiten prangte, war für das Land keine gute.

(Foto: dpa)
  • Mexiko ist nach dem Erfolg von Trump geschockt. Die Währung bricht dramatisch ein. Banker sind zutiefst beunruhigt.
  • Der Grund ist nicht nur, das Trump an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen will. Die Folgen sind weitreichender. Dabei leidet das Land schon jetzt.
Von Boris Herrmann, Rio de Janeiro

Der mexikanische Peso hat das nahende Unheil zuerst gespürt. Er war schon in den vergangenen Wochen ein zuverlässiger Gradmesser für Trumps Wahlchancen und tanzte spiegelverkehrt zu dessen Prognosen auf und ab. Nun befindet er sich im freien Fall. Mehr als zehn Prozent hat der Peso in der Wahlnacht gegenüber dem Dollar eingebüßt, er landete bei einem historischen Tiefstwert. Daran lässt sich schon ablesen, was der Ausgang der US-Wahl für Mexiko bedeutet: nichts anderes als eine wirtschaftliche Katastrophe.

"Trump ist ein verheerender Hurrikan, vor allem dann, wenn er seine Wahlversprechen einhält", sagt Augustín Carstens, Chef der Bank von Mexiko. Dabei geht es längst nicht nur um die Frage, wer den Bau einer Grenzmauer bezahlt, die es ohnehin schon gibt. Trump hat unter anderem versprochen, das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta zu kündigen. Die mexikanische Wirtschaft, vor allem ihre Autoindustrie, ist aber nahezu komplett vom Handel mit dem großen Nachbarn abhängig. Fast 80 Prozent der Exporte gehen in die USA. Mexikanische Analysten prophezeien für das erste Trump-Jahr nun eine Rezession von drei Prozent.

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Die Tageszeitung El Universal teilte ihren Lesern am Morgen danach mit: "Clintons Niederlage positioniert Mexiko im Kreis der schlimmsten Länder der Welt." Fast überall auf dieser Welt herrscht nun eine Mischung aus Entsetzen und Ratlosigkeit, zumal in Lateinamerika, dem sogenannten Hinterhof der USA. Was aus Obamas Tauwetterpolitik mit Kuba wird, ist nun ebenso fraglich wie die Fortsetzung des Friedensprozesses in Kolumbien, den Washington zuletzt mit Expertise und Devisen unterstützte. Der kolumbianische Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos ist mit Hillary Clinton befreundet. Über Trump sagt er sehr diplomatisch, er sei "kein Fan" dessen politischer Ideen.

Zu den größten Verlierern der US-Wahl gehört aber zweifellos jenes südliche Nachbarland, das der nun siegreiche Kandidat zum Hauptziel seiner Stigmatisierungen und teils rassistischer Verunglimpfungen auserkoren hat. Ein Land, das ohnehin mit seinen Problemen überfordert ist, mit dem Drogenkrieg, der Alltagskriminalität, der Armut, der Korruption. Jetzt kommt auch noch Trump dazu - und mit ihm etwa die Aussicht auf systematische Deportationen von Migranten. Ein alter Spruch macht aus aktuellem Anlass wieder die Runde: "Armes Mexiko! So weit weg von Gott und so nah dran an den USA."

Paradoxerweise darf sich im Land der Verlierer ausgerechnet der Präsident als Teilsieger fühlen. Enrique Peña Nieto hat nun immerhin eine Rechtfertigung für sein allseits kritisiertes Treffen mit Trump vor einigen Wochen. Er kann sagen, er habe den aufziehenden Hurrikan noch vor dem Peso gespürt.

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