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Melania Trump:Die wahre First Lady: die Tochter

Dennoch - oder gerade deshalb - belegt den Job der wahren First Lady derzeit noch eine andere: Ivanka Trump, Tochter aus Donald Trumps erster Ehe. Ivankas Namen nennt Vater Donald als erstes auf die Frage, auf wen er sich am meisten verlassen kann. Sie ist, nach drei Ehen und diversen Affären, die weibliche Konstante in seinem Leben. Ihre Aufgabe im Wahlkampf war vor allem, Donald Trump als Familienmenschen zu rehabilitieren und seinen miesen Ruf als Frauenfeind zu widerlegen.

Ivanka gab nicht nur Interviews, sondern reiste - schwanger mit Kind Nummer drei - durch Iowa, New Hampshire und South Carolina, um auf eigenen Veranstaltungen für ihren Vater zu werben. Sie gilt als effektiver Weichspüler von Trumps Image - eine Eigenschaft, die Melania eindeutig fehlt: Als Trumps Ehefrau vergangene Woche - nach viermonatiger Pause - schließlich doch eine weitere Wahlkampfrede hielt, ließ sie die Chance, ein nahbares, sympathisches Bild des Präsidentschaftskandidaten zu zeichnen, ungenutzt.

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Keine persönlichen Informationen aus dem Privatleben, keine Anekdoten über den Mann an ihrer Seite, mehr als PR-Sprech bekommen die Wähler nicht zu hören: "Er ist sehr klug und charmant, wir haben eine großartige Energie zwischen uns", heißt es da. Oder: "Wir sind beide sehr unabhängig (...) Ich sage ihm, wenn ich nicht mit ihm übereinstimme. Manchmal hört er zu, manchmal aber auch nicht." Statt eigene Botschaften in ihrer Rede zu vermitteln, wiederholte sie vor allem Parolen ihres Mannes: "Lasst uns Amerika wieder großartig machen" und "Das ist keine normale Kampagne, das ist eine Bewegung".

Melania Trump erscheint im Trump-Universum weniger als leuchtender Stern - sondern eher wie ein ausgleichender Mond, der um den polternden Donald-Planeten kreist. Auch sonst repräsentiert die Verbindung zwischen dem Republikaner und der gebürtigen Slowenin einige Gegensätze: Mit Melania Trump, die fünf Sprachen beherrscht, darunter Deutsch, bekommt Amerika die erste First Lady, die in einem kommunistischen Land geboren wurde und (nach John Quincy Adams' Frau Louisa) die zweite, die nicht in den USA zur Welt kam. Und das, obwohl Trump nicht gerade bekannt für seine Toleranz gegenüber Einwanderern ist.

Doch Trumps Gattin, die Englisch mit starkem Akzent spricht, plagen offenbar andere Sorgen: "Unsere Kultur ist rau und gemein geworden", klagte sie in ihrer Rede. Merkwürdig anmutende Worte aus dem Mund einer Frau, deren Mann im Wahlkampf ganze Bevölkerungsgruppen beleidigt hat.

A propos Widerspruch: Nach ihrer Einwanderung in die USA soll die gebürtige Slowenin zunächst mehrere Wochen illegal gearbeitet haben. Vom 27. August bis zum 18. Oktober 1996 erhielt das ehemalige Model Aufträge in Höhe von umgerechnet 18 000 Euro, obwohl sie noch keine Arbeitserlaubnis besaß. Ein brisantes Detail, nicht zuletzt deshalb, weil Ehemann Donald Trump immer wieder gegen illegale Immigranten wettert und im Falle seiner Präsidentschaft ein hartes Vorgehen gegen nicht registrierte Einwanderer angekündigt hat.

Diesen Widerspruch zu beleuchten, versteht Melania jedoch nicht als ihre Aufgabe. Vielmehr sieht die Mutter eines Zehnjährigen sich in der Rolle der "Anwältin von Frauen und Kindern" und will sich unter anderem gegen Cyber-Mobbing engagieren. Eine diplomatische Entscheidung: Kinder - und neuerdings auch Frauen - gehören nicht zu Donald Trumps Feindbildern. Dann ist wenigstens im Weißen Haus die Stimmung tipptopp.

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